"Batteriegipfel" in Brüssel Autoindustrie startet Aufholjagd

Der Markt für Batteriezellen für E-Autos wird von asiatischen Herstellern dominiert. Um den Anschluss nicht zu verlieren, will die europäische Industrie zusammen mit der Politik eine Strategie entwickeln.

Ladestationen der Firma Tesla
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Ladestationen der Firma Tesla


Die europäische Automobilindustrie liegt bei der Produktion von Batterien für Elektroautos zurück. Jetzt startet sie mithilfe der Politik eine Aufholjagd.

Der Markt für diese Energiespeicher dürfte bis Mitte des nächsten Jahrzehntes 250 Milliarden Euro groß werden, sagte EU-Energiekommissar Maros Sefcovic. Allein deshalb müsse man dabei sein, dazu kämen noch viele neue Jobs. "Ich bin nicht gewillt, den Markt den Wettbewerbern zu überlassen", sagte Sefcovic.

Bislang dominieren bei Batteriezellen für E-Autos asiatische Hersteller wie Panasonic, LG oder Samsung. In Europa sei man spät dran, sagte Wirtschaftsstaatssekretär Matthias Machnig. Bis nächstes Jahr müsse es eine Strategie geben.

"Breiter Konsens"

Beim "Batteriegipfel" in Brüssel, zu dem sich 40 Firmenvertreter aus der Auto-, Chemie- und Technologiebranche unter der Schirmherrschaft der EU-Kommission trafen, gab es Machnig zufolge einen "sehr breiten Konsens", ein Ökosystem für die Akkuproduktion in Europa zu starten.

Ziel sei, die gesamte Expertise bei Forschung und Entwicklung zusammenzubringen. Die großen Autobauer wollen in den nächsten Jahren viele neue E-Autos auf die Straße bringen. Sie reagieren damit auch auf den Druck der Politik, die Schadstoffemissionen zu reduzieren.

Die EU-Kommission will den CO2-Ausstoß der Autoflotten bis 2030 um bis zu 35 Prozent drücken, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf EU-Kreise. Die Neuwagen-Flotten der Autokonzerne müssten dann zwischen 25 und 35 Prozent und Lieferwagen 30 bis 40 Prozent weniger Kohlendioxid (CO2) produzieren, sagten mit den Plänen vertraute Personen.

Diskussion über Quote für Elektroautos

Die bisherigen EU-Regelungen zum CO2-Ausstoß gelten nur bis 2021. Dann dürfen die Autos im Schnitt maximal noch 95 Gramm CO2 ausstoßen. Dies entspricht einem Verbrauch von etwa vier Litern Benzin auf 100 Kilometern.

Um die Elektromobilität zu fördern, will die EU den Kreisen zufolge 800 Millionen Euro zur Verfügung stellen, um Ladepunkte auszubauen. Ferner sollen 200 Millionen Euro für die Entwicklung der Batterietechnik fließen. Diskutiert wird zudem über eine Quote für Elektroautos. Diesen Weg geht unter anderem China. "Ich persönlich mag keine Quoten", sagte EU-Klimakommissar Miguel Arias Canete.

Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichtete, die EU-Kommission wolle die Autobauer ab 2030 dazu verpflichten, dass mindestens 15 Prozent aller Neuwagen in Europa mit einem Elektromotor oder anderen emissionsfreien Antrieben ausgestattet sind.

brt/Reuters

insgesamt 83 Beiträge
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mrrich 11.10.2017
1. Denke nicht, daß
die europäischen Autobauer hinten liegen, da sie ja alle den chinesischen Markt beliefern, der fordert ab 2018 schon 30%(bin nicht ganz sicher) e-flottemobilität. Ist halt wieder eine schöne Gelegenheit an Staatsgelder zukommen.
räbbi 11.10.2017
2.
Zunächst mal...der Anschluss ist längst verloren. Daneben: da werden große Töne gespuckt und alle Hebel umgelegt, um auch ja jede denkbare, öffentliche Kasse Zwecks Subventionen anzuzapfen. Wie hoch war denn bei BMW, Daimler und Co der Gewinn so im letzten Quartal? Labert nicht, macht. Sonst ist auch für jeden Quatsch Geld da.
ellenbetti 11.10.2017
3. dann möchte ich heute die Wette anbieten
das eine solche Fabrik in Frankreich gebaut wird.
stefan.martens.75 11.10.2017
4. Autoindustrie startet Aufholjagd?
Ist das jetzt die journalistische Umschreibung für komplettes Versagen am Markt um die Politik zu zwingen einem Geld hinterher zu werfen? Das ist doch wohl ein Witz! Eine kleine unbedeutende Bude hat eine 100% Elektroquote inklusive Schnellladenetz ohne Subvention geschaffen.
rumans 11.10.2017
5. es ist ein Lemminglauf in den Abgrund
Wasserstoff wird sich durchsetzen. In der Autoindustrie und Politik hat keiner die Traute sich gegen diesen Hype zu stellen. Sogar Merkel erwähnte im großen Phoenixinterview Wasserstoff. Eine Anfangserfolgstäuschung werden die geförderten Eigenheimbesitzer und Zweitwagenbesitzer sein, danach wirds's stagnieren. Ladestationen im öffentlichen Raum dezimieren Dauerparkplätze. Emissionsfrei ist kein einziges e-Auto ausser getankt mit Wasserstoff, was seinen Spitzenverbrauch selbst bei sich trägt und keinen Ladeärger, keine eigene Ladeverkabelung (für praktisch jeden Parkplatz) benötigt.
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