Insolvente Erotikkette Sieben Investoren interessieren sich für Beate Uhse

Beim insolventen Sexartikel-Versand Beate Uhse haben sich mehrere Kaufinteressenten gemeldet. Parallel will das Unternehmen sich weiter selbst sanieren.

Beate-Uhse-Shop in Hannover (Archiv)
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Beate-Uhse-Shop in Hannover (Archiv)


Seit zwei Monaten steckt Beate Uhse Chart zeigen in der Insolvenz, die Zukunft ist ungewiss - doch nun gibt es einen Hoffnungsschimmer: Sieben potenzielle Käufer haben Interesse an dem angeschlagenen Erotikhändler angemeldet. Sie sollen nun in einer zweiten Phase des Verkaufsprozesses Einblick in die Unternehmensdaten erhalten und intensive Verkaufsgespräche mit dem Management führen, teilte das Unternehmen am Dienstag in Flensburg mit.

Der Verkaufsprozess, der von Justus von Buchwaldt von der Kanzlei BBL Bernsau Brockdorff als Generalbevollmächtigter geleitet wird, soll im April abgeschlossen werden. Neben einem möglichen Verkauf ist weiterhin denkbar, dass Beate Uhse nach einer Sanierung per Insolvenzplan weitergeführt wird. Diese Lösung wird parallel weiter verfolgt.

Der wesentliche Wert von Beate Uhse liegt in einer hohen Bekanntheit der Marke, die ein Käufer nutzen könnte. Das traditionsreiche Erotik-Unternehmen hatte Mitte Dezember 2017 nach einer langen Phase des Niedergangs Insolvenz in Eigenverwaltung angemeldet.

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Insolvenz von Beate Uhse: Ende Legende

Die Firma war 1946 von der früheren Luftwaffenpilotin Beate Rotermund-Uhse gegründet worden. 1962 eröffnete sie den ersten Sexshop der Welt in Flensburg. Mit dem Internet begann der Niedergang des einst größten Erotik-Konzerns in Europa, nachdem Sexfilme quasi überall kostenlos heruntergeladen werden können.

Um aus der Schmuddelecke herauszukommen, hatte Beate Uhse das Geschäft umgebaut. Statt auf dunkle Videokabinen versuchte die Kette verstärkt, Frauen als Kunden zu gewinnen - in Läden und im Versandhandel. Dort steht der Konzern jedoch in scharfer Konkurrenz zu anderen Onlinehändlern wie Amorelie und eis.de sowie zum Orion-Versand - einer Ausgründung von Beate Uhse.

Im Januar gab Beate Uhse bekannt, dass auch ein Verkauf in Betracht gezogen werde. Das Unternehmen wurde vor allem wegen Management-Fehlern über viele Jahre immer kleiner und schrieb Verluste. Sollte einer der nun potenziellen Investoren das Unternehmen erhalten, würden die Aktionäre aller Voraussicht nach leer ausgehen. Denn in diesen Fällen wird aus der Insolvenz nicht das Unternehmen, sondern nur das operative Geschäft verkauft.

Das Unternehmen, für das in Spitzenzeiten mehr als 800 Menschen arbeiteten, zählt heute 345 Mitarbeiter in sieben Ländern. Für 2017 hatte der Vorstand nur noch Erlöse von deutlich unter 100 Millionen geplant, einige Jahre vorher waren es noch mehr als 200 Millionen. Die Aktie, die nach dem Börsengang 1999 bei 25,39 Euro einen Rekord erzielte, wurde zuletzt vor mehr als vier Jahren über einem Euro gehandelt.

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apr/Reuters/dpa



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