Beluga-Prozess Ex-Reedereichef Stolberg zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt

In einem der größten Gerichtsprozesse der Schifffahrtsbranche ist Niels Stolberg zu einer langen Gefängnisstrafe verurteilt worden. Der frühere Bremer Reeder wurde wegen Betrugs schuldig gesprochen.

Niels Stolberg mit seinem Anwalt Bernd Groß
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Niels Stolberg mit seinem Anwalt Bernd Groß


Niels Stolberg galt lange als Star unter den Reedern: Mit Beluga gründete er in Bremen eine eigene Reederei, machte Millionen - und mit spektakulären Ideen auf sich aufmerksam. Nun ist der Ex-Unternehmer zu einer Gefängnisstrafe von drei Jahren und sechs Monaten verurteilt worden.

Das Landgericht Bremen befand den 57-Jährigen des mehrfachen Kreditbetruges für schuldig. Drei mitangeklagte Ex-Beluga-Manager verurteilte die Kammer zu Bewährungsstrafen. Die Staatsanwaltschaft hatte für Stolberg viereinhalb Jahre Haft gefordert. Eine Haftstrafe hatte sich bereits vergangenen Sommer abgezeichnet.

Der Prozess hatte mehr als zwei Jahre gedauert. Stolberg täuschte nach Überzeugung des Gerichts mit aufgeblähten Rechnungen für Schiffsneubauten mehrere Banken - und bewegte sie so zur erhöhten Kreditvergabe in Millionenhöhe. Der US-Finanzinvestor Oaktree klagte, weil er mit falschen Bilanzangaben zum Einstieg in die Reederei bewegt worden sein soll.

Richterin Monika Schaefer begründete das Urteil unter anderem mit einem "erheblichen Maß an krimineller Energie", das Stolberg bei der Täuschung von Banken gezeigt habe. Bei Stolberg sei eine Bewährungsstrafe bis zu zwei Jahren nicht infrage gekommen, so die Richterin: "Dafür war es einfach zu viel."

In seinem letzten Wort hatte der schwer an Krebs erkrankte Stolberg in der vergangenen Woche Fehler eingeräumt, die er bedauere. "Ich habe alles verloren - mein Lebenswerk, meine Reputation, meine Gesundheit", sagte er. Aus Sicht des Unternehmers wussten die Banken aber über seine Methoden Bescheid. Die Reederei Beluga war 2011 mit einer Reihe von Tochterfirmen in die Insolvenz gegangen.

Aus Sicht der 2. Großen Wirtschaftsstrafkammer hatte Stolberg mit dem Wachstumskurs und dem ehrgeizigen Schiffsneubauprogramm das "ersehnte Ziel" verfolgt, Weltmarktführer im Bereich Schwergutfracht zu werden. Dabei habe er aber auch Mitarbeiter zu Straftaten verleitet. Die Richterin hielt Stolberg seine Kooperation zugute. "Sie haben sich trotz Ihrer Erkrankung dem Verfahren bis heute gestellt."

Stolberg hatte von Beginn an klargemacht, dass er für Fehler einstehen wolle. "Ich war der Kapitän auf der Brücke", sagte er 2016. Gegen das Urteil kann Revision beantragt werden, über die der Bundesgerichtshof zu entscheiden hätte. Stolbergs Anwalt Bernd Groß bezeichnet die Strafe als viel zu hart.

apr/dpa-AFX



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see_baer 15.03.2018
1. Die Banken
waren doch Teil des Systems, das die gesamte deutsche Seeschiffahrt an die Wand gefahren hat. Das die als Betrogene dar stehen ist unglaubwürdig - die haben das Schneeballsystem doch mit angeschoben.
udsieg 15.03.2018
2. Welpenschutz
Dieses Verfahren hat gezeigt, dass die Banken vor Gericht eine Art Welpenschutz genießen. Zu Beginn des Prozesses wurde deutlich, dass die Aussagen der Banker abgesprochen waren. Dieses wurde dann auf Nachfrage auch durch eine Zeugin bestätigt. Alle bestätigten, nichts von den Finanzierungsmethoden gewusst zu haben. Im Laufe des Prozesses tauchte dann plötzlich ein Dokument auf, dass eine interne Sprachregelung der Bank war und belegte, dass die Bank sehr wohl über die Finanzierungsmethoden Bescheid wusste und somit die Zeugen gelogen hatten. Dieses blieb jedoch ohne Folgen, da nicht relevant!? Es ist seltsam, da werden Finanzmodelle von sogenannten Fachleuten durchgewunken, obwohl jedem klar sein musste und wie im Internen Papier beschrieben auch war, dass in dieser kurzen Zeit nicht das erforderliche Eigenkapitel erwirtschaftet werden konnte. Gier frisst Hirn, dass zeigt sich auch hier wieder. Solange an den Krediten gut verdient werden konnte, fragte niemand nach dem Eigenkapital, es zählte nur der Marktwert der Schiffe. Als die Weltwirtschaft dann zusammenbrach (verursacht durch Banken) riefen die Banker plötzlich "Haltet den Dieb". Wenn man sich vor Augen führt, dass der Aufsichtsrat der Landesbanken lediglich ein Gnadenhof für ausgediente Politiker war, die vom eigentlichen Geschäft keine Ahnung hatten, wird klar, warum die BLB und die HSH gegen die Wand gefahren wurden. Der Ausspruch einen Reeders in der ZDF-Doku "Piraten im Nadelstreifen" über die Schiffsfinanzierung war "wieso bestellen sie nur 1 Schiff, kaufen sie 10" spricht für sich. Im Fall Beluga hatte die BLB als Hausbank dieser Firma zu der Zeit mit Sicherheit ein enges Geschäftsverhältnis zu Beluga. Das die Antwort des Hauspapiers auf evt. Pressenachfragen lautet "so ein Finanzierungsmodell, das war nicht unüblich..." wundert mich also nicht, bedeutet also auch, dass so mancher Bankmitarbeiter vor Gericht eine Falschaussage gemacht hat ?..... Hier wird der Eigentümer für Entscheidungen verantwortlich gemacht und verurteilt, die sich im Nachhinein als Fehler herausstellten. Wo bleibt die Verantwortung der Banken und Aufsichtsräte? Aber bei den Banken haftet ja der Steuerzahler.
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