Dürre Bauernverband rechnet mit noch schlechterer Ernte als bislang

In vielen Regionen Deutschlands regnet es seit Monaten zu wenig. Jetzt hat der Bauernverband seine Prognose für Ernteerträge nach unten korrigiert - um fünf Millionen Tonnen.

DPA


Deutsche Bauern erwarten eine noch schlechtere Getreideernte als bisher befürchtet. Statt zunächst geschätzter 41 Millionen Tonnen sei nur mit einer Menge von rund 36 Millionen Tonnen zu rechnen, teilte der Bauernverband in einer neuen Zwischenbilanz der laufenden Ernte mit. Im vergangenen Jahr waren noch 45,6 Millionen Tonnen Getreideeingefahren worden.

Bauernpräsident Joachim Rukwied verband die Präsentation der Zahlen mit der Forderung nach schnellen Hilfen vom Staat. "Die aus unserer Sicht eindeutigen Zahlen lassen eine grundsätzliche Entscheidung über Dürrehilfen schon jetzt zu." Die Voraussetzungen für Finanzhilfen der Länder in besonders betroffenen Regionen seien klar erfüllt. Der Bauernverband forderte zuvor bereits Nothilfen von möglichst einer Milliarde Euro.

Rukwied: "Katastrophales Ausmaß der Dürreschäden"

Rukwied sprach von einem "katastrophalen Ausmaß der Dürreschäden". Die Mengen blieben deutlich hinter den ohnehin geringen Erwartungen zurück. Bei der in Deutschland wichtigsten Getreideart Winterweizen mit einer Anbaufläche von knapp drei Millionen Hektar wird nun im Bundesdurchschnitt ein Ertrag von sechs Tonnen pro Hektar erwartet - ein Fünftel weniger als im Vorjahr und ein Viertel weniger als im Mittel der vergangenen fünf Jahre.

Beim Winterroggen wird ein Minus von 28 Prozent im Vergleich zum Vorjahr erwartet. Bei der wichtigsten Ölpflanze, dem Raps, wird die Ernte nach DBV-Angaben 21 Prozent unter der von 2017 liegen. Im Vergleich zum Fünf-Jahres-Mittel wird dieses Jahr sogar 32 Prozent weniger Raps geerntet.

Wegen der geringen Ertragsaussichten und Sorgen um eine ausreichende Futterversorgung hätten einige Betriebe Getreide gehäckselt, sagte Rukwied weiter. Vor allem im Osten und Norden drohen auch Ausfälle bei Gras als Tierfutter. Die aktuelle Prognose enthalte in großem Umfang tatsächliche Erntemengen - sie bezieht sich also nicht lediglich auf Vorernteschätzungen.

Zu wenig Futter - Notschlachtungen könnten anstehen

Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) informierte am Mittwoch das Kabinett über die aktuelle Lage. Sie verwies darauf, dass vor allem bei Tierhaltern Not herrsche, weil Futter knapp und teuer werde. Teils stünden Notschlachtungen an.

Zuständig für Finanzhilfen sind zuerst die Länder. Der Bund will erst nach einer amtlichen Erntebilanz Ende August über mögliche eigene Zahlungen entscheiden. Dies ist möglich, wenn Schäden von "nationalem Ausmaß" festgestellt werden. Zuletzt war dies 2003 wegen Trockenheit der Fall.

Klöckner machte deutlich, dass sie fundierte Daten abwarten wolle, ehe zusätzliches Steuerzahlergeld eingesetzt wird. Es sei richtig, die Ernte abzuwarten "und dann zu entscheiden, wie viel Geld fließen muss", sagte Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Er sagte mit Blick auf die "Ausnahmesituation" aber auch: "Wir sollten nicht kleinlich sein."

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Regionen unterschiedlich stark betroffen

Am Dienstag hatten Experten von Bund und Ländern bereits eine erste Bestandsaufnahme vorgenommen. Dabei sei klar geworden, dass die Landwirte in Deutschland sehr unterschiedlich betroffen sind, "aber insbesondere die Hitzewelle der letzten drei Wochen die Situation überall extrem verschärft hat", hieß es danach. "Wir waren uns einig, dass die Länder jetzt die notwendigen Daten so schnell wie möglich liefern, denn nur dann kann der Bund auch schnell handeln", sagte der Parlamentarische Staatssekretär Michael Stübgen (CDU).

Grünen-Chefin Annalena Baerbock forderte angesichts der Dürre einen Wandel zu einer naturschonenderen Bewirtschaftung. Landwirte seien in weiten Teilen des Landes hart betroffen, "gleichzeitig aber auch Teil des Problems", sagte sie dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. "Das Prinzip, Lebensmittel zu Dumpingpreisen in Massen zu produzieren, hat ausgedient."

ans/dpa



insgesamt 15 Beiträge
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Thorkh@n 01.08.2018
1. Wenn die, ...
... die die Subventionen fordern, auch die sind, die abwiegen, sollte man doch ruhig noch einmal unabhängig nachwiegen lassen. Vermeintliche oder tatsächliche Krisen sind immer ein gutes Mittel, auf die Schnelle Dinge durchzubekommen, die bislang für unnötig und sinnlos gehalten wurden. Trau, schau, wem.
schwaebischehausfrau 01.08.2018
2. GRÜN und sinnfrei....
Man kann ja die Landwirte wegen einer Menge kritisieren (Überdüngung, Grundwasser-Verseuchung durch Gülle und Nitrate, Flächenfraß, Monokulturen). Aber an dieser Dürre tragen die deutschen Bauern ganz sicher keine Schuld. Jedenfalls nicht mehr als die neue Phrasen-Schleuder der GRÜNEN. Was die geforderten Hilfen angeht: Na klar, wird der Bauernverband ab jetzt täglich die Höhe der befürchteten Schäden verdoppeln und verdreifachen. Weil Aussicht besteht, dass Bund/Länder einfach mal die Schäden 1:1 ausgleichen. Normalerweise sollte ein anderer Mechanismus wirken: Indem e geringere Ernte (geringeres Angebot) und höheren Futtermittelkosten in einer Marktwirtschaft eben dazu führen, dass die Preise ansteigen und somit ein Teil der Einbußen der Bauern schon mal kompensiert werden. Zumal ja fast überall Dürre ist , so dass Aldi, Rewe & Co. nicht einfach die höheren Preise für deutsches Getreide durch Einkauf in anderen Ländern umgehen können. Aber wer kann's denn Landwirten verdenken: Seit Abwrackprämie für VW & Co., "Griechenland-Rettung", "Banken-Rettunge", in den Sand gesetzten Air-Berlin Krediten des Bundes etc. pp. lässt sich halt jeder, bei dem die Geschäfte nicht so gut laufen, einfach vom Steuerzahler "retten".
peter.braehler 01.08.2018
3. Biogas
Immer mehr Landwirte bauen bevorzugt Energiepflanzen an, die dann für Biogasanlagen dienen. Die üppigen Einspeisevergütungen machen es möglich. Von daher wird trotz der Dürre bei uns keiner hungern müssen
derhey 01.08.2018
4. Sehe ich auch so
warum richtet es diesmal der Markt nicht? Geringe Ernte = höhere Preise. Möglicherweise würde dies aber wohl der Handel einsacken. Zu viel Milch - niedrige Preise, weshalb umgekehrt nicht? Zumal die Subventionen von der EU auch nicht gerade gering sind. Vor ein paar Tagen jammerte ein Obstbauer, die Bäume hingen voll, wenn alles auf den Markt käme, gingen die Preise in den Keller. Nanu? Letztes Jahr waren die Blüten erfroren und die Preise zogen an, jetzt ist es wieder nicht recht.
gruenerfg 01.08.2018
5. Wissen
Schon in der Schule lernen wir, daß es nicht immer gleich gut läuft im Leben, deswegen soll man in guten Jahren etwas zur Seite legen für die schlechten Jahre. Ich habe noch keinen Landwirt gesehen, der in einem Jahr mit hervorragendem Wetter und klasse Ernte und dicken Erträgen und Gewinnen einen Teil seiner Gewinne an die Gemeinschaft abgibt. Wieso soll dann die Gemeinschaft in schlechten Jahren seinen Job finanzieren?
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