Übernahmeangebot erfolgreich Bayer bekommt Monsanto für 66 Milliarden Dollar

Mit seinem neuen Übernahmeangebot für Monsanto hat Bayer Erfolg. Der US-Konzern hat den Verkauf besiegelt. Kaufpreis umgerechnet: rund 60 Milliarden Euro.

Bayer-Logo (in Wuppertal)
REUTERS

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Der umstrittene US-Konzern Monsanto hat die Übernahme durch Bayer akzeptiert. Die beiden Konzerne unterzeichneten eine bindende Fusionsvereinbarung, derzufolge der Dax-Konzern für Monsanto 66 Milliarden Dollar zahlt (umgerechnet etwa 128 Dollar pro Aktie). In Euro umgerechnet sind dies 60 Milliarden. Das teilte Bayer nach einer Sitzung des Aufsichtsrats mit. Bereits am Vortag war der Verwaltungsrat von Monsanto zusammengekommen.

Der Monsanto-Deal ist damit die bislang größte Übernahme durch einen deutschen Konzern im Ausland und macht Bayer zur weltweiten Nummer eins im Geschäft mit Agrarchemie. Die Kartellbehörden müssen dem Mega-Deal noch zustimmen.

Das kombinierte Unternehmen sei "sehr gut positioniert", um am Agrarsektor und dessen erheblichem langfristigem Wachstumspotenzial teilzuhaben, teilte Bayer mit. Bayer plant die Finanzierung der Transaktion durch eine Kombination aus Fremd- und Eigenkapital.

Der Übernahme müssen noch die Monsanto-Aktionäre zustimmen, außerdem die zuständigen Kartellbehörden. Der Abschluss der Transaktion wird laut Bayer bis Ende 2017 erwartet.

Für den Fall, dass die notwendigen Kartellfreigaben nicht erteilt werden sollten, hat Bayer Monsanto eine Zahlung in Höhe von zwei Milliarden Dollar zugesichert.

Bayer hatte im Mai mitgeteilt, den umstrittenen Biotechnologieriesen übernehmen zu wollen. Zunächst bot der Leverkusener Konzern 62 Milliarden Dollar für den US-Konzern. Allerdings stockte er sein Angebot danach schrittweise auf 65 Milliarden Dollar auf. Gemessen am Schlusskurs der Monsanto-Aktie am 9. Mai 2016, dem Tag vor dem ersten schriftlichen Angebot von Bayer, ist das ein Aufschlag von 44 Prozent auf den damaligen Kurs.

Die Bayer-Aktie steht derzeit rund zwei Prozent im Plus.

Monsanto hat gerade in Deutschland und Europa einen denkbar schlechten Ruf. Als weltweit größter Hersteller von genetisch verändertem Saatgut wird Monsanto hierzulande kritisch gesehen. Der Konzern steht zudem in dem Ruf, als Quasi-Monopolist ruppig mit Kunden und Wettbewerbern umzugehen. Außerdem stellt Monsanto das extrem häufig verkaufte Breitband-Herbizid Roundup her, dessen Wirkstoff das möglicherweise krebserregende Glyphosat ist.

Der Bayer-Chef betont dagegen die Vorteile eines Zusammenschlusses. Die Agarindustrie stehe angesichts der schnell wachsenden Weltbevölkerung und der globalen Erwärmung vor gigantischen Herausforderungen.

Durch die Kombination ihrer Fähigkeiten könnten Bayer und Monsanto hier wegweisende Antworten geben. Immerhin müssten bis 2050 drei Milliarden Menschen zusätzlich ernährt werden. Gleichzeitig müsse man die Folgen der Klimaerwärmung auf die Landwirtschaft in den Griff bekommen.

Interessant für Bayer ist der innovative US-Konzern nicht nur wegen seines Know-hows in der Biotechnologie, sondern auch wegen seiner führenden Rolle beim "digital farming" - der Nutzung digitaler Techniken für die Landwirtschaft.

Das globale Geschäft rund um Saatgut und Pflanzenschutzmittel steht vor gewaltigen Umwälzungen. Denn Bayer und Monsanto stehen mit ihren Fusionsplänen nicht allein. So hatten zuletzt die US-Behörden die geplante Milliarden-Übernahme des Schweizer Agrarchemie-Konzerns Syngenta durch das chinesische Staatsunternehmen ChemChina genehmigt. Im vorigen Dezember hatten außerdem Dow Chemical und Dupont verkündet, über einen Zusammenschluss zu verhandeln.

msc/dpa/Reuters

insgesamt 143 Beiträge
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Seite 1
drittschuldner 14.09.2016
1. Sinkendes Schiff gekauft
Da haben wohl in Amerika welche erkannt, dass dieses Geschäft in eine evolutionäre Sackgasse hineinläuft. Gutes Beispiel sind die sehr schnell verlaufenden Resistenzbildungen solcher "Schädlinge", gegen die einzelne teure gentechnisch erneuerte Sorten etwa beim Mais entwickelt worden waren. Jetzt hat man einen Dummen gefunden, der das sinkende Schiff kauft.
joG 14.09.2016
2. So wird Deutschland einer der oder sogar der...
.....größte Produzent gen verbesserter Sorten und Saatgut.
Fuscipes 14.09.2016
3.
Zitat von joG.....größte Produzent gen verbesserter Sorten und Saatgut.
Gen veränderte Sorten, ob die wirklich besser sind weiß man nicht, aber mit Profit hat es sicher zu tun.
P-Centurion 14.09.2016
4.
Zitat von joG.....größte Produzent gen verbesserter Sorten und Saatgut.
Wir können uns schon auf massiv aggressivere Lobbyarbeit einstellen, und somit auch Erfolge diesen Kram hier zu legalisieren.
maxonsp 14.09.2016
5.
Zitat von drittschuldnerDa haben wohl in Amerika welche erkannt, dass dieses Geschäft in eine evolutionäre Sackgasse hineinläuft. Gutes Beispiel sind die sehr schnell verlaufenden Resistenzbildungen solcher "Schädlinge", gegen die einzelne teure gentechnisch erneuerte Sorten etwa beim Mais entwickelt worden waren. Jetzt hat man einen Dummen gefunden, der das sinkende Schiff kauft.
Ist schon doofes Gefühl, wenn es mal kein chinesischer Konzern ist, der sich Patente und Know How erkauft. Insbesondere wenn es im Zusammenhang mit der in Deutschland verhassten Biotechnologie ist...
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