Bauernprotest in Bayern Kuh-Windeln gegen Düngeverbot

Hülle für die Gülle: Aus Protest gegen ein geplantes Düngeverbot an Hanglagen haben Bauern in Bayern einer Kuh Windeln angelegt. Die Landwirte wollen die verschärfte Verordnung verhindern. Doch es gibt auch Befürworter.

Landwirte in Gmund am Tegernsee: Windel für Kuh Doris
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Landwirte in Gmund am Tegernsee: Windel für Kuh Doris


München/Gmund - In Bayern tobt eine Schlacht um Mist. Kuhmist, um genau zu sein. Denn für Flächen mit einer Hangneigung von mehr als 15 Prozent soll künftig ein generelles Düngeverbot gelten. Das will der Bayerische Bauernverband (BBV) verhindern - und zieht gegen die Pläne jetzt mit einer Protestaktion zu Felde.

Landwirte aus Gmund am Tegernsee legten einer Kuh namens Doris kurzerhand Windeln an, um gegen das Vorhaben zu demonstrieren. "Wir fordern, dass das Verbot in Deutschland verhindert wird", sagte Oberbayerns BBV-Präsident Anton Kreitmair.

Das Verbot folgt auf ein Vertragsverletzungsverfahren, das die EU gegen Deutschland in Gang gesetzt hat. In der Folge muss die Bundesrepublik ihre Düngeverordnung (DüV) verschärfen.

"In Bayern wäre so auf der Hälfte der Weinbauflächen keine Düngung mehr möglich, und zehn Prozent der Wiesen und Äcker könnten künftig nicht mehr bewirtschaftet werden", befürchtet Kreitmair. Nur noch mit Einschränkungen dürften Kühe dann auf Almwiesen weiden.

Umweltschützer beklagen Belastung von Wasser und Luft

Denn auch Gülle dürfte dort nicht mehr ausgebracht werden. "Gülle und Mist sind aber kein Abfall, sondern ein wertvoller Dünger", sagt der BBV-Experte. Kreitmair bestritt, dass an Hängen verschüttete Gülle dem Grundwasser mehr schade, als wenn sie auf ebener Fläche ausgebracht wird. "Es macht keinen Unterschied, wenn der Dünger fachgerecht ausgebracht wird." Der Windelprotest war derweil nur als öffentlichkeitswirksame Aktion gedacht. Selbstverständlich wird selbst bei vollständiger Umsetzung der EU-Forderungen keine Kuh eine Windel tragen.

Umweltschützer hingegen kritisieren, dass Wasser und Luft durch Überdüngung zu stark belastet werden. Bereits am Dienstag hatte der Bund Naturschutz in Bayern (BN) die Belastung von Trinkwasser mit Nitrat durch Überdüngung beklagt. Bayerns landwirtschaftliche Flächen reichten schlicht nicht aus, um anfallende Düngemengen zu verkraften, teilte die Organisation mit.

Die Vertretung der Europäischen Kommission in München versteht die Aufregung nicht. Schließlich könne Deutschland bei der Umsetzung der EU-Nitratrichtlinie die lokalen landwirtschaftlichen und ökologischen Bedingungen berücksichtigen, teilte ein Sprecher mit. Ziel bleibe aber, Wasserverschmutzung durch ausgewaschene Nitrate zu vermeiden. Der Nitratgehalt im Grundwasser liege an vielen Orten Deutschlands über dem erlaubten Grenzwert. Die EU hatte im Juli die zweite Stufe eines Verfahrens gegen Deutschland eingeleitet, weil die Nitratrichtlinie der EU nur unzureichend umgesetzt wird.

bos/dpa



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insgesamt 12 Beiträge
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Mach999 08.10.2014
1. EU-Bashing
Ich erwarte gleich wieder das Bashing gegen die EU, das kommt ja so sicher wie das Amen in der Kirche. Allen EU-Bashern sei aber ins Stammbuch geschrieben: 1. Keine EU-Verordnung wird ohne Zustimmung der Bundesregierung erlassen. Wenn die Bundesregierung trotz möglicherweise in Deutschland bestehender Probleme dennoch zugestimmt hat, ist die Bundesregierung selbst schuld. 2. Der Bundestag hat im Verein mit der Bundesregierung versäumt, die Vorschrift so umzusetzen, dass sie den Gegebenheiten in Deutschland gerecht wird. Dies wäre möglich gewesen. Dass dies nicht getan wurde, ist deutschen Politikern anzulasten, nicht der EU. Deutsche Politiker nutzen die EU gerne, um unpopuläre Gesetze durchzubringen, damit sie mit dem Finger auf Brüssel zeigen können. Mündige Bürger sollten das durchschauen und bei jeder EU-Verordnung fragen, welchen Anteil deutsche Politiker daran haben - meistens einen sehr großen.
ddrbewohner 08.10.2014
2. Kein EU Bashing
Ich persönlich freue mich über diese EU Verordnung. Es ist ein der wenigen, die dem Normalbürger keine Verbote und erhöhte Kosten auferlegt. Dass irgend jemand immer unter der EU leidet, ist klar, dazu ist sie ja auch da. Aber diesmal zumindest nicht jeder Bürger. Danke EU, wir lieben dich.
kioto 08.10.2014
3. Landwirtschaft ist keine heilige Kuh mehr
Es ist zu begrüßen, dass die EU nicht so betriebsblind wie beispielsweise die Grünen sind. Diese haben alles mögliche angeprangert, aber auf dem Bauernhof war immer heile Welt. Probleme wie Überdüngung von Seen und Grundwasser wurden als nicht existent ausgeblendet. Weiterer Punkt wäre der Biosprit Anbau. Dieser hat die Republik in eine Maisfeld verwandelt, überall wird Mais angebaut, und mit Insektizit und Kunstdünger reichlich versehen. So profitieren Bauern und Chemieindustrie an den Subventionen. Korn wird statt dessen importiert und treibt die Weltmarktpreise. Vielleicht entschließt sich die EU, auch mal diesen Wahnsinn zu beenden. mfg Kioto
Reg Schuh 08.10.2014
4.
Klingt so, wie sich der Artikel liest, nach einem arg halbgaren Verbot, das in Eile auf den Weg geschickt wurde, weil die Richtlinie von der EU "vergessen" wurde. Die Details würden mich aber doch interessieren. Geht es vielleicht um das *zusätzliche* Auskippen von Gülle aus dem Stall auf den Hang-Flächen mit mehr als 15% Neigung? "10% der Wiesen und Äcker könnten nicht mehr bewirtschaftet werden." - Warum? Oder können Sie nicht mehr so wie bisher bewirtschaftet werden? Weinanbau - typischerweise in Hanglage - wird Wein üblicherweise in einer Art gedüngt, die durch die verschärfte Düngeverordnung verboten wird? Fragen über Fragen - vielleicht sollte ich für richtige Informationen doch wieder eine richtige Zeitung lesen...
rasta123 09.10.2014
5. Die spinnen, die Bürokraten!
Das angesprochene Vertragsverletzungsverfahren der EU ist eine Farce, da schon die zugrundeliegenden Messwerte nicht aussagekräftig sind. Siehe: http://www.keckl.de/texte/Verwirrung Grundwassser und Nitrat.pdf
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