Tokio - Erst das Erdbeben, dann der Tsunami und schließlich die Atomkatastrophe: Auf Japan kommen gigantische Kosten zu. Laut einem Zeitungsbericht rechnet die Regierung in Tokio mit Schäden von bis zu 25 Billionen Yen (220 Milliarden Euro).
In der Summe seien die Schäden an Straßen, Gebäuden, Fabriken und an der übrigen Infrastruktur eingerechnet, berichtet die Zeitung "Nikkei". Nicht enthalten seien Produktionsausfälle sowie die direkten und indirekten Kosten der Atomkatastrophe.
Damit käme das Beben die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt drei Mal so teuer zu stehen wie die Katastrophe von Kobe im Jahr 1995. Die Summe würde sechs Prozent des Bruttoinlandsprodukts entsprechen. Zuletzt hatte die Weltbank die Schäden für Japan auf 166 Milliarden Euro geschätzt.
Die nun bekannt gewordene Regierungsprognose soll als Grundlage für die Wiederaufbaupläne und den dafür notwendigen Nachtragshaushalt dienen. Offiziell will Wirtschaftsminister Kaoru Yosano die Schätzung bei einer Kabinettssitzung an diesem Mittwoch vorlegen.
Strenge Importkontrollen in den USA
Problematisch könnten auch Importbeschränkungen anderer Länder gegen japanische Waren werden. So haben die USA ihre Einfuhrbestimmungen für Gemüse und Milch aus Japan verschärft. Am Dienstagabend sprach die amerikanische Lebensmittelbehörde FDA eine Importwarnung für Milchprodukte sowie frisches Gemüse und Obst aus den japanischen Präfekturen Fukushima, Ibaraki, Tochigi und Gunma aus.
Die Behörde wolle alle japanischen Importe darauf untersuchen, ob sie aus diesen vier Provinzen stammten. Zudem sollen Lebensmittelprodukte aus den betroffenen Gegenden auf Radioaktivität getestet werden.
Die japanische Regierung hatte zuvor bereits die Lieferung von Milch und bestimmten Gemüsesorten aus der Gegend rund um das havarierte Atomkraftwerk Fukushima gestoppt. In den Produkten waren teilweise drastisch erhöhte Werte an radioaktivem Jod und Cäsium festgestellt worden.
Notkredite für Atombetreiber Tepco
Unterdessen sind japanische Banken offenbar bereit, dem Betreiber der Unglücksreaktoren, Tepco, mit Milliardenkrediten zu helfen. Die Gespräche hätten bereits begonnen, sagten Insider. Der Fernsehsender NHK berichtet, Tepco habe die großen Banken des Landes um Notkredite von 1,5 Billionen Yen (13,1 Milliarden Euro) gebeten. Diese Summe müsse möglichst bis Ende des Monats gezahlt werden, damit Tepco die Folgen des Unglücks im Atomkraftwerk Fukushima bewältigen könne. Möglicherweise könne der kurzfristig benötigte Betrag noch auf zwei Billionen Yen (17,4 Milliarden Euro) steigen. Als voraussichtliche Geldgeber nannte die japanische Nachrichtenagentur Kyodo die Institute Sumitomo Mitsui, Mizuho und die Bank of Tokyo-Mitsubishi.
Welche Folgen die Japan-Katastrophe für die Weltwirtschaft hat, ist umstritten. Der neue Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Gert Wagner, sagte der "Südwest Presse", die Effekte seien noch nicht verlässlich quantifizierbar. Fest stehe immerhin, dass ein schnellerer Ausstieg aus der Atomenergie in Deutschland "zu Kostensteigerungen führen und Wachstumseinbußen nach sich ziehen" könne.
Sorge um die Konjunktur macht sich der Ökonom allerdings wegen der Lage in Libyen. Ein Übergreifen der revolutionären Ereignisse auf Saudi-Arabien könne "ganz gravierende Konsequenzen für den Ölpreis" haben. Dies "würde die Konjunktur erheblich beeinträchtigen".
An der Börse in Tokio ging es am Mittwoch erneut bergab. Nach zwei Tagen mit kräftigen Gewinnen sank der Leitindex Nikkei um 1,7 Prozent auf 9449 Punkte.
wal/Reuters/dapd/dpa-AFX/AFP
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