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Formel-1-Affäre: Achteinhalb Jahre Haft für Ex-Banker Gribkowsky

Er gestand eine Schmiergeldzahlung über 44 Millionen Dollar von Formel-1-Chef Ecclestone ein. Jetzt muss Gerhard Gribkowsky die Konsequenzen tragen. Der Ex-Vorstand der BayernLB wurde zu achteinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Er zeigte sich in seinem Schlusswort reumütig.

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Ex-Bankmanager Gribkowsky: "Heute würde man gerne die Zeit zurückdrehen"

München - Der frühere BayernLB-Vorstand Gerhard Gribkowsky ist am Mittwoch vom Landgericht München wegen Bestechlichkeit, Untreue und Steuerhinterziehung zu acht Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt worden. Gribkowsky hatte vor einer Woche gestanden, 44 Millionen Dollar Schmiergeld von Formel-1-Chef Bernie Ecclestone erhalten und nicht versteuert zu haben.

Oberstaatsanwalt Christoph Rodler hatte dem Angeklagten in seinem Plädoyer "immense kriminelle Energie" vorgeworfen und eine Freiheitsstrafe von zehneinhalb Jahren gefordert. Die Verteidiger argumentierten, Gribkowsky sei von Ecclestone "verführt" worden. Sie beantragten kein Strafmaß, jedoch die Aufhebung des Haftbefehls.

Nach Ansicht seiner Anwälte hatte Gribkowsky mit seinem umfassenden Geständnis "die Hosen runter gelassen". Die Kammer sicherte dem ehemaligen Top-Manager im Austausch für seine Aussage eine maximale Haftstrafe von neun Jahren zu. In seinem Schlusswort zeigte Gribkowsky Reue: "Heute würde man gerne die Zeit zurückdrehen. Das geht leider nicht."

Gribkowskys Verteidiger machten der Staatsanwaltschaft schwere Vorwürfe, weil sie Ecclestone bislang nicht angeklagt hat. Aus Angst vor dem mächtigen Formel-1-Boss werde mit zweierlei Maß gemessen, sagte Anwalt Daniel Amelung. "Herr Ecclestone spazierte über eine Rennstrecke in Deutschland, als unser Mandant schon in Untersuchungshaft saß".

"Er wollte die staubige Landesbank verlassen"

Gribkowsky hatte im Jahr 2006 als Risikovorstand der BayernLB den Auftrag gehabt, die Anteile der Bank an der Formel 1 zu verkaufen. Dabei arbeitete er eng mit Ecclestone zusammen, der die Bank als Eigentümer unbedingt loswerden wollte. "Er fühlte sich eingeengt von den Bankern, die nichts verstehen", sagte Rodler.

Um sicherzugehen, dass Gribkowsky den Verkauf in seinem Sinne regele, versprach Ecclestone ihm laut Staatsanwaltschaft einen Beratervertrag bei der Formel 1 und viel Geld - was Gribkowsky entgegengekommen sei. "Er hatte schon lange die Absicht, die staubige Landesbank zu verlassen", sagte Rodler. Als Jurist habe Gribkowsky gewusst, dass er gegen das Gesetz handelte.

Ecclestone hatte bei seiner Zeugenaussage gesagt, er habe sich von Gribkowsky bedroht gefühlt und eine Anzeige bei den britischen Steuerbehörden befürchtet, die ihn Milliarden hätte kosten können. Dieser Version schenkte der Staatsanwalt jedoch keinen Glauben. Ecclestone sei nicht Opfer einer Erpressung, sondern Mittäter einer Bestechung. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen dieses Verdachts auch gegen den Formel-1-Boss, hat aber noch keine Entscheidung über eine Anklage getroffen.

Gribkowsky hatte die Vorwürfe vor einer Woche nach acht Monaten Schweigen gestanden - zum "spätmöglichsten Zeitpunkt", wie Oberstaatsanwalt Rodler sagte. Einen Teil der Strafe hat Gribkowsky schon hinter sich: Er sitzt seit eineinhalb Jahren in Untersuchungshaft.

dab/dpa/dapd

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