Tausende Werbeanzeigen Onlinehandel mit bedrohten Tieren boomt

Bären, Reptilien, Raubvögel: Laut einer neuen Untersuchung bieten in Europa viele Händler auf Online-Plattformen gefährdete und bedrohte Wildtiere an.

Ausgestopfter Löwe
AP

Ausgestopfter Löwe


Der Onlineverkauf gefährdeter und bedrohter Wildtiere ist in ganz Europa weit verbreitet, wie eine neue Untersuchung zeigt, über die die britische Zeitung "The Guardian" berichtet. Mitarbeiter des Internationalen Tierschutz-Fonds (IFAW) haben demnach über eine Dauer von sechs Wochen Werbeanzeigen und Angebote auf mehr als hundert Onlinemarktplätzen in Großbritannien, Deutschland, Frankreich und Russland durchforstet.

Sie fanden mehr als 5000 Anzeigen, die fast 12.000 Artikel im Gesamtwert von vier Millionen Dollar anboten. Die Händler offerierten demnach etwa lebende Geparden, Orang-Utans und Bären, aber auch Elfenbein oder Eisbärenfelle. Der Verkauf solcher Produkte ist seit dem Washingtoner Artenschutzübereinkommen stark eingeschränkt oder verboten.

Erst im März hatten sich 21 Tech-Firmen, darunter Google, Ebay und Facebook dazu verpflichtet, den illegalen Onlinehandel mit bedrohten Arten bis 2020 um 80 Prozent zu reduzieren. "Es ist großartig, dass wir wirklich bedeutende Fortschritte machen, um den Handel zu unterbinden. Aber das Ausmaß der gefundenen Angebote ist immer noch enorm", sagte Tania McCrea-Steele vom IFAW dem "Guardian".

In Deutschland wurde ein lebender Bär angeboten

Den Großteil der Angebote, den die Tierschutzorganisation aufspürte, machten mit 37 Prozent Reptilien aus. Vor allem Schildkröten - sowohl lebende als auch tote - wurden in großer Zahl verkauft. Gefährdete Vögel wurden ebenfalls sehr häufig angeboten, sie machten 31 Prozent der Anzeigen aus. In dieser Gruppe wurden vor allem Papageien beworben, aber auch Eulen und Raubvögel.

Elfenbeinprodukte machten rund 20 Prozent der Angebote aus. Vor allem in Deutschland registrierte der IFAW einen Anstieg solcher Produkte, während die Anzahl der Elfenbeinangebote in Großbritannien und Frankreich deutlich zurückging. Den Tierschützern zufolge nutzen Händler, die in Deutschland aktiv sind, inzwischen verschlüsselte Codewörter, um ihre Verkäufe zu verschleiern.

Die meisten Anzeigen von großen, lebenden Tieren wurden in Russland gefunden, dort wurden mehrfach lebende Tiere verkauft, die in Russland als Statussymbole gelten. Darunter Leoparden, Geparden und Jaguare, ebenso wie mehr als 130 lebende Orang-Utans, Lemuren und Gibbons.

Aber auch in Großbritannien wurden sieben lebende Primaten gefunden, die zum Kauf angeboten worden sind. In Deutschland wurde ein lebender Bär feilgeboten.

hej

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dasfred 23.05.2018
1. Bei Elfenbein wundert mich das nicht
In Deutschland gibt es aus den letzten zweihundert Jahren Unmengen Elfenbein Schnitzereien, Schmuck, Besteck Griffe und ganze Zähne. In Deutschland gab es auch Zentren der Elfenbein Verarbeitung, sowie Reiseandenken oder Mitbringsel von Seeleuten. Sowas kommt dann ständig bei Haushaltsauflösungen auf den Markt. Ich erinnere mich, das im letzten Jahr berichtet wurde, man hätte über eine Tonne Elfenbein in Deutschland sichergestellt. Auf den Fotos waren dann die typischen asiatischen und afrikanischen Objekte aus eben solchen Nachlässen. Wenn ich mich allein in meiner Verwandtschaft umsehe, was seit meinen Urgroßeltern bis in die siebziger Jahre so abgeschleppt wurde, dann ist klar, dass das bisschen, dass regelmäßig auftaucht, nur die Spitze des Eisbergs ist. Noch Anfang der achtziger konnte man übrigens in Hamburg in einem Lampengeschäft einen Schildkrötenpanzer als Wandleuchte kaufen.
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