Bericht über Benzin-Engpässe Postboten sollen Sprit horten

Der Ölpreis fällt weiter - doch in Deutschland schlägt das noch nicht auf den Benzinpreis durch. Die Deutsche Post reagiert laut einem Bericht mit einer Ansage an ihre Fahrer.

Ein Auto des Post- und Paket-Lieferanten DHL (Archivbild)
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Ein Auto des Post- und Paket-Lieferanten DHL (Archivbild)


Die Fahrer von Postautos sollen einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" zufolge wegen anhaltender Spritengpässe an Tankstellen vorsorglich Benzin horten. Die Deutsche Post habe ihren Zustellern demnach empfohlen, die Tankfrequenz zu erhöhen und beispielsweise nachzutanken, auch wenn erst die Hälfte der Tankladung verbraucht wurde.

Die Lage sei jedoch nicht bedrohlich, sagte ein Postsprecher der "FAZ". Die Empfehlung diene dem Ziel, nicht unter Druck zu geraten, wenn lokale Lieferengpässe bestünden.

Durch den niedrigen Wasserstand des Rheins gibt es seit einem Monat Versorgungsengpässe von Benzin und Diesel in der Region. Aus diesem Grund hat die Bundesregierung Ende Oktober Vorräte aus der nationalen Ölreserve für Nordrhein-Westfalen freigegeben. Anfang November wurden die Bestände von der Mineralölwirtschaft weitgehend abgerufen und entlang des Rheins verkauft.

Zeitgleich fiel der Preis für Rohöl am Weltmarkt weiter, allein am Dienstag mit den Kursverlusten an den Börsen um rund sieben Prozent. "Die Ölpreise sinken. Großartig!", schrieb US-Präsident Donald Trump auf Twitter. Er dankte Saudi-Arabien, "aber lasst uns tiefer gehen!". Ein Barrel (159 Liter) Öl der Nordseesorte Brent kostet derzeit 63,35 US-Dollar.

Neben der gestiegenen Ölförderung durch Opec-Staaten machen Analysten auch die US-Politik für den Preisverfall verantwortlich: Die Sanktionen der USA gegen Iran fielen milder aus, als zuvor erwartet wurde. Acht Länder dürfen demnach weiter iranisches Öl importieren. Die Wetten von Hedgefonds auf einen Ölpreisrückgang verstärken den Preisverfall offenbar.

In Deutschland führen die Lieferengpässe jedoch dazu, dass die Preissenkung nur langsam an den deutschen Tankstellen ankommt: Der Automobilclub ADAC schreibt in seinem wöchentlichen Preisbericht, dass sich Super E10 durchschnittlich im Vergleich zur Vorwoche um 1,6 Cent auf 1,526 Euro verbilligt habe, Diesel um 1,9 Cent auf 1,433 Euro.

Für den ADAC ist das offenbar nicht zufriedenstellend, der Club schreibt in dem Bericht: "Trotz des Niedrigwassers wäre angesichts der Entwicklung am Rohölmarkt eine stärkere Senkung der Spritpreise angemessen."

kko



insgesamt 28 Beiträge
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oisisi 22.11.2018
1. Not macht erfinderisch...
Meine dienstlichen Fahrten kann ich nicht einschränken - die privaten aber schon: Im September lag ich noch bei über 500 € für Sprit, im Oktober waren es nur 270 € und im November sind es bislang 160 € ... 200 € werde ich diesen Monat wohl nicht überschreiten. Richtig nass geworden bin ich auf dem Fahrrad nun schon öfters, aber es macht trotzdem Spaß! Auto bleibt stehen - ätschbätsch Mineralölindustrie!
Airkraft 22.11.2018
2. Macht das nicht jeder...
Macht das nicht jeder vernünftige Autofahrer? Spätesten wenn min Tank halb leer ist tanke ich wieder voll!
Havel Pavel 22.11.2018
3. Typisch Spiegel, reisserische Überschriften
Von Horten kann absolut keine Rede sein, wenn die Fahrzeugführer angewiesen werden stets frühzeitig nachzutanken und nicht abzuwarten bis dies unumgänglich ist. Wie aus Meldungen zu entnehmen ist, gibt es hinsichtlich der Kraftstoffbelieferungen der Tankstellen gewisse Engpässe, so dass wohl nicht auszuschliessen sein wird, dass an der ein oder anderen Tankstelle zeitweise kein Nachtanken möglich sein könnte. Die Anweisung an die Postfahrer ist somit wohl eine kluge vorbeugende Entscheidung. Aber unter Horten hätte ich zunächst mal angenommen die Fahrer sollten grosse Mengen an Kraftstoff etwa in Kanistern lagern. Hier würden sich natürlich Fragen hinsichtlich der Sicherheit, Zulässigkeit und Praxisgerchtigkeit einer solchen Massnahme ergeben.
camshaft_in_head 22.11.2018
4. naja
ich bin mal 6 Monate für DHL, sorry für den Subunternehmer gefahren der das DHL-Logo auf dem Auto hatte. Wir wurden von diesem möglichst dazu angehalten die Touren spritsparend zu planen und erst immer im letzten Moment zu tanken. Natürlich mussten wir spezielle Tankstellen anfahren sonst hätte das mit der Tankkarte extra gekostet. DHL selbst wird das wohl nur seinen eigenen Fahrern erzählen aber nicht allen Subunternehmern, weil diese nur prozentual pro Paket verdienen und nicht an den gefahrenen Kilometern. Diese Fakten fehlen in diesem Artikel leider
alt-nassauer 22.11.2018
5. Wie schön und vielfältig die Deutsche Sprache doch ist!
Was ärgert man sich über die Begrifflichkeit des Wortes "horten"? Was schreibt der Duden dazu? 1. [wegen seiner Kostbarkeit, Knappheit] als Vorrat sammeln 2. für einen bestimmten Zweck sammeln Treffender kann doch das Wort "horten" doch gar nicht sein, für diese Anweisung! Es wird weder gehamstert noch deponiert bzw. gelagert. Ja die Fahrer sind angewiesen Kraftstoff in ihren Tanks als Vorrat zusammeln. Zu dem betrifft es ja nur eine Region, insbesondere den Süd-Westen und teilweise den Süden. Je näher an Verteilungswege die vom Rhein unabhängig sind, macht wohl den Preis günstiger. Bei Benzin im Augenblick bis zu 12 Cent Unterschied pro Liter.
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