Konjunktbremse Bauwirtschaft beklagt sich über schleppende Verwaltung

Die Bauindustrie sorgt weiter für Wachstum: Um rund sechs Prozent wuchs der Umsatz der Branche 2017. Die Ämter für die Erteilung von Baugenehmigungen ließen es dagegen ruhiger angehen.

Bauprojekt in Berlin
DPA

Bauprojekt in Berlin


Die Bauunternehmen in Deutschland konnten ihren Umsatz im Geschäftsjahr 2017 deutlich steigern. Mit einem Plus von sechs Prozent gegenüber dem Vorjahr übertrifft das Jahresergebnis die hoch gesteckten Erwartungen des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie.

Von der guten Baukonjunktur konnten Betriebe mit 20 und mehr Beschäftigten sogar noch weit mehr profitieren als kleinere. Der aktuelle Konjunkturaufschwung sei vor allem vom Neubau getragen, erklärte der Verband auf seiner Jahrespressekonferenz die Unterschiede. Kleinere Unternehmen seien eher bei Baumaßnahmen im Bestand gefragt. Hinzu komme, dass die Kleinbetriebe mit ein bis 19 Beschäftigten stärker von personellen Kapazitätsengpässen betroffen seien.

Dass im gleichen Zeitraum die Zahl der Baugenehmigungen für Wohnungen - erstmals seit zehn Jahren - gesunken ist, passt nicht recht zur guten Entwicklung der Branche. Sie fiel um 7,3 Prozent oder 27.300 auf 348.100, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte.

Verbände besorgt

Der Rückgang der Genehmigungen lasse befürchten, dass "Wohnungen künftig noch knapper und die Schlangen bei den Wohnungsbesichtigungen noch länger werden", teilte der Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen mit. Es mangele an Grundstücken, Planungs- und Genehmigungskapazitäten in Ämtern und an schnellen, standardisierten Bauweisen, monierte der Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen. Die neue Regierung müsse "Baubremsen" lösen.

Ein genauerer Blick auf die Zahlen relativiert die Sorge des Verbands etwas. Danach ist die Zahl der Genehmigungen für - dringend benötigte - Mehrfamilienhäuser nahezu unverändert geblieben. Den für die Statistik relevanten Einbruch gab es bei Wohnheimen - zu denen Flüchtlingsunterkünfte zählen. Hier ging die Zahl der Genehmigungen um 41 Prozent zurück. Die Erklärung: Da mittlerweile weit weniger Flüchtlinge nach Deutschland kommen als auf dem Höhepunkt der Krise, werden weniger neue Unterkünfte benötigt. Kamen 2015 noch rund 890.000 neue Flüchtlinge in die Bundesrepublik, waren es 2017 rund 186.000. Wird dieser Bereich ausgeklammert, währen die Genehmigungen nur um 1,9 Prozent gefallen.

Außerdem besteht auch noch ein "Polster" von Hunderttausend Genehmigungen, das es abzuarbeiten gilt. Die Förderbank KfW spricht von 600.000, das Bauhauptgewerbe von etwas mehr als 400.000 Wohnungsbaugenehmigungen. "Insbesondere in den großen Ballungszentren zeigt sich außerdem das Phänomen, dass Investoren Baugenehmigungen auf Vorrat einholen und die dahinterliegenden Projekte zunächst nicht umsetzen, weil sie auf steigende Mieten und Immobilienpreise in der Zukunft setzen", so die KfW.

mik/Reuters



insgesamt 16 Beiträge
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112211 15.03.2018
1. Blase
Der übertrieben Bauwahnsinn war in Spanien der Grund für die Krise, aus der das Land auch jetzt noch nicht heraus gekommen ist. Da ist die schleppende Verwaltung geradezu ein Segen!
realplayer 15.03.2018
2.
Zu wenig und unerfahrene Leute im Amt. Klar, dass die Bauindustrie Druck aufbaut. Da geht so bestimmt einiges was normal nicht gehen würde.
gluonball 15.03.2018
3. Wo denn eine Blase?
Wo soll denn da eine Blase sein? 2 Millionen mehr Einwohner in den letzten beiden Jahren. Und jetzt immer noch 200.000 mehr pro Jahr. Das heißt wir mussten/müssen Hamburg nochmal bauen (1,8 Millionen Einwohner) und dazu jedes Jahr 2 mal Jena! Wo soll da die Blase sein?
naschauenwirmal73 15.03.2018
4. das Problem liegt in der Kleinstaaterei...
... in einem bericht habe ich gelesen, dass sich Discounter in Berlin schwer tun ihre Märkte mit Wohnungen zu überbauen. Ihnen würde es gefallen - wie ihre Märkte - einen Typ zu verwenden. Allerdings ist das schon innerhalb von Berlin ein Problem - jeder Bezirk hat andere Regeln. Kein Wunder dass es bei abweichenden unterschiedlichen Regeln innerhalb einer Stadt zu personellen Engpässen kommt. Hätte man zumindest innerhalb eines Bundeslandes einheitliche Regeln könnten man sich untereinander aushelfen. ist aber anscheinend nicht gewollt.
Freidenker10 15.03.2018
5. Luxuswohnungen
Mich würde mal interessieren was denn da so gebaut wird. Man hört immer irgendwelche Zahlen das sonundsoviele Wohnungen gebaut werden und diese dann den Wohnungsmarkt entlasten, aber mein Eindruck hier in Stuttgart ist, dass hier fast ausschließlich Luxuswohnungen entstehen die keinem Normalverdiener was nützen! Da bauen sich reiche Menschen ihren zweit und Drittwohnsitz oder bauen gleich als Spekulationsobjekt. Wäre doch mal eine Spiegel Recherche wert was da für Wohnungen entstehen! Die Zahlen allein sind doch nichts als Nebelkerzen...
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