Brief an Belegschaft Triebwerksbauer MTU warnt vor "populistischen Kräften"

Kurz vor der Landtagswahl in Bayern hat das Management des Triebwerkskonzerns MTU an die Mitarbeiter appelliert: Die Wirtschaft komme nicht durch Fremdenfeindlichkeit voran, sondern dank stabiler Verhältnisse.

MTU-Arbeiter (Archiv)
DPA

MTU-Arbeiter (Archiv)


Politisch Stellung beziehen? Die meisten Unternehmen halten nicht viel davon - und verweisen als Begründung auf die Zwänge kaufmännischer Vorsicht. Anders der Münchner Flugzeugzulieferer MTU Aero Engines: Das Topmanagement des Unternehmens mit 10.000 Mitarbeitern hat vor der Landtagswahl in Bayern ein Schreiben an die Belegschaft gerichtet, mit einer klaren Warnung vor dem Einfluss populistischer und extremistischer Strömungen.

Der Standort Deutschland - "und gerade eine strategisch orientierte Industrie wie die unsere" - sei auf stabile politische Verhältnisse angewiesen, heißt es in einem Brief des Vorstands, der im Intranet von MTU veröffentlicht wurde. "Populistische Kräfte bringen unser Land aber nicht voran, sondern nur zielgerichtetes Regierungshandeln auf der Basis unserer Grundwerte." Ein MTU-Sprecher bestätigte dem SPIEGEL die Existenz des Schreibens.

In Bayern ist die rechtspopulistische AfD derzeit laut Umfragen die drittstärkste Kraft und steht vor dem erstmaligen Einzug in den bayerischen Landtag. Rund die Hälfte der MTU-Beschäftigten lebt im Freistaat. "Selbstverständlich geben wir Ihnen keine Wahlempfehlung", heißt es in dem Schreiben, das von Vorstandschef Reiner Winkler und seinen drei Kollegen unterzeichnet ist. Der Vorstand bittet die Beschäftigten aber, "verantwortungsvoll" mit dem Stimmrecht umzugehen - "im gemeinsamen Interesse für unser Land und nicht zuletzt für unser erfolgreiches Unternehmen". Gerade die Luftfahrtbranche profitierte von der Globalisierung. "Abschottung auf politischer oder wirtschaftlicher Ebene bringt hier keinerlei Fortschritt." Fremdenfeindlichkeit und Rassismus dürften nirgendwo Platz haben.

Die Initiative ist auch deshalb bemerkenswert, weil ähnliche Schritte deutscher Firmen selten sind. Eine Ausnahme ist Siemens-Vorstandschef Joe Kaeser. Er hatte im Sommer öffentlich gegen die AfD Stellung bezogen. "Lieber Kopftuch-Mädel als Bund Deutscher Mädel", twitterte er damals in Reaktion auf Aussagen der AfD-Fraktionsvorsitzenden Alice Weidel im Bundestag.

Mit ihrem Nationalismus schade sie dem Ansehen Deutschlands in der Welt. Kaeser beklagte in der Folge, viele andere Konzerne hätten einer gemeinsamen Initiative eine Absage erteilt. Der Siemens-Chef äußerte aber auch Verständnis für Manager, die sich mit politischen Äußerungen zurückhielten, weil sie negative Reaktionen ihrer Kunden fürchteten.

beb/Reuters



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