Quartalszahlen vor Monsanto-Übernahme Schwächelndes Geschäft lässt Bayer-Aktie fallen

Der Chemiekonzern Bayer will den Saatguthersteller Monsanto übernehmen und investiert dafür viel. Doch noch schwächelt die Agrarchemiesparte - und über das Pflanzengift Glyphosat herrscht Streit.

Bayer-Werk in Leverkusen
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Bayer-Werk in Leverkusen


Bayer hat vor der Übernahme des US-Saatgutriesen Monsanto weiter mit Schwierigkeiten in seiner Agrarchemiesparte zu kämpfen. Im dritten Quartal stieg der um Steuern und Abgaben bereinigte Konzerngewinn insgesamt zwar um 4,1 Prozent auf 2,2 Milliarden Euro, wie das Leverkusener Unternehmen mitteilte. In der Agrarsparte schrumpfte der operative Gewinn jedoch um 3,5 Prozent auf 307 Millionen Euro. Der Konzernumsatz stieg von Juli bis September insgesamt um 1,2 Prozent auf acht Milliarden Euro.

Mit der geplanten Übernahme des US-Saatgutriesen Monsanto Chart zeigen sowie mit dem Verkauf von Anteilen an dem Kunststoffhersteller Covestro hatte Bayer zuletzt wichtige Weichen gestellt. Das Konzernergebnis belief sich auf knapp 3,9 Milliarden Euro, wobei allein 2,8 Milliarden auf den Covestro-Deal zurückgehen. Doch das eigentliche Geschäft bereitete Bayer Probleme - vor allem im Geschäft mit rezeptfreien Medikamenten, deren Erlöse besonders in den USA rückläufig waren. Die insgesamt schwächere Umsatzentwicklung ließ die Bayer-Aktie Chart zeigen am Mittag um 3,23 Prozent auf 110,75 Euro absacken. Sie erreichte damit ihren tiefsten Stand seit einem Monat.

Bei der Genehmigung des umgerechnet rund 56 Milliarden Euro schweren Monsanto-Deals meldete das Unternehmen dennoch Fortschritte. "Wir haben jetzt etwa ein Drittel der erforderlichen Freigaben erhalten", sagte Konzernchef Werner Baumann laut Manuskript. "Zudem werden wir in den nächsten Wochen weitere Gespräche mit den Behörden führen." Die Fusion würde Bayer zum Weltmarktführer in der Agrarchemie machen. Monsanto ist vor allem als Hersteller von Unkrautvernichtern mit dem umstrittenen Wirkstoff Glyphosat bekannt.

Die EU-Kommission hatte zuvor Bedenken gegen den Zusammenschluss angemeldet. Die Fusion könnte den Wettbewerb unter anderem bei Pestiziden und Saatgut beeinträchtigen. Die Kartellwächter in Brüssel wollen dies bis 22. Januar 2018 prüfen.

Mit dem Verkauf eigener Geschäfte mit Saatgut und Unkrautvernichtungsmitteln an den deutschen Konkurrenten BASF für 5,9 Milliarden Euro reagierte Bayer bereits. "Wir gehen mit dieser Vereinbarung aktiv auf mögliche Bedenken der Behörden im Zusammenhang mit der geplanten Übernahme von Monsanto ein", begründete Bayer-Chef Werner Baumann nun den Deal.

Auch über den Unkrautvernichter Glyphosat gibt es Streit. Er wird weltweit massenhaft auf Äckern eingesetzt, allein in Deutschland jährlich 5000 Tonnen. Das Herbizid steht im Verdacht, Krebs zu erregen und die Umwelt zu belasten. (Lesen Sie hier: Wie Monsanto das Krebsrisiko verharmlost.) Wird die Zulassung nicht erneuert, muss Glyphosat in Europa vom Markt genommen werden. Die Kommission wollte ursprünglich eine Verlängerung um zehn Jahre gewähren, peilt nun aber nur noch eine Verlängerung von fünf bis sieben Jahren an.

Der Bayer-Vorstandschef Werner Baumann sprach von einer "tragischen Situation". Seit mehr als 40 Jahren befinde sich das Produkt im Einsatz. Er bestritt, dass das Mittel bei sachgerechter Anwendung krebserzeugend sei.

apr/dpa/Reuters

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garno 26.10.2017
1. Dinosaurier
Warum werde ich das Gefühl nicht los, dass Bayer so wie viele DAX-Konzerne zur aussterbenden Spezies der Dinosaurier gehört.
andreasm.bn 27.10.2017
2. ich hoffe, die EU-Kartellbehörde....
verbietet den Zusammenschluss mit Monsanto, sonst werden wir alle zu Nahrungszombies und die ganzen kleinen Bauern gehen definitiv vor die Hunde. Und möge ihnen der Handel mit Glyphosat gewaltig um die Ohren fliegen.
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