Baumärkte trotzen der Krise: Gehämmert wird immer

Von Nils-Viktor Sorge

In der Krise entdecken die Bundesbürger Heim und Garten wieder, davon profitiert die Baumarktbranche. Obi, Hornbach und Co. wachsen auch in der Konjunkturflaute. Lediglich die ruinöse Rabattschlacht stört das schöne Bild.

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Baumarkt: An Haus, Hof und Garten sparen die Deutschen trotz Krise nicht

Hamburg - Ihren durchschnittlichen Kunden halten viele Baumärkte offenbar für ziemlich verrückt - zeichnen die Unternehmen in der Fernsehwerbung doch seit Jahren ein bizarres Bild von ihm. Der deutsche Heimwerker, so suggerieren sie, lasse sich von nichts und niemandem stoppen.

Dass ein fröhlicher Mike Krüger ein überdimensionales Vogelhäuschen in der Größe eines ausgewachsenen Rhododendron zimmert, mutete dabei noch harmlos an. Dass zwei Gartenfetischisten eine lebende Kuh mit der Motorsäge zerteilen, um an ein von ihr verspeistes Päckchen Schrauben zu gelangen und so den Terrassenbau vollenden zu können, überschritt für manchen die Grenze des guten Geschmacks - auch wenn die Szene im Werbespot der Firma Hornbach nur angedeutet wird.

Ein Körnchen Wahrheit scheint indes in den Übertreibungen zu stecken. Zeigt sich doch immer deutlicher: Unbeirrbarkeit zeichnet den deutschen Heimwerker tatsächlich aus. Anders ist kaum zu erklären, dass die Baumärkte mitten in der Krise und gegen den allgemeinen Trend noch immer wachsen. Während 2009 der Einzelhandel bundesweit 1,8 Prozent verlor, verzeichneten Obi, Hornbach und Co. ein Umsatzplus von 0,7 Prozent.

Fachleute erklären das Phänomen so: In der Krise machen es sich die Leute zu Hause bequem und leisten sich lieber ein neues Parkett als eine Fernreise. So manche Branche hat sich schon zum Profiteur dieses landläufig als "Homing" bezeichneten Trends erklärt. Die Baumärkte scheinen auch dazuzugehören.

Osteuropa baut ab

"In der jüngsten Rezession hat sich das Phänomen verstärkt", sagt Branchenanalyst Christoph Schlienkamp. Auf bisher nicht gekannte Weise haben sich die Baumärkte vom allgemeinen Krisengejammer abgekoppelt und als Anti-Zykliker in den Depots bewährt.

Einen Kratzer verpasst lediglich der harte Winter den meisten Baumärkten. Zwar legten die Geschäfte auch im ersten Quartal im Schnitt um 2,3 Prozent zu, allerdings von einem niedrigen Niveau im Vorjahr. Auch das wechselhafte Wetter im Mai bereitet manchem Branchenkenner Sorge. Viele Hobbygärtner haben ihren Jahreseinkauf bislang vor sich hergeschoben - in den nächsten Wochen entscheidet sich, ob sie ihn überhaupt noch nachholen oder in diesem Jahr einfach weniger pflanzen.

Trotzdem herrscht in der Branche gute Stimmung - auch wenn nicht alle Baumärkte gleichermaßen von der Krise profitieren. Vor allem Praktiker hatte von den jahrelangen Preisschlachten hierzulande ("20 Prozent auf alles!") genug und sich auf eine breite Expansion im Ausland begeben. Knapp jeder vierte der 441 Märkte liegt mittlerweile außerhalb Deutschlands.

Unglücklicherweise setzte Praktiker bei seiner Expansion vor allem auf Länder, die unter der jüngsten Krise besonders heftig leiden. Dass das Unternehmen mittlerweile 26 Märkte in Rumänien hat, 19 in Ungarn, 11 in Griechenland und 21 in Polen, wirkt nicht eben stabilisierend auf das Konzernergebnis. Um sieben Prozent brach der Umsatz im Auslandsgeschäft im ersten Quartal ein, nachdem er schon im Vorjahr klar rückläufig war.

"In den vergangenen Jahren hat wegen des harten Verdrängungswettbewerbs fast jeder sein Heil im Ausland gesucht", sagt Analyst Schlienkamp. "Doch nun erweist sich das Deutschland-Geschäft als wesentlich stabiler."

"Ein Loch ist ein Loch und kein Projekt"

Davon profitiert vor allem das Unternehmen Hornbach. Nur elf seiner 131 Filialen sind in Osteuropa. Das Sortiment ist breit aufgestellt und daher wenig trendanfällig. "Mit dieser Strategie ist Hornbach den größten Tiefen der Krise nicht so stark ausgeliefert", sagt Schlienkamp. Auch die Zukunftsaussichten seien gut.

Auch in puncto Rabatte gilt Hornbach als Vorbild. Das Unternehmen wirbt schon lange damit, keinen Preisnachlass zu gewähren. Jetzt setzt sich in der gesamten Branche die Erkenntnis durch, dass aggressivste Rabattschlachten weder Umsatz, Gewinn, noch Marktanteil nachhaltig erhöhen.

Praktiker zieht jetzt offenbar Konsequenzen. Bis 2013 will Chef Wolfgang Werner die Rendite auf mindestens drei Prozent trimmen. Billigpreise stehen nicht mehr im Fokus. Das Unternehmen will bei Produktqualität und Service "genauso gut werden" wie die Konkurrenz.

Einigen Konkurrenten geht der momentane Hornbach-Hype schon mächtig auf die Nerven, was seinen Ausdruck nicht zuletzt in den neuen Werbespots findet. Dass Hornbach darin quasi jedes Werkeln der Kundschaft zum "Projekt" kürt, stößt beispielsweise der Konkurrenz von Rewe (Toom Baumärkte) übel auf.

In einem von dessen Werbespots heißt es: "Ein Loch in der Wand ist ein Loch in der Wand. Und kein Projekt."

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insgesamt 7 Beiträge
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1. Bitte geben Sie einen Titel für den Beitrag an!
KobiDror 31.05.2010
Es macht auch einfach Spaß und gibt einem Bestätigung, wenn man ein Projekt anfängt und es dann am Ende so fertig wird, wie man es sich vorgestellt hat. Customizing at it's best! Man kann aber auch so argumentieren, dass alle angebotenen Produkte nicht den Anforderungen der Kunden genügen. Dann macht man es halt selber...
2. Den ignoranten Arbeitgebern eins auswischen
mac4ever 31.05.2010
Zitat von sysopIn der Krise entdecken die Bundesbürger Heim und Garten wieder, davon profitiert die Baumarktbranche. Obi, Hornbach und Co. wachsen auch in der Konjunkturflaute. Lediglich die ruinöse Rabattschlacht stört das schöne Bild. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,697354,00.html
Das ist nicht nur "Homing". Ich arbeite freiberuflich auf intellektuellem Gebiet, bin aber ein geschickter Freizeithandwerker. Informationen über das, was man noch nicht gemacht hat findet man im Internet, also gilt: Learning by doing. Also habe ich von 2003 bis 2005 mein Haus ausgebaut, um die freie Zeit, die ich durch zu wenig Arbeit hatte, zu nutzen. Das ging von Konstruktion und Bau einer Geschoßtreppe über den kompletten Innenausbau des Dachgeschosses einschließlich Heizung, Elektro und Einbau von Dachflächenfenstern. Ich hätte es mir nie leisten können, das von Handwerkern ausführen zu lassen. Später habe ich z.B. noch einen Kaminofen eingebaut. So geht es vielen anderen, die im Osten zu alt sind für den Arbeitsmarkt (ich bin 60): Sie nutzen ihre Kenntnisse und ihre freie Zeit und drehen den ignoranten Arbeitgebern, die junge Blender bevorzugen, eine dicke Nase.
3. Basteln
Realo 31.05.2010
Zitat von mac4everDas ist nicht nur "Homing".
Da stimme ich Ihnen zu. Allerdings lasse ich Arbeiten in Haus & Wohnung immer noch lieber von einem Profi ausführen, als es selbst zu machen. Dafür verdienen die Baumärkte eine ganze Menge an meinen Hobbies, zu dem neuerdings auch das Schmieden von Messern gehört. Bis ich endlich eine funktionierende Gasesse hatte, wurde bei "Try & Error" einiges an Material verbraucht. Auch der Versuch mir selber das E-Schweissen beizubringen war nicht ganz preiswert. ;-) Egal - am Ende zählt nur das Ergebis und die persönliche Befriedigung es geschafft zu haben. :-)
4. Baumarkt vs. Handwerker
Opsat 31.05.2010
Zitat von mac4everIch hätte es mir nie leisten können, das von Handwerkern ausführen zu lassen.
Das gilt aber wirklich nur wenn man Freizeit "zuviel" hat. Ansonsten ändert sich die Rechnung auch mal. Man muß ja bedenken das die Preise die man in den Märkten bezahlt - vor allem für den Kleinkram - deutlich höher sind als die die Firmen beim Einkaufen bezahlen. Da fehlen noch zwei Schrauben: zack, das Päckchen zu 4,95 Euro, da eine Leiste zu 9,90 Euro usw. Kauft man dann Werkzeug muß das beste=teuerste nehmen was da ist, will man kein Spielzeug haben. Im Gegenzug habe ich erlebt das eine Handwerkerdienstleistung - mit Rechnung und Materialverbrauch - günstiger war wie gedacht (regionale Unterschiede gibt es natürlich). Es gibt für beides Argumente.
5. Diy
mac4ever 31.05.2010
Zitat von RealoEgal - am Ende zählt nur das Ergebis und die persönliche Befriedigung es geschafft zu haben. :-)
Klar- Auch schreitet man nicht immer von Erfolg zu Erfolg und allgemein dauert es länger. Ich habe an einer Stelle den Fußboden mit der Kreissäge nach dem Verlegen wieder aufgesägt, weil ich ein Heizungsleck vermutete - das stimmte nicht, das ärgert mich heute noch. Ich habe aber z.B. ein Dachflächenfenster, das von Handwerkern eingebaut wurde. Bei sehr starkem Regen tritt irgendwo Wasser ein (habe noch nicht herausbekommen, wo). Die Fenster, die ich selbst eingebaut habe, sind dagegen vollkommen dicht. Ergo: Auch die Profis machen Pfusch, weniger, weil sie es nicht können, sondern aus ökonomischen Gründen. Und dann gibt es Arbeiten, die wären von Profis unbezahlbar. Ich hatte 10 Jahre unzureichend gelagerte Fußbodenbretter, die teilweise stark verzogen waren, die ich aber nicht wegwerfen wollte. Ich habe sie unter großen Mühen und mit Tricks und den gößten verfügbaren Schraubzwingen trotzdem verlegt - da hätte sich jeder Profi geweigert. Das Ergebnis ist nicht perfekt, aber befriedigend und individuell.
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