Neuer Ärger für Bayer-Tochter Saathändler wollen Monsanto-Mittel in den USA verbieten lassen

Eine dreistellige Millionenstrafe, Tausende Klagen: Bayer-Tochter Monsanto kommt nicht zur Ruhe. Nun droht womöglich auch noch ein Verbot des Unkrautvernichters Dicamba auf dem US-Markt.

Sojabohnenfelder in den USA
REUTERS

Sojabohnenfelder in den USA


Bayer-Neuzugang Monsanto beschert dem deutschen Chemiekonzern weiter Sorgen: Die beiden größten unabhängigen US-Saatgut-Händler, Beck's Hybrids und Stine Seed, wollen bei den Behörden erreichen, dass das Unkrautmittel Dicamba von Landwirten in den USA zunächst nicht mehr eingesetzt werden darf, teilten die Unternehmen mit. Sollte es zu einem Verbot kommen, könnte den Bauern der Anreiz fehlen, das darauf abgestimmte Monsanto-Saatgut zu kaufen. Der Bayer-Tochter drohen dadurch Umsatzeinbußen.

Hintergrund des Vorstoßes sei, dass das Mittel auch auf Sojafelder gelangt sei, die gegen Dicamba nicht resistent sind. Dadurch habe es Ernteschäden gegeben. Der US-Konzern Monsanto, den Bayer Chart zeigen jüngst für rund 63 Milliarden Dollar übernommen hat, hat Sojabohnen gezüchtet, denen Dicamba nicht schaden kann. Die US-Umweltschutzbehörde EPA will im Herbst entscheiden, ob sie die Genehmigung für Dicamba verlängert.

Monsanto sieht sich wegen Dicamba mehreren Klagen gegenüber. 2017 hatte eine neue Zusammensetzung des Pflanzenschutzmittels nach Einschätzung von Landwirten und Experten zu erheblichen Schäden an der Ernte geführt, da Dicamba auch Pflanzen erreicht habe, die nicht durch gentechnische Veränderung gegen das Mittel geschützt waren.

Bayer-Aktie auf Fünfjahrestief gefallen

Monsanto Chart zeigen wirft den Landwirten hingegen vor, der Anleitung des Herbizids nicht genau gefolgt zu sein und Dicamba unsachgemäß aufgetragen zu haben. Dicamba wird außer von Monsanto auch von dem deutschen Chemiekonzern BASF und dem US-Unternehmen DowDuPont hergestellt.

Monsanto war jüngst von einem US-Gericht zur Zahlung von 289 Millionen Dollar Schadensersatz an einen an Krebs erkrankten Mann verurteilt worden, der sein Leiden auf das von Monsanto entwickelte Glyphosat zurückführte. Der Konzern sieht sich mehr als 5000 ähnlichen Klagen in den USA gegenüber. Die Bayer-Aktie fiel nach Bekanntwerden der anstehenden Rechtsstreits auf ein Fünfjahrestief.

Bayer versucht, Aktionäre zu beruhigen

Bayer widersprach der Darstellung, dass es sich bei den Klagen gegen Dicamba um neue Erkenntnisse handele: "Bayer stellt klar, dass es sich bei diesen Klagen - die sich außer gegen Monsanto auch gegen verschiedene andere Unternehmen im Landwirtschaftssektor richten - nicht um einen neuen Sachverhalt handelt."

Nach aktuellem Kenntnisstand von Bayer seien im Zusammenhang mit Dicamba in den USA insgesamt 37 Klagen mit 181 Klägern bekannt.

ans/Reuters



insgesamt 14 Beiträge
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Nonvaio01 17.08.2018
1. ich lache mich kaputt
Deutsche Manager sind echt dumm. Was denken die warum die firma zum verkauf stand. Das wird ein Milliardengrab fuer Bayer, ueber die naechsten 20-30 Jahre wird es einen prozess nach dem anderen geben, denn Wissenschaftliche tests werden immer besser, und da die Firma nun deutschen gehoert haben US richter keine probleme mehr fette strafen zu verhaengen.
kaischek 17.08.2018
2. Nichts Ungewöhnliches
So etwas passiert überall und ständig. Nur der Eigentümer von Monsanto hat gewechselt. Da lässt sich beim deutschen Mutterkonzern jetzt trefflich fordern. Bayer hätte diesen Aspekt vor dem Kauf von Monsanto in ihren strategischen Überlegungen berücksichtigen können.
Mr Bounz 17.08.2018
3. Kann mich Novaio01 nur anschließen
Die Herren aus der Chefetage die sich gerne als Rückgrad der Deutschen Wirtschaft dasrtellen, diese sogenannten Leistungserbringer schaffen es immer wieder durch absolute Bilnd- und Blödheit auf zu fallen. Aber wenn es das nächste mal um überzogene Managergehälter geht haben das dann alle ganz schnell wieder vergessen ....
Hans58 17.08.2018
4.
Als Monsato noch eine US-Firma war, haben die Saathändler die Füße still gehalten......
Lesenkönner 17.08.2018
5. ???
Man fragt sich schon, was das Management von Bayer geritten hat. Wenn es wenigstens ein Schnäppchenpreis gewesen wäre...aber so? Man wollte wohl einmal der Größte sein und sich auf die Schulter klopfen. Danach kann Bayer ja Pleite gehen bzw. nach dem krassen Kurssturz aufgekauft werden (mit Monsanto als Zugabe?).
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