Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Hauptstadtflughafen BER: Die paar Pannen ...

Dach des BER-Terminalgebäudes: "Auf den ersten Blick unfassbar" Zur Großansicht
DPA

Dach des BER-Terminalgebäudes: "Auf den ersten Blick unfassbar"

Das Licht ging nicht aus, die Rolltreppen waren zu kurz, und nun ist auch noch das Dach zu schwer. Vor dem jüngsten Baustopp am Hauptstadflughafen gab es bereits zahlreiche Pannen. Eine Auswahl - ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

Wenn der Aufsichtsrat des neuen Hauptstadflughafens Berlin Brandenburg (BER) an diesem Freitag zusammentritt, dann ist die Baustelle in Schönefeld weit weg: In einem grauen Verwaltungsbau am Flughafen Tegel beraten die Kontrolleure, wie die Lage beim Bau des einstigen Prestigeprojekts bewältigt werden kann.

Es ist wieder einmal eine Krisensitzung. Am Montag wurde bekannt, dass die Bauaufsicht die Arbeiten am BER erneut gestoppt hat. Grund war eine Überlastung des Gebäudedachs durch schwere Rauchgasventilatoren.

Beispiele für Pfusch liefert der Bau seit Jahren. Viele Probleme entstanden, weil die Bauherren zu viel umplanten und Firmen zeitweise machen konnten, was sie wollten.

Flughafenchef Karsten Mühlenfeld macht sich deshalb nichts vor: "Ich bin mir sicher, dass wir auch künftig auf Vorgänge aus der Vergangenheit stoßen, die auf den ersten Blick unfassbar erscheinen." Eine Auswahl bisheriger Hiobsbotschaften:

Das Licht geht nicht aus

Mit dieser Nachricht überraschte der Flughafen 2013. Ursache waren Probleme mit der Leittechnik, wo im Zuge der Umplanungen immer wieder angeflickt wurde. Inzwischen ist das zentrale Datennetz des Terminals umgerüstet und für Erweiterungen vorbereitet - für 11 Millionen Euro.

Die Rolltreppen sind zu kurz

Wer mit seinem Koffer vom unteririschen Bahnhof zum Terminal-Vorplatz will, muss am Ende der Rolltreppen noch ein paar feste Treppenstufen überwinden. Die Rolltreppen waren zu kurz bestellt worden, über einen Austausch wurden Flughafen und Deutsche Bahn nicht einig.

Der Rauch muss durch den Keller

Brennt das Terminal, wird ein Teil des Rauches in den Keller gesogen und seitwärts nach außen geleitet. Das sorgte für Spott, widerspricht jedoch wegen des Unterdrucks keineswegs den Regeln der Physik. Nur: Die Entrauchungsanlage war über die Jahre so groß geraten, dass sie sich nicht mehr steuern ließ. Sie wird in mehrere Abschnitte geteilt.

Die Türen sind falsch nummeriert

Knapp jeder dritte der 4000 Räume im Flughafen war falsch nummeriert, weil umgeplant wurde, ohne dass jemand den Überblick wahrte. Das kann schwerwiegende Folgen haben, weil Türen und Lüftungsklappen den Raumnummern folgen. Auch Rettungsdienste brauchen verlässliche Nummern. 2014 ging die Flughafengesellschaft das Problem an.

Im Terminal herrscht Kabelsalat

Mit den Terminal-Erweiterungen legten die verschiedenen Firmen immer mehr Leitungen auf die Kabeltrassen - bis sie überbelegt waren, was etwa wegen Hitzebildung riskant ist. Kabel führen auch durch Kanäle mit Hauptleitungen für Wärme, Kälte und Wasser, teilweise fehlen Pläne. Mehr als 90 Kilometer Kabel mussten neu gezogen werden. Die Mammutaufgabe ist fast abgeschlossen.

Die Gepäckausgabe ist zu klein

Das mag nach langem Flug niemand: Warten aufs Gepäck, gar ein Kofferchaos. Doch acht Gepäckbänder, insgesamt 580 Meter lang, das ist für das, was auf den Flughafen zukommt, zu wenig. Ein weiteres Band wurde bewilligt, doch der drittgrößte deutsche Airport wird insgesamt zu klein sein. Das Passagierwachstum hat die Planer überrascht. Das benachbarte alte Schönefelder Terminal darf daher vorerst nicht schließen, über Interimsbauten wird nachgedacht.

Vertrauliche Unterlagen liegen im Müll

Ordnerweise Baupläne lagen im vergangenen Sommer in einem Abfallcontainer - auf offener Straße. Noch mehr läuft schief: Ein Planer gibt sich zu Unrecht als Ingenieur aus, Schmiergeld fließt, Machtkämpfe und Intrigen werden auf offener Bühne ausgetragen. Keiner der bisherigen Chefs hat die Baustelle vollends befrieden können.

Das Dach ist zu schwer

Vier Tonnen, so viel wie drei VW Golf, wiegen fünf Ventilatoren, die auf Bühnen unterm Dach des Terminals hängen und im Brandfall Rauch hinaussaugen sollen - viel mehr als eigentlich geplant. Vergangene Woche kam der Fehler nach Jahren ans Licht, seitdem herrscht aus Sicherheitsgründen Baustopp. Der Flughafen betont, die statischen Nachweise seien weiter gültig - keine Einsturzgefahr. Davon muss er noch die Bauaufsicht überzeugen.

Burkhard Fraune, dpa/dab

Diesen Artikel...
Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 96 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Was ist denn....
Schulterklopfer 25.09.2015
wenn es mal richtig schneit? Da kommen doch bestimmt ein paar Tonnen Gewicht mehr auf das Dach? Wurde das berücksichtigt?
2. Das kommt davon, wenn Politiker Großprojekte leiten
obertroll 25.09.2015
denn wenn man keine Ahnung hat, ... Wie dem auch sei, der Flughafen in Tegel muß endlich ausgebaut werden, denn der BER wird eh noch mindestens 10 Jahre brauchen, bevor der aufmacht. Der BER selbst, vielleicht alles abreißen und dann chinesische Firmen holen, die das billiger und schneller können.
3. Na das geht noch für die lange Bauzeit...
deglaboy 25.09.2015
bei der Elbphilharmonie wird es nicht besser aussehen. Und das erstaunliche, kaum einer ist verantwortlich für irgendwas. Ein Wunder, dass der deutsche Michel noch nicht im Steuerstreit ist.
4.
condor99 25.09.2015
Schmeißt die Flughafentechnick raus und macht das Ding zum Notaufnahmelager. Dann hat die Bauruine wenigstens einen Zweck.
5. Schon der Architekt machte Basisfehler
rkinfo 25.09.2015
Ein Flughafen der keine Entrauchung per Dachfenster ermöglicht ist Pfusch des Architekten. Wobei auch der Bahnhof S21 den gleichen Murks zeigt - im Unterschied zum Terminal am Flughafen Stuttgart.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: