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17. November 2012, 13:36 Uhr

Baukonzern

Hochtief muss Konzernspitze radikal umbauen

Deutschlands größter Baukonzern steht überraschend vor einem Führungswechsel. Vorstandschef Stieler soll ausscheiden. Auch Aufsichtsratschef Wennemer und Europachef Eichholz planen den Abgang. Der spanische Großaktionär ACS regiert künftig bei Hochtief durch.

Essen/Madrid - Er ist noch nicht einmal anderthalb Jahre im Amt. Nun soll Hochtief-Vorstandschef Frank Stieler bereits wieder ausscheiden. "Einvernehmlich" wie das vom spanischen ACS-Konzern kontrollierte Unternehmen am Samstag mitteilte. Es liefen zudem Gespräche darüber, dass das spanische Vorstandsmitglied Marcelino Fernandez Verdes neuer Hochtief-Chef wird. Die Entscheidung über die Personalien werde voraussichtlich in einer Aufsichtsratssitzung am kommenden Dienstag fallen.

Außerdem teilte Hochtief mit, dass auch Aufsichtsratschef Manfred Wennemer gegenwärtig plane, sein Mandat zum Jahresende "aus persönlichen Gründen" niederzulegen. Der frühere Conti-Chef führt das Kontrollgremium bei Hochtief erst seit Mai 2011.

Neben dem Vorstands- und dem Aufsichtsratsvorsitzenden steht auch der Chef des Europageschäfts, Rainer Eichholz, vor dem Ausscheiden. Der Vorstandsvorsitzende der Hochtief Solutions AG beabsichtige ebenfalls "aus persönlichen Gründen", sein Mandat niederzulegen, teilte ein Hochtief-Sprecher am Samstag mit. Diese Entscheidung stehe zeitlich und inhaltlich jedoch in keinem Zusammenhang mit den Veränderungen im Konzernvorstand, betonte der Sprecher.

Die Hochtief Solutions AG führt mit rund 15.000 Mitarbeitern und einem Umsatz von etwa 4 Milliarden Euro das Europageschäft des Unternehmens. Dazu zählt auch der Umbau der Elbphilharmonie in Hamburg. Wegen der Verzögerungen bei diesem Projekt habe es viel Kritik an Eichholz gegeben, hieß es.

ACS war im vergangenen Jahr nach einer Übernahmeschlacht bei Hochtief eingestiegen. Konzernchef Herbert Lütkestratkötter musste nach einem verlorenen Abwehrkampf seinen Sessel räumen, Nachfolger wurde Frank Stieler.

Der vermutliche neue Hochtief-Chef Verdes, ein langjähriger ACS-Manager, ist erst seit April 2012 im Vorstand des Baukonzerns und bislang verantwortlich für das Amerika-Geschäft. Zuvor saß Verdes fünf Jahre im Hochtief-Aufsichtsrat. Wennemer hatte Verdes gute Kontakte zu ACS-Chef Florentino Pérez bescheinigt. Der neue Mann im Hochtief-Vorstand könne für eine "bessere Kooperation zwischen ACS und Hochtief" sorgen, hatte Wennemer in einem Zeitungsinterview gesagt. Von einer Machtübernahme durch den neuen Großaktionär wollte der Aufsichtsratschef dagegen nichts wissen.

ler/dpa/Reuters

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