Baukonzern Roland Koch wird Chef von Bilfinger Berger

Die Entscheidung ist gefallen: Roland Koch übernimmt die Spitze beim Baukonzern Bilfinger Berger. Der ehemalige hessische Ministerpräsident tritt die Nachfolge von Vorstandsboss Herbert Bodner an. Eine mögliche Berufung Kochs wurde bereits vorher heftig kritisiert.

Früherer Ministerpräsident Koch: Neuer Chef des zweitgrößten deutschen Baukonzerns
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Früherer Ministerpräsident Koch: Neuer Chef des zweitgrößten deutschen Baukonzerns


Mannheim - Der Aufsichtsrat des Baukonzerns Bilfinger Berger hat einen neuen Vorstandschef berufen: Den Posten erhält der ehemalige hessische Ministerpräsident Roland Koch. Der CDU-Politiker soll demnach zunächst Anfang März 2011 Vorstandsmitglied werden und ab Juli Herbert Bodner als Vorstandsvorsitzenden ablösen.

Der 62-Jährige Bodner, dessen Vertrag ausläuft, hört nach elf Jahren an der Spitze des Unternehmens auf. "Die immer wieder bewiesene Führungskraft von Roland Koch ist die beste Voraussetzung, die sehr erfolgreiche Entwicklung von Bilfinger Berger fortzusetzen und das Unternehmen in eine gute Zukunft zu führen", begründete Aufsichtsratschef Bernhard Walter die Personalentscheidung.

Bilfinger Berger ist nach Hochtief der zweitgrößte deutsche Baukonzern. Das Unternehmen mit Sitz in Mannheim hat rund 67.000 Beschäftigte. Bodner hatte zuletzt die Umgestaltung zu einem Dienstleistungskonzern vorangetrieben.

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Roland Koch: Alphatier aus Hessen

Koch, 52, hatte im Mai überraschend seinen Rückzug aus der Politik angekündigt. Ende August schied er nach elf Jahren an der hessischen Regierungsspitze aus dem Amt, um in die Wirtschaft zu wechseln. Bilfinger Berger sei "eine erste Adresse der deutschen Wirtschaft und zugleich eines der spannendsten Unternehmen, das ich kenne", sagte Koch. Er freue sich sehr auf seine zukünftige Aufgabe.

Als Favorit gehandelt

Bereits in den vergangenen Tagen war Koch als Favorit auf den Chefposten bei Bilfinger Berger gehandelt worden. Die Anti-Korruptions-Organisation Transparency International hatte dies kritisiert. "Wir fordern, dass Spitzenpolitiker für mindestens drei Jahre nicht in Positionen der Wirtschaft arbeiten, die zuvor in ihrem Verantwortungsbereich lagen", sagte die Transparency-Vorsitzende Edda Müller der "Berliner Zeitung".

In Kochs Regierungszeit hatte Bilfinger Berger einen 80-Millionen-Euro-Auftrag zum Bau der Nordwest-Landebahn des Frankfurter Flughafens erhalten. "Es ist bedenklich, dass Koch ausgerechnet in diesem Bereich seine berufliche Zukunft sucht", sagte Müller. "Es darf nicht der Eindruck entstehen, dass dies eine Belohnung für früheres Wohlverhalten sein könnte." Koch gilt bei Experten als politisch gut vernetzt. Allerdings bringt er keine Erfahrungen im Baugeschäft mit.

Der 52-Jährige verteidigte seinen Wechsel gegen kritische Stimmen. "Ich glaube, dass wir in Deutschland eher eine bedauernswert geringe Tendenz zum Wechsel zwischen Wirtschaft und Politik haben. Ich glaube, dass darunter beide Seiten leiden", sagte er. Der Erfahrungsaustausch sei durch nichts zu ersetzen. Koch versicherte, er habe während seiner Zeit als Ministerpräsident "in keinem einzigen Fall etwas mit Entscheidungen für oder gegen die Firma Bilfinger Berger zu tun" gehabt. In seinem Fall seien die Voraussetzungen so, dass man einen Wechsel "sehr gut verantworten" könne.

Die Bilfinger-Aktie verlor nach Bekanntwerden der Personalie an Wert. Am Mittag notierte sie zeitweise mehr als 3,7 Prozent im Minus. Händlern zufolge ist es nach vorhergehenden Spekulationen wenig überraschend, dass Koch den Konzern führen wird. Dies sei kaum kursbewegend.

wit/dpa-AFX/dapd



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Seite 1
mh01973 29.10.2010
1. War da was?
Was für eine Überraschung aber auch.
olleolaf 29.10.2010
2. Prima,
Zitat von sysopDie Entscheidung ist gefallen: Roland Koch übernimmt die Spitze beim Baukonzern Bilfinger Berger. Der ehemalige hessische Ministerpräsident tritt die Nachfolge von Vorstandsboss Herbert Bodner an. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,726086,00.html
da kann er seine brutalst möglichen Aufklärungsmaßnahmen einbringen.
endbenutzer 29.10.2010
3. Noch ein Lobbyist
Zitat von sysopDie Entscheidung ist gefallen: Roland Koch übernimmt die Spitze beim Baukonzern Bilfinger Berger. Der ehemalige hessische Ministerpräsident tritt die Nachfolge von Vorstandsboss Herbert Bodner an. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,726086,00.html
War auch nichts anders zu erwarten, nachdem Koch sich für einen Flugahfenausbau in Frankfurt starkgemacht hat und die Aufträge an Bilfinger gingen. Hier wird die Deutsche Bank geschont, dort bekommen ehemalige Ministerpräsidenten einen guten Posten als Dank für einen Großauftrag. Ich halte das für kriminell.
fleischwurstfachvorleger 29.10.2010
4. Grundrechenarten
Zitat von sysopDie Entscheidung ist gefallen: Roland Koch übernimmt die Spitze beim Baukonzern Bilfinger Berger. Der ehemalige hessische Ministerpräsident tritt die Nachfolge von Vorstandsboss Herbert Bodner an. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,726086,00.html
BB hat also einen Auftrag erhalten in Höhe von 80 Millionen € - angenommen sie haben dabei 10 % Gewinn eingefahren (vor Steuer) = 8 Millionen. Bei einem geschätzten Salär von 1,5 Millionen von Herrn Koch können sie dann aber nich sehr lange dankbar sein, wenn noch was übrigbleiben soll. Es geht wohl eher um zukünftige Aufträge, bei denen Herr Koch seine Beziehungen spielen lassen soll. Was natürlich auch nicht in Ordnung ist. Aber so ist die Welt.
zynik 29.10.2010
5. haha
Zitat von sysopDie Entscheidung ist gefallen: Roland Koch übernimmt die Spitze beim Baukonzern Bilfinger Berger. Der ehemalige hessische Ministerpräsident tritt die Nachfolge von Vorstandsboss Herbert Bodner an. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,726086,00.html
Offensichtlicher und dreister geht es nun wirklich nicht mehr. Zusätlich scheint es den handelnden Akteuren mittlerweile vollkommen schnurzpiepegal zu sein, welcher Eindruck dadurch in der Bevölkerung erzeugt wird. Einfach völlig instinkt- und geschmacklos.
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