Industrie vs. AfD "Schaden vom Standort Deutschland abwenden"

Der Bundesverband der deutschen Industrie fordert von der künftigen Regierung enorme Investitionen, die Rede ist von 300 Milliarden Euro. Harsche Kritik äußert die Wirtschaftslobby an der AfD.

BDI-Präsident Dieter Kempf
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BDI-Präsident Dieter Kempf


Dieter Kempf, Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), hat die neue Bundesregierung dazu aufgefordert, deutlich mehr Geld zu investieren. Die steuerlichen Mehreinnahmen der öffentlichen Kassen in Höhe von bald fast 300 Milliarden sollen seiner Meinung nach zu je einem Drittel für Investitionen, Bildung und Strukturreformen verwendet werden. "Die gute Wirtschaftslage soll für die künftige Koalition kein Freifahrtschein zum Ausruhen auf Erreichtem sein", schrieb Kempf in einem Brief an 1000 Führungskräfte in der Industrie, der dem SPIEGEL vorliegt.

Der BDI-Präsident will, dass die Politik deutlich mehr wagt als in den vergangenen vier Jahren. "Unser Land braucht mehr Tempo, mehr Mut und mehr Weitsicht", schrieb Kempf. Das sei existenziell, um den Wohlstand in Deutschland zu sichern.

Ein Teil der Ausgaben solle seiner Meinung nach in Digitalisierung fließen: Die neue Bundesregierung müsse sofort für Gigabit-Infrastrukturen im Fest- und Mobilfunknetz sorgen. Auch die öffentlichen Verwaltungen müssten digitaler und damit bürgernaher und effizienter werden.

Damit diese Maßnahmen schnell umgesetzt werden können, fordert Kempf die Parteien auf, die derzeitige Lage schnell zu sondieren und konzentriert Verhandlungen über eine tragfähige Bundesregierung aufzunehmen. Es gehe darum, Schaden vom Wirtschaftsstandort Deutschland abzuwenden. "Die Unternehmen brauchen klare Signale", schrieb Kempf.

Auch kritisierte Kempf den großen Erfolg der AfD. "Der Rückzug ins Nationale ist für unser Land keine Alternative: Die AfD ist im Kern gegen das, was Deutschland stark gemacht hat und weiter stark machen muss", schrieb er. Die Wahl liefere den Auftrag an die künftige Regierung, Vertrauen der Wähler zurückzugewinnen.

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ExigeCup260 25.09.2017
1.
"... Die neue Bundesregierung müsse sofort für Gigabit-Infrastrukturen im Fest- und Mobilfunknetz sorgen. ..." Wieso das? Die privatisierten Unternehmen können das doch viel scneller, effizienter und besser. Deswegen hat man ja den Telekommunikationsbereich privatisiert... "Der STaat" macht doch nur alles teuer, ineffizient und langsam... (FDP-Doktrin).
mapcollect 25.09.2017
2. Schon klar
dass die exportorientierten, multinationalen Riesenkonzerne keinen Protektionismus wollen.
brüggebrecht 25.09.2017
3. Wir hören, Herr Kempf
Keine Angst, Herr Kempf, die Parteien schreiben mit und werden ihre Forderungen unverzüglich umsetzten. Allerdings sollte die dauerhaft gute Wirtschaftslage die Unternehmen auch nicht davon abhalten, bessere Löhne zu zahlen und ihren Anteil an den Investitionen zu tätigen. Auch für die Autoindistrie sollte das Erreichte kein Freifahrtsschein für weitere Betrügereien und verschlafene Innovation sein.
Oskar45 25.09.2017
4. Wirtschaft sollte mal einen Gang in Demut zurückschalten
Weshalb die großen Parteien auch verloren haben ist deren neoliberalen Kurs zu verdanken. Die Politik und die Wirtschaft muss für die Bürger dasein und nicht für wenige Eliten. Die vergangenen Jahre waren in Politik und Wirtschaft von Korruption, Betrug und Maßnahmen zum Nachteil der Bürger geprägt (Bankenkrise, Dieselskandal, CumEx-Geschäfte, Verlagerung von Kosten der Energie zu Lasten der Allgemeinheit, Erbschaftssteuerreform für Reiche, usw). Der ehrbare Kaufmann, als moralische Richtschnur, die von der Industrie immer gerne vorgebracht wird, ist heute ein Schimpfwort. Alle vergangenen Maßnahmen der Politik in den vergangenen Jahren gingen zu Lasten der Arbeitnehmer. Dies führte zur Zunahme prekären Beschäftigung und Zeitarbeit. Auch die Flüchtlingskrise, von der Industrie als Change für eine goldenes Zeitalter gepriesen, hat sich als leeres Versprechen herausgestellt. Wo sind den die tausenden von versprochenen Arbeitsplätzen geblieben. Hier ist es ja so, dass die Wirtschaft sich einen schlanken Fuss macht und die Lasten an der Allgemeinheit hängen bleiben. Im Gesamtergebnis sollte die Wirtschaft die Klappe halten und endlich ihren Beitrag für das Allgemeinwohl leisten. Dann werden auch die Bürger wieder mehr Vertrauen in die Politik und Wirtschaft haben.
latrodectus67 25.09.2017
5. Vertrauen der Wähler zurückzugewinnen
soso, sollte das tatsächlich der Auftrag sein? Nicht im Sinne der Bürger Gesetze zu erlassen und Entscheidungen zu treffen statt wie bei der A1 ein paar hundert Millionen an Steuergeldern den Investoren in den Rachen zu werfen, nachdem man die Verträge genau so geschrieben hat, dass am Ende der Steuerzahler der Dumme ist. Wie immer?
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