Reaktoren Tihange und Doel Weitere Mängel an belgischen Atomkraftwerken festgestellt

An den belgischen AKW Tihange und Doel hat der Betreiber auf neue Probleme hingewiesen. Die Mängel bei Stahlverstärkungen an einer Schutzdecke sollen bereits seit dem Bau bestehen.

Atomkraftwerk Tihange
DPA

Atomkraftwerk Tihange


Erst im Mai hatte SPD-Umweltministerin Svenja Schulze Belgien zur Abschaltung alter Atomkraftwerke gedrängt, weil sich viele Menschen im Grenzgebiet um Aachen bedroht fühlten. Jetzt sind beim Atomkraftwerk Tihange 3 unweit der Grenze neue Unregelmäßigkeiten entdeckt worden.

Bei der Reparatur maroder Betonteile sei aufgefallen, dass Stahlverstärkungen an einer Schutzdecke nicht den Bauplänen entsprechen, teilte der Betreiber Engie Electrabel mit. Das Problem besteht demnach wohl schon seit Bau des Reaktors.

Es werde nun geprüft, ob dies Einfluss auf den Schutz der Anlage bei Notfällen wie einem Flugzeugabsturz habe, erklärte Electrabel. Das Kraftwerk ist derzeit für eine Inspektion abgeschaltet. Dokumente, die dem SPIEGEL vorliegen, hatten zudem gezeigt, dass auch beim Bau der belgischen AKW Tihange 2 und Doel 3 Mitte der Siebzigerjahre auffällige Haarrisse entdeckt worden waren - und sie dennoch ans Netz gingen.

Betonschäden am Reaktor Doel 3

Der Betreiber teilte mit, die Ergebnisse der jüngsten Überprüfung des Reaktors Tihange 3 müssten der belgischen Atomaufsicht FANC vorgelegt werden. Die Behörde will den Reaktor nach eigenen Angaben nicht wieder anfahren lassen, bevor die Stabilität der Gebäude nachgewiesen ist.

Die pannenanfälligen belgischen Atommeiler sind für Deutschland immer wieder Grund zur Sorge. Experten zweifeln an der Sicherheit der Meiler bei einem Störfall. In der Region Aachen wurden deshalb zuletzt Jodtabletten verteilt.

Das AKW Tihange liegt nur 65 Kilometer von der deutschen Grenze entfernt. Käme es in einer der beiden Anlagen zu einer nuklearen Katastrophe, wären auch Teile der Bundesrepublik gefährdet (siehe interaktive Karte).

In der aktuellen Mitteilung bestätigte Betreiber Electrabel zudem, dass beim auch nahe an Deutschland gelegenen Atomkraftwerk Doel 3 bei Antwerpen ebenfalls Schäden festgestellt worden seien. Am Reaktor seien während einer planmäßigen Inspektion Betonschäden an einem Nebengebäude festgestellt worden, hieß es. Hitze oder Feuchtigkeit könnten den Beton brüchig machen. Die Reparatur laufe aber schon und das Kraftwerk solle planmäßig am 1. August wieder angefahren werden.

Video: Geschichte der Atomkraft

SPIEGEL TV

apr/dpa



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