Chemiekonzern Bayer EU-Kommission hat Bedenken wegen Monsanto-Übernahme

Die EU-Kommission weitet die Prüfung der geplanten Milliardenübernahme des US-Konzerns Monsanto durch Bayer aus. Sie befürchtet, dass der Wettbewerb beeinträchtigt werden könnte.

Bayer-Werk in Leverkusen (Archiv)
DPA

Bayer-Werk in Leverkusen (Archiv)


Die von Bayer geplante Übernahme des US-Konkurrenten Monsanto steht vor einer neuen Hürde: Die EU-Kommission hat Vorbehalte und will die Fusion genauer prüfen.

Die Kommission sei besorgt, dass der Zusammenschluss der beiden Agrarkonzerne den Wettbewerb in einigen Geschäftszweigen schwächen könnte, teilte die zuständige Kommissarin Margrethe Vestager mit.

"Saatgut und Pestizide sind für Landwirte und letztlich auch für die Verbraucher von entscheidender Bedeutung", sagte Vestager. "Wir müssen auf diesen Märkten einen wirksamen Wettbewerb sicherstellen." Sonst drohten höhere Preise, weniger Innovation und geringere Qualität.

Umstrittener Unkrautvernichter

Bayer will die Übernahme im Wert von 66 Milliarden Dollar bis Jahresende abschließen. Auch die Kartellbehörden in den USA prüfen den Zusammenschluss. Das neue Unternehmen wäre der weltgrößte Anbieter in der Agrarchemie. Monsanto ist vor allem als Hersteller von Unkrautvernichtern mit dem umstrittenen Wirkstoff Glyphosat bekannt.

Bayer teilte mit, der Konzern habe "aufgrund der Größe und des Umfangs der geplanten Übernahme" eine nähere Untersuchung erwartet. Gleichzeitig bekräftigte Bayer das Ziel, die Genehmigung der Kommission "bis Ende 2017 zu erhalten". Der Konzern sei von den Vorteilen des geplanten Zusammenschlusses überzeugt und werde die EU-Kommission bei der Untersuchung unterstützen.

Umweltschützer und Kritiker fordern auch wegen der großen Marktmacht eine Untersagung des Zusammenschlusses. "Kommissarin Vestager hat gezögert, die Fusion zu stoppen, die einem Jumbo-Unternehmen die Kontrolle über unser Essen geben würde", teilte die Aktivistengruppe Avaaz mit. "In den nächsten 90 Tagen kann sie ihren Mut beweisen, das öffentliche Interesse vor die Gier einer Firma zu stellen."

brt/dpa/AFP

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kalif1978 22.08.2017
1. Und wieder Europa
Wie bescheuert sind die eigentlich? Das die USA die Übernahme überprüfen ist klar, es geht ja auch aus denen ihren Händen raus. Und genau das ist der Punkt, wäre es andersherum, würden die Amis es als nicht so dramatisch einschätzen. Aber da man in der heuchlerischen EU sich angeblich um die Menschen kümmert, werden die diesen Zusammenschluß nicht zulassen. Wenn Procter & Gamble oder Unilever den nächsten Zukauf tätigen wird wieder nichts passieren, weil die den offenen Markt ja nicht beeinflussen. Vielleicht sollten die mal in den nächsten Supermarkt/Discounter gehen und ausser bei den Frischeartikeln( Obst, Gemüse Fleischthekeb und Getränke) nachsehen wieviel von dem angeblichen Wettbewerb da noch vorhanden ist. Über 80& der Sortimente in diesen Läden kommt von genau diesen beiden. Aber das sind Amis und die würden niemals eine Marktmacht mißbrauchen. Gleiches gilt für die, nennen wir es privatisierung des Energiesektors in D. Es ist ein oligopol enstanden und dieses hat dem Verbraucher bisher nur geschadet. Hallo EU-Kommission wo ist euer einschreiten in den Punkten. Aber wenn eine Deutsche Firma, also ein Europäische Firma, davor steht auch mal eine bessere Marktposition vor anderen Ländern zu erarbeiten dann müsst ihr falschen Wächter aufschreien.
oil-peak-fan 22.08.2017
2.
Meine Einstellung zur EU-Kommission könnte sich ändern, wenn sie diesen Deal verhindert. Es geht hierbei ja nicht nur um Round-up Ready. Wenn Bayer Monsanto kauft, holt es sich zwar zunächst mal diese Giftsuppe nebst deren Ruf ins Haus, viel lukrativer aber sind die Patente verschiedener Saatgute und die Knebelverträge mit Kleinbauern und dazwischensteckenden Vermittlern in Entwicklungsländern, die zu einer menschenunwürdigen Verschuldungsspirale führen, an deren Ende der Bauer sich nicht selten das Leben nimmt. Auch Großbauern in den USA hängen am Saatgut von Monsanto. Zudem kann Bayer sein Sortiment in der Biogenetik erweitern, wenn der Deal klappt. Ich bin gespannt, ob dazu in Bälde kreative Banner bei Bayer-BL-Spielen von TV-Kameras eingefangen werden. (Mehr Info in der Doku von Marie-Monique Robin, Monsanto – Mit Gift und Genen).
Teigkonaut 22.08.2017
3. inkonsequent
Interessant, dass sich die EU Kommissare als Hüter des Wettbewerbs gerieren. Um beim Saatgut zu bleiben. Wir haben mit dem neuen Eigentümer von Syngenta einen potenten multinationalen Player auf dem Saatgutmarkt, daneben noch eine KWS, die recht innovativ ist und natürlich DuPont mit seinen Aktivitäten. Darüber hinaus existieren in Europa auch mittelständische Unternehmen wie eine DSV in D, oder eine Hilleshög in S. Auch bei der Agrarchemie gibt es Wettbewerber wie BASF, DuPont oder besagte Syngenta. Ich sehe also nicht den Untergang des Abendlandes wie ihn die grünen Marktschreier verkünden. Wenn ich mir aber andere Branchen ansehe, z.B. die Telekommunikation beschleicht mich dass Gefühl, dass hier nur noch ein Pseudowettbewerb besteht. In D, gerade einmal noch 3 große Player, deren dsl-Angebote sich so weit angeglichen haben, dass von einem Wettbewerb keine Rede mehr sein kann. Wo ist da die Kommission? Vermutlich im Tiefschlaf. So betrachtet finde ich das Geschrei um Bayer/Monsanto inkonsequent.
goliat7 23.08.2017
4. Geld kennt keine Moral.
Wir kommen langsam an den Punkt, wo wir uns zwischen noch mehr Wohlstand und Moral-Umweltbewahrung entscheiden müssen. Abgesehen davon könnte sich Monsanto als Fehlkauf erweisen, wenn sich die Politik gegenüber Glyphosat und vor allem Saatgutrechten ändert. Dann kommt der Kaufpreis nicht mehr rein.
ambulans 23.08.2017
5. die
leutchen von Bayer sollten doch froh sein, dass ihnen der unangenehme job - fusion absagen - quasi kostenlos abgenommen wird. vor langer zeit gabs mal ein chemie-konglomerat namens IG Farben, und das hatte wegen seiner geschäftspraktiken weltweit (trotz unbestrittener erfolge) eine reichlich schlechte presse. nix gelernt?
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