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Flughafen Berlin Brandenburg: Bahn fordert 70 Millionen Euro wegen Bauverzögerungen

Die Deutsche Bahn wird ungeduldig. Bis zur geplanten Eröffnung des Berliner Hauptstadtflughafens und damit des Bahnhofs wird es noch zwei Jahre dauern. Mindestens. Laut "Bild am Sonntag" fordert das Unternehmen Schadensersatz.

Bahngleise vor dem Flughafen Berlin Brandenburg: Schimmelprophylaxe im leeren Bahnhof Zur Großansicht
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Bahngleise vor dem Flughafen Berlin Brandenburg: Schimmelprophylaxe im leeren Bahnhof

Weitere Hiobsbotschaften könne man nicht gebrauchen, sagte ein Aufsichtsrat der BER-Flughafengesellschaft vor wenigen Tagen. "Davon haben wir langsam genug." Jetzt könnten die schon gigantischen Kosten von geplanten 5,4 Milliarden Euro weiter steigen - denn die Deutsche Bahn will nach Information von "Bild am Sonntag" Schadensersatz.

Die Bahn fordere wegen der Verzögerungen beim Bau bis zu 70 Millionen Euro, berichtet die Zeitung. Die Berliner Kanzlei BMH Bräutigam & Partner sei bereits vor Wochen beauftragt worden, eine entsprechende Klage gegen die Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg zu formulieren.

Laut der Zeitung machen die Bahntöchter DB Netz und DB Station & Service Einnahmeausfälle durch weggefallene Trassenentgelte sowie Instandhaltungskosten zwischen 2012 und der geplanten BER-Eröffnung Ende 2017 geltend.

Unter anderem müsse regelmäßig ein Zug zur "Belüftung" durch den unterirdischen Flughafenbahnhof fahren, damit sich kein Schimmel bilde. Ein Bahn-Sprecher wollte sich auf Anfrage des Blattes nicht zu der Klage äußern.

Die Flughafengesellschaft Berlin, Brandenburg und der Bund lehnten bislang außergerichtliche Einigungen mit Partnerunternehmen des neuen Hauptstadtflughafens ab.

Das Licht geht nicht aus

Mit dieser Nachricht überraschte der Flughafen 2013. Ursache waren Probleme mit der Leittechnik, wo im Zuge der Umplanungen immer wieder angeflickt wurde. Inzwischen ist das zentrale Datennetz des Terminals umgerüstet und für Erweiterungen vorbereitet - für 11 Millionen Euro.

Die Rolltreppen sind zu kurz

Wer mit seinem Koffer vom unteririschen Bahnhof zum Terminal-Vorplatz will, muss am Ende der Rolltreppen noch ein paar feste Treppenstufen überwinden. Die Rolltreppen waren zu kurz bestellt worden, über einen Austausch wurden Flughafen und Deutsche Bahn nicht einig.

Der Rauch muss durch den Keller

Brennt das Terminal, wird ein Teil des Rauches in den Keller gesogen und seitwärts nach außen geleitet. Das sorgte für Spott, widerspricht jedoch wegen des Unterdrucks keineswegs den Regeln der Physik. Nur: Die Entrauchungsanlage war über die Jahre so groß geraten, dass sie sich nicht mehr steuern ließ. Sie wird in mehrere Abschnitte geteilt.

Die Türen sind falsch nummeriert

Knapp jeder dritte der 4000 Räume im Flughafen war falsch nummeriert, weil umgeplant wurde, ohne dass jemand den Überblick wahrte. Das kann schwerwiegende Folgen haben, weil Türen und Lüftungsklappen den Raumnummern folgen. Auch Rettungsdienste brauchen verlässliche Nummern. 2014 ging die Flughafengesellschaft das Problem an.

Im Terminal herrscht Kabelsalat

Mit den Terminal-Erweiterungen legten die verschiedenen Firmen immer mehr Leitungen auf die Kabeltrassen - bis sie überbelegt waren, was etwa wegen Hitzebildung riskant ist. Kabel führen auch durch Kanäle mit Hauptleitungen für Wärme, Kälte und Wasser, teilweise fehlen Pläne. Mehr als 90 Kilometer Kabel mussten neu gezogen werden. Die Mammutaufgabe ist fast abgeschlossen.

Die Gepäckausgabe ist zu klein

Das mag nach langem Flug niemand: Warten aufs Gepäck, gar ein Kofferchaos. Doch acht Gepäckbänder, insgesamt 580 Meter lang, das ist für das, was auf den Flughafen zukommt, zu wenig. Ein weiteres Band wurde bewilligt, doch der drittgrößte deutsche Airport wird insgesamt zu klein sein. Das Passagierwachstum hat die Planer überrascht. Das benachbarte alte Schönefelder Terminal darf daher vorerst nicht schließen, über Interimsbauten wird nachgedacht.

Vertrauliche Unterlagen liegen im Müll

Ordnerweise Baupläne lagen im vergangenen Sommer in einem Abfallcontainer - auf offener Straße. Noch mehr läuft schief: Ein Planer gibt sich zu Unrecht als Ingenieur aus, Schmiergeld fließt, Machtkämpfe und Intrigen werden auf offener Bühne ausgetragen. Keiner der bisherigen Chefs hat die Baustelle vollends befrieden können.

Das Dach ist zu schwer

Vier Tonnen, so viel wie drei VW Golf, wiegen fünf Ventilatoren, die auf Bühnen unterm Dach des Terminals hängen und im Brandfall Rauch hinaussaugen sollen - viel mehr als eigentlich geplant. Vergangene Woche kam der Fehler nach Jahren ans Licht, seitdem herrscht aus Sicherheitsgründen Baustopp. Der Flughafen betont, die statischen Nachweise seien weiter gültig - keine Einsturzgefahr. Davon muss er noch die Bauaufsicht überzeugen.

abl/AFP

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