Behördenwarnung Milzbrandgefahr bei Würsten und Corned Beef

Deutsche Firmen haben möglicherweise Fleisch von polnischen Rindern mit Milzbrand verarbeitet. Die Behörden warnen vor Corned Beef und Würsten aus Bremen und Augsburg. Bislang gibt es jedoch keine Hinweise auf einen Befall.

Milzbrandsporen: Letzter Fall in Deutschland vor 20 Jahren
REUTERS

Milzbrandsporen: Letzter Fall in Deutschland vor 20 Jahren


Augsburg/Bremen - Wer in jüngster Zeit Corned Beef des Bremer Herstellers Könecke oder Rinderwürste aus Augsburg gekauft hat, sollte die Lebensmittel auf keinen Fall verzehren. Nach Behördenangaben könnten die Lebensmittel möglicherweise mit Milzbrand verseucht sein. Das verwendete Fleisch stammt möglicherweise aus einem polnischen Betrieb, in dem im September Milzbrand festgestellt worden war. Das Fleisch von zwei geschlachteten Tieren gelangte dennoch in den Verkauf und könnte nach Augsburg und Bremen geliefert worden sein.

Bei den betroffenen Produkten von Könecke handelt es sich um Selbstbedienungspackungen mit in Scheiben geschnittenem Fleisch der Marken "Könecke Deutsches Corned Beef" und "Redlefsen Deutsches Corned Beef". Sie wurden von den Supermarktketten Penny, Aldi Nord, Dohle und Kaufland verkauft und inzwischen aus dem Verkauf genommen. Die Geschäfte nehmen die Produkte auch ohne Kassenbeleg gegen Rückerstattung des Kaufpreises zurück.

Könecke rief das Corned Beef wegen mikrobiologischer Verunreinigungen zurück. Es sei nicht auszuschließen, dass die in dem Produkt verarbeiteten Rinder an Milzbrand erkrankt gewesen seien, sagte ein Firmensprecher. Bisher hätten Untersuchungen allerdings keine Hinweise auf einen Befall mit dem Milzbranderreger ergeben, deswegen handele es sich um eine reine Vorsichtsmaßnahme.

Wegen des Milzbrandverdachts wurde auch in Bayern vor dem Verzehr von in Augsburg verkauften Würsten gewarnt. Der Regierungsbezirk Schwaben rief dazu auf, die Rinderwürste von mehreren Händlern aus Stadt und Landkreis Augsburg nicht zu essen. "Die Rinderwürste sind möglicherweise bakteriell verunreinigt", hieß es. Kunden, die solche Würste gekauft oder schon gegessen haben, sollen sich bei der Regierungsbehörde melden.

Milzbrand (Anthrax) ist eine Krankheit, die von Tieren auf Menschen übertragen werden und im schlimmsten Fall tödlich enden kann. Nach Angaben des niedersächsischen Verbraucherschutzministeriums ist im konkreten Fall aber nur von einer geringen Gefährdung auszugehen. Beim Erreger handelt es sich um das Bacillus anthracis, ein stäbchenförmiges Bakterium, das im Tierreich weit verbreitet ist.

Anthrax-Zoonosen, das heißt vom Tier auf Menschen übertragene Infektionen, treten in Industrienationen nur selten auf. Am häufigsten ist dabei der Hautmilzbrand, der im Gegensatz zum Lungenmilzbrand vergleichsweise gut zu behandeln ist. Den letzten Fall von Hautmilzbrand beim Menschen gab es dem Robert Koch-Institut zufolge in Deutschland 1994 (hier finden Sie weitere Informationen des Instituts).

dab/dpa

Mehr zum Thema


Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 11 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
53er 17.10.2014
1.
Wieder mal einer der vielen Einzelfälle. Wohl bekomm´s meine Damen und Herren Politiker. Ich kann nur hoffen, dass mein freundlicher Metzger vor Ort nicht so geldgierig ist und sein Schlachtvieh wirklich aus artgerechter und kontrollierter Aufzucht bezieht. Das ist mir das Geld wert das ich beim Kauf von verpackter Ware vermeintlich sparen würde.
ars_chem 17.10.2014
2. Abwiegeln, kleinreden und verharmlosen
1. Anthrax-Sporen haben einen Durchmesser von 0,5 bis 2,0 Mikrometer, sind also mit 10 facher Vergrößerung kaum zu erkennen. 2. Die LD50 (letale Dosis, bei der 50% der Versuchstiere sterben) wird bei Anthrax mit einer Spanne von 2.500 bis 55.000 Sporen angegeben. In den letzten Jahren hat sich der Wert von 8000 Sporen für die LD50 durchgesetzt. 3. Anthrax Sporen wachsen am besten bei Temperaturen von 0 – 45 °C 4. Ideale Wachstumsbedingungen leigen bei einem pH von 6,0 bis 8,5. 5. Beste Wachstumsbedingungen bei diffusem Tageslicht über die Dauer von zwei Tagen. 6. Die Anthrax Sporen sind mindestens 10 Jahre gegen Austrocknung beständig. 7. Anthrax Sporen sind bei Temperaturen von 140°C noch 3 Stunden überlebensfähig. Bis 160°C immer noch 1 Stunde. (Quelle: Mitscherlich 1984) Glaubt wirklich jemand, dass die Anthrax Sporen im Fleich harmlos seien? Niemand weiß, wieviel Sporen dirn sind, und Temperaturen von 160° oder höher über eine Stunde sind auch eher unwahrscheinlich. Es wird nur beruhigt und gehofft, dass nichts schiefgeht.
eschuer 17.10.2014
3. Zu wenig Informationen
Es wäre ja wirklich schön gewesen, wenn nun auch das Verfallsdatum der betroffenen Chargen bei SPON angegeben gewesen wäre. Bitte noch nachholen liebe Redaktion. Dankeschön!
rotweisser 17.10.2014
4. Super!
" ... deutsches Corned Beef" und das bei Rindern aus Polen! Milzbrand hin oder her, aber diesem Etikettenschwindel muss man zu allererst abschaffen!
agua 17.10.2014
5.
Egal, was für ein Schweinkram in der sogenannten Lebensmittelbranche aufgedeckt wird, es wird immer abgewiegelt und die Unschädlichkeit betont, obwohl es zu Beginn heißt , man solle die Produkte auf keinen Fall verzehren! Warum wird eigentlich davon ausgegangen, dass die Menschen ihre Einkäufe tätigen und die Einkäufe erst ein paar Tage zu Hause horten, anstatt sie gleich zu verzehren?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.