Bauposse Vogelschutzparagraf stoppt Öko-Plan der Deutschen Bank

Mit der Sanierung ihrer Zwillingstürme wollte die Deutsche Bank ihr Öko-Image verbessern. Doch die Stadtverwaltung von Frankfurt hat versäumt, die Rodung von 14 alten Bäumen zu genehmigen. Jetzt geraten die Planer in Zeitnot, weil sie auf brütende Vögel Rücksicht nehmen müssen.

Deutsche Bank: Öko-Pläne in den Mühlen der Verwaltung
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Deutsche Bank: Öko-Pläne in den Mühlen der Verwaltung


Frankfurt am Main - Die Öko-Pläne der Deutschen Bank hängen in den Mühlen der Verwaltung fest: Die Pläne für die Begrünung des Geländes rund um die renovierten Zwillingstürme jedenfalls liegen seit knapp einem Jahr beim zuständigen Dezernenten. Rund um die beiden Gebäude in Frankfurt soll es Hochbeete geben, Wiesen und Sträucher, die ein saftiges Grün entstehen lassen sollen - parkähnlich und friedlich, im Einklang mit der Natur.

Nicht zuletzt mit der Grünanlage rund um die Bürotürme hatte die Deutsche Bank Chart zeigen ihr Engagement für die Umwelt unterstreichen wollen. Die Hochhäuser selbst gelten bereits jetzt als ökologisches Musterbeispiel, weil ihr Betrieb deutlich weniger Energie benötigt, als vor der Sanierung. Im Herbst wollen die Banker wieder einziehen.

Doch 14 Platanen, die bislang das Anwesen schmückten, stellen das Umweltengagement des Geldinstituts nun auf eine harte Probe.

Das Problem: Es würde enorme logistische Schwierigkeiten mit sich bringen, die Grünflächen um die Platanen herum anzulegen. Außerdem stört das Wurzelwerk eines der Bäume den Bau eines Behindertenaufzugs für die S-Bahn-Station. Deshalb hätten die Planer die Platanen gerne gefällt. Auf manchen Umweltschützer mag das doch recht radikal wirken, doch das Geldinstitut betont, man werde die Bäume später wieder durch andere, gleichgroße ersetzen. So stand es auch in dem entsprechenden Antrag.

Im Prinzip sah man im zuständigen Verkehrsdezernat auch keinerlei Anlass, das Ansinnen abzulehnen. Allerdings übersah der zuständige Verwaltungsbeamte eine Klausel, nach der er gar nicht alleine über eine derart gravierende Maßnahme entscheiden darf. Vielmehr ist ein Votum des Stadtparlaments erforderlich.

Als den Beamten dies klar wurde, war es mit der Geruhsamkeit erst einmal vorbei. Denn wegen eines Schutzparagrafen, der brütende Vögel vor dem Verlust ihres Heims bewahren soll, dürfen die Baumfäller nämlich nur bis März ihre Säge anwerfen. Danach ist Ruhezeit für die Kinderaufzucht.

Hektisch formulierten die Behördenvertreter also eine Eilvorlage und reichten sie beim Stadtparlament ein. Dessen Vertreter reagierten jedoch regelrecht verschnupft: Ihnen missfiel, dass eine Entscheidung, über die man jedenfalls noch Wochen vorher leicht hätte ausgiebig diskutieren können, plötzlich übers Knie gebrochen werden musste. Und als Abnickverein wollen die Volksvertreter keinesfalls durchgehen. Keine Frage, dass sie dem Antrag nicht zustimmten. In einigen Wochen soll die Vorlage nun erneut zur Abstimmung vorgelegt werden.

Bis dahin, so hofft man bei der Deutschen Bank nun insgeheim, hat sich hoffentlich kein Täubchen in den Zweigen der Platanen eingenistet, um zu brüten.

mik



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