Wegen Monsanto-Übernahme Ärger bei Bayer-Hauptversammlung

Bei der Hauptversammlung von Bayer gab es neben Zahlen vor allem Proteste gegen die Übernahme des US-Saatgutkonzerns Monsanto. Ein breites Bündnis von Agrar- und Verbraucherverbänden mischte die Veranstaltung auf.

DPA

Kaum fünf Minuten hatte Vorstandschef Werner Baumann vor den rund 2500 Aktionären gesprochen, als er das erste Mal von lautstarken Protestrufen unterbrochen wurde. "Stopp Bayer/Monsanto", riefen die Gegner der geplanten Übernahme des US-Saatgutkonzerns Monsanto. Aufsichtsratschef Werner Wenning rief sie höflich zur Räson und bat um einen Austausch, "wie es auf einer deutschen Hauptversammlung üblich ist".

Kaum zehn Minuten später kam es zum nächsten Zwischenfall: "Ihr vergiftet unsere Äcker", riefen die Übernahmegegner. Wenning drohte mit Saalverweis. Das Aktionärstreffen in Bonn verlief so turbulent wie erwartet, doch Baumann will seinen Aktionären den umstrittenen Deal unbeirrt schmackhaft machen.

"Durch die vereinbarte Übernahme von Monsanto wollen wir Bayer weiter stärken", sagte Baumann über die Zukaufpläne. Der Konzern passe "perfekt" zur Strategie von Bayer. Baumann gestand aber auch ein, dass das schlechte Image von Monsanto eine "große Herausforderung" für den Konzern bedeutet. "Das möchte ich nicht kleinreden."

Bauern fürchten Abhängigkeit von Großkonzernen

Bayer wolle deshalb den Dialog auch mit kritischen Interessengruppen stärken und das Agrarchemiegeschäft nach dem Deal "nach unseren Maßstäben führen, wie in allen übrigen Geschäftsfeldern auch." Die Übernahme solle nicht auf Kosten der anderen Bereiche wie etwa dem Pharmageschäft gehen.

Bayer hatte sich im vergangenen September mit Monsanto auf die rund 66 Milliarden Dollar teure Übernahme geeinigt. Bis Ende des Jahres soll der Zukauf, der der bislang teuerste eines deutschen Unternehmens wäre, unter Dach und Fach sein.

Gegen den Zusammenschluss demonstrierten vor den Toren der Hauptversammlung rund 200 Umweltschützer und Aktivisten, darunter auch Grünen-Politikerin Renate Künast und die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft. Unter dem Motto "Stopp Bayer/Monsanto!" forderten sie "Vielfalt auf dem Acker und dem Teller".

Die Übernahmegegner fürchten eine Erhöhung der Abhängigkeit der Landwirte von wenigen Großkonzernen sowie einen vermehrten Einsatz von Chemikalien wie dem umstrittenen Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat, das von Monsanto entwickelt wurde und im Verdacht steht, krebserregend zu sein.

Angst ums Image

Die Amerikaner stehen seit Jahren zudem wegen gentechnisch veränderter Produkte und aggressiver Geschäftspraktiken in der Kritik. Der schlechte Ruf macht Bayer-Investoren Sorgen: "Die Reputationsrisiken für den Konzern steigen durch Monsanto enorm", sagte Fondsmanager Ingo Speich von Union Investment. "Durch kosmetische Eingriffe wie eine Streichung des Namens Monsanto wird sich das nicht ändern lassen."

Zwar lobten viele Aktionäre den Deal als strategisch sinnvoll, äußerten aber auch Unmut über den Preis und darüber, dass Bayer-Investoren nicht über den Zukauf abstimmen können. Monsanto hatte sich dagegen im Dezember grünes Licht von seinen Aktionären geholt. Baumann verwies darauf, dass dies gesetzlich nicht vorgesehen und mit Risiken wie Anfechtungsklagen verbunden sei und die Transaktion gefährden könnte. Bayer braucht aber noch die kartellrechtlichen Freigaben für den Deal, von denen bislang noch 20 ausstehen. Der Antrag in der EU dafür soll im zweiten Quartal erfolgen.

Patricia Weiss, Reuters

insgesamt 2 Beiträge
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brummer07 28.04.2017
1. Politische Opportunisten.
Ob die Grünen auch so mit von der Partie wären, wenn nicht die Landtagswahl NRW vor der Tür steht? Ich glaube kaum - hier geht es doch nur darum, ein paar Gummipunkte bei ihrer Kernwählerschaft zu machen.
gerosr 02.05.2017
2. Wenn es...
... dann zur Übernahme kommt, werde ich, sowohl als langjähriger Mitarbeiter mit 42 Dienstjahren, als auch als Aktionär alle meine Aktien verkaufen. Wer Monsanto kennt und den "Ruf", den die Firma besonders in den armen Entwicklungsländern hat, versteht den Vorstand von Bayer nicht mehr! Hoffentlich hat sowohl die EU als auch Trump was dagagen!!
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