Befremdliches Angebot: Commerzbank lässt auf eigene Pleite wetten

Ihren Niedergang konnte die Commerzbank zuletzt nicht aufhalten - aber sie könnte daran verdienen: Denn das Kreditinstitut bietet Optionsscheine an, mit denen Anleger Gewinne machen, wenn die Aktie der Bank unter einen Euro fällt. Freiwillig verkauft das Geldhaus die Zockerpapiere aber nicht.

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DPA

Commerzbank-Zentrale in Frankfurt am Main: Wetten auf den Niedergang

Frankfurt am Main - Finanzprofis werden sich darüber nicht wundern, doch für Außenstehende klingt es befremdlich: Die Commerzbank hat seit kurzem zwei Optionsscheine im Angebot, mit denen Anleger Gewinne machen, falls die Commerzbank Chart zeigen-Aktie unter die Marke von einem Euro abstürzen sollte. Dabei gilt: Je mehr das Papier an der Börse an Wert verliert, desto größer ist der Verdienst für die Käufer der Optionsscheine. Diese haben die Kennnummern CK5NBM und CK5NBS.

Bitter für die Commerzbank: Ihre Aktie ist vom Pennystock - so nennen Börsianer Aktien, die weniger als einen Euro kosten - nicht mehr weit entfernt. Am Freitag notierte sie bei 1,25 Euro. Noch schlechter war der Kurs am Dienstag. Die Aktien der Bank stürzten an diesem Tag um mehr als 15 Prozent auf ein Rekordtief von 1,15 Euro ab. Grund waren Berichte, wonach die bereits teilverstaatlichte Commerzbank deutlich mehr zusätzliches Kapital als bislang angenommen braucht, um die schärferen Anforderungen der europäischen Bankenaufsicht EBA zu erfüllen. Die Anleger fürchten, das Kreditinstitut müsse erneut den Staat anpumpen.

Papiere zur Absicherung von Kursrisiken sind allgemein üblich. Auf diese Weise wollen sich Kunden, die zum Beispiel in die 30 Dax-Werte investiert haben, gegen Kursabstürze absichern. Die Commerzbank als Anbieter solcher Zertifikate kann sich nicht einfach ausnehmen, nur weil der Dax-Konzern selbst gerade Probleme hat.

mmq/dpa-AFX

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insgesamt 36 Beiträge
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1. Ein völlig normales Angebot
Europa! 25.11.2011
Man muss kein "Finanzexperte" sein, um zu wissen, dass es bei Hebel-Zertifikaten und Optionsscheinen immer zwei Möglichkeiten gibt. Entweder man setzt auf steigende oder auf fallende Kurse. Wenn man - wie andere Banken auch - auf jeden DAX-Wert Hebelpapiere auf steigende Kurse anbietet, muss man logischerweise auch Papiere auf fallende Kurse anbieten. Ein Aktionär erhält damit die Möglichkeit, den Wert seiner Aktien abzusichern. Das ist ein völlig normaler Vorgang, und die Berichterstattung darüber reine Sensationsmacherei. Viel wichtiger wäre es, wenn Sie Ihre Leser darauf hinweisen würden, dass es im Moment sehr günstige und (im Gegensatz zur Commerzbank) auch dividendenträchtige Aktien zu kaufen gibt.
2. Sooo sinnvoll
Zorpheus 25.11.2011
Wenn die Commerzbank wirklich pleite geht sind die Papiere wertlos, weil der Emittent pleite ist. Und wenn es ihr gut geht sind sie auch nichts mehr wert. Na ob irgend jemand so schlau ist, die zu kaufen?
3. Pennystock
Stauss 25.11.2011
Eine Dax-Bank im Pennystock. Nicht zu fassen. Aber nach der missglückten Kapitalerhöhung, nur damit der Vorstand sich wieder Boni in die Tasche stecken konnte, nicht anders zu erwarten. Wer kann denn einem solchen Vorstand noch trauen? Die Frau Schaeffler hat sich mit Continental-Reifen ebenfalls ziemlich verhoben. So schien es. Heute steht dieses Unternehmen prächtiger da denn je. Oder Porsche. Haben 52 % von VW und bekommen für 2011 eine Dividende, die die gesamte Übernahme zahlen wird. Was für ein Unterschied zum Management der Commerzbank, die es nicht geschafft haben, die Dresdner Bank a)zu stemmen und b)zu reorganisieren. Nur ein komplett ausgetauschter Vorstand könnte wieder Vertrauen schaffen. Der Banker Gerhard Gribkowsky von der LB würde doch gut passen. Wenn er nicht verurteilt wird. Der lebte die Philosphie des Hauses Commerzbank vor.
4. Commerzbank
Kringo 25.11.2011
Dass die Commerzbank diesen Optionsschein anbietet darf nicht verwundern, schließlich verdient sie daran, wenn die Aktie nicht unter diese Marke fällt. Auf den Kurs schlägt momentan einzig und allein das Engagement in den PIGS Staaten, vor allem in Italien. Ich denke mit dem Ausscheiden von Berlusconi hat auch Italien seinen Tielfpunkt erreicht. Der Aktienkurs der Commerzbank steigt mit der Zuversicht, dass es in Italien nicht zu einer Bankrotterklärung kommt. Spätestens jedoch wenn die drittgrößte Wirtschaft Europas in die Insolvenz zu schlittern droht, wird auch die EZB nicht umhin kommen Italien zu retten. Alles andere würde massiv die Daseinsberechtigung der EZB als Zentralbank Europas in Frage stellen. Zumindest kann ich mir eine Europäische Zentralbank ohne Europa nicht vorstellen.
5. Warum macht SPON die Coba mies?
derek.leech 25.11.2011
[QUOTE=Europa!;9207603]Man muss kein "Finanzexperte" sein, um zu wissen, dass es bei Hebel-Zertifikaten und Optionsscheinen immer zwei Möglichkeiten gibt. Entweder man setzt auf steigende oder auf fallende Kurse. Wenn man - wie andere Banken auch - auf jeden DAX-Wert Hebelpapiere auf steigende Kurse anbietet, muss man logischerweise auch Papiere auf fallende Kurse anbieten. Ein Aktionär erhält damit die Möglichkeit, den Wert seiner Aktien abzusichern. Das ist ein völlig normaler Vorgang, und die Berichterstattung darüber reine Sensationsmacherei. QUOTE] Der Vollständigkeit halber könnte man erwähnen, dass die Commerzbank auch Optionsscheine auf steigende Kurse anbietet. Dies würde aber die schöne Schlagzeile entwerten. Diesen Artikel mitgerechnet, hat SPON diese Woche dreimal auf die Commerzbank eingedroschen. Solide Berichterstattung musste dabei immer hinter Stimmungsmache zurücktreten: Am Dienstag wurde behauptet: "Bislang hatte die Commerzbank eine Lücke von 2,9 Milliarden Euro angegeben. Die Summe werde benötigt, um die sogenannte harte Kernkapitalquote von neun Prozent zu erreichen. Darunter versteht man Geld, das sofort verfügbar ist". Meines Wissens wurde die Summe von 2,9 Mrd. nicht von der Commerzbank, sondern von der Bankenaufsicht genannt. Dass diese sich bereits zwei Wochen später selber um 2,1 Mrd. Eur korrigieren muss (muss sie? bisher scheint es hierzu nur die Reuters-Meldung unter Berufung auf "mehrere mit den Zahlen vertraute Personen" zu geben) , ist wahrlich kein Ruhmesblatt. Noch viel weniger Rühmen kann sich allerding SPON mit der Behauptung, das harte Kernkapital sei "Geld, das sofort verfügbar ist". Zum Einen unterscheiden sich Kapital und Geld etwa wie Klima und Wetter. Zum Anderen steht das Kernkapital einem Unternehmen langfristig zur Verfügung und wird daher vernünftigerweise auch langfristig angelegt. Wenn man hingegen Liquidität braucht, besogt man sih diese kurzfristig auf dem Geldmarkt. Gestern wurde nachgelegt, obwohl es nichts Neues zu melden gab. Stattdessen wurde munter spekuliert und dann auch mal von 800 Mrd. Euro Abschreibungen auf griechische Staatsanleihen berichtet. Diesen peinlichen Fehler hat SPON mittlerweile klammheimlich ausgebügelt. Rechtzeitig zum Wochenende - in der Gewissheit, dass vor Montagmorgen mit keiner offiziellen Stellungnahme der Bank zu rechnen ist - wird nun diese "Sensationsmeldung" nachgeschoben. Cui bono? lautet die klassische Frage, die man sich hier stellen kann. Soll die Commerzbank für die Übernahme durch einen (chinesischen?) Investor sturmreif geschossen werden? Bin gespannt auf weitere Spekulationen ....
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