Sitzung des Aufsichtsrats BER-Chef Mehdorn drängt auf Ausbau noch vor Eröffnung

Ein neues Terminal, mehr Check-in-Schalter und Parkhäuser: BER-Chef Mehdorn fordert an diesem Freitag vom Aufsichtsrat eine schnelle Entscheidung über weitere Investitionen. Der Flughafen sei bereits vor der Eröffnung überlastet.

Berliner Flughafenchef Mehdorn: "Inbetriebnahme stark gefährdet"
DPA

Berliner Flughafenchef Mehdorn: "Inbetriebnahme stark gefährdet"


Berlin/Motzen - Wenn sich der Aufsichtsrat des Hauptstadtflughafens an diesem Freitag zum ersten Mal nach der Ära Wowereit trifft, wird er sich mit deutlich formulierten Forderungen des BER-Chefs auseinandersetzen müssen. "Bereits bei der Eröffnung ist der Flughafen überlastet, weshalb eine sichere Inbetriebnahme stark gefährdet ist", warnt Hartmut Mehdorn in einer Präsentation, die der Nachrichtenagentur dpa vorliegt. Mehdorn will erreichen, dass die Aufseher unter anderem ein zweites, kleineres Terminal genehmigen.

Ein Eröffnungstermin wird bei der Sitzung in Motzen aller Voraussicht nach nicht genannt werden - allenfalls ein Zeitraum, in dem der Flughafen BER ungefähr in Betrieb gehen könnte. "Zur Jahresmitte 2015 wollen wir die Unwägbarkeiten so weit abgearbeitet haben, dass wir einen konkreten Eröffnungstermin nennen können", hatte Mehdorn intern schon im November angekündigt. Ein Start vor 2017 gilt als unwahrscheinlich.

Mehdorn will den Aufsichtsrat davon überzeugen, am Nordflügel des Neubaus ein weiteres, weitgehend eigenständiges Terminal für acht bis zehn Millionen Passagiere zu bauen. Für Planung, Ausschreibung und Bau veranschlagt der Flughafenchef der Präsentation zufolge zweieinhalb bis drei Jahre. Das Terminal soll demnach 80 Millionen Euro kosten, mit neuen Vorfeldpositionen, Parkplätzen und anderen Investitionen würden insgesamt 177 Millionen Euro fällig.

Bereits vor Eröffnung zu klein

Der neue Flughafen ist für 27 Millionen Passagiere geplant; in diesem Jahr werden es in Schönefeld und Tegel insgesamt schon 28 Millionen sein. Die Betreiber gehen davon aus, dass das Wachstum anhält. Schon bei einer Eröffnung 2016 würde Platz für gut 37 Millionen Passagiere gebraucht, erläutert Mehdorn. Eingerechnet ist für das erste Betriebsjahr eine Sicherheitsreserve von 25 Prozent.

Ein Flughafen-Gutachten geht von mehr als 31 Millionen Passagieren im übernächsten Jahr aus. Mehdorn will deshalb vom nächsten Jahr an einen Masterplan erarbeiten lassen, wie der Flughafen nach der Eröffnung ausgebaut wird. Der Planfeststellungsbeschluss erlaubt bis zu 45 Millionen Passagiere im Jahr. Diese Nachfrage wird nach der Prognose des Flughafens 2030 erreicht.

Dass Mehdorn einen Ausbau des Flughafens über die bisherigen Pläne hinaus in einer Größenordnung von bis zu 3,2 Milliarden Euro für nötig hält, war bereits im November bekannt geworden. Dazu zählt unter anderem auch eine dritte Start- und Landebahn, die von den BER-Gesellschaftern Berlin und Brandenburg bislang aber strikt abgelehnt wird.

Lösung für den Regierungsflughafen

Der Nachfolger von Klaus Wowereit als Berlins Regierender Bürgermeister, Michael Müller (SPD), erwartet von der Aufsichtsratssitzung an diesem Freitag Angaben zur Perspektive einer Fertigstellung des BER. Dazu müsse die Geschäftsführung eine Aussage machen, sagte Müller dem RBB. Gegebenenfalls müsse man "zusätzliche Finanz- und Baukompetenz" in den Aufsichtsrat holen. Eine Wahl, wer Wowereit als Chef des Kontrollgremiums folgen soll, steht nicht auf der Tagesordnung.

Bis zur Eröffnung sieht Mehdorn in der Präsentation noch viel Nachholbedarf: "Es reicht nicht, den BER wie konzipiert fertig zu bauen." Gepäckausgabe und Sicherheitskontrollen seien zu klein, es fehlten Check-in-Schalter, Flugzeugpositionen und Parkhäuser. Mehdorn fordert Interimslösungen und einen Masterplan für einen dauerhaften Ausbau des Flughafens.

Eine Lösung gib es demnach aber für den Regierungsflughafen. Dieser soll auf dem Schönefelder Airport-Areal gebaut werden. Bis zur Fertigstellung wollte der Bund eigentlich das alte Schönefelder Terminal nutzen, weicht nun aber für die Bauzeit auf einen Interimsbau aus, der nebenan entstehen soll, wie Mehdorn erklärt. Das gibt ihm die Möglichkeit, im alten Schönefelder Terminal weiter Passagiere abzufertigen, bis der neue Hauptstadtflughafen erweitert ist.

fdi/dpa

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 31 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
fridericus1 12.12.2014
1. Einer der größten Rätsel ...
... des bundesdeutschen Spätkapitalismus ist für mich die Tatsache, dass dieser Mensch anscheinend weder zu stoppen noch zu belangen ist. Wahrscheinlich besitzt er Fotos von allen wesentlichen Machtträgern, auf denen diese Strapse tragen.
ottosmopskotzt 12.12.2014
2. Typisch Mehdorn!
Ablenken vom eigentlichen Problem! Soll er doch erstmal die eine Sche.sse zu einem Ende bringen! Aber das wird ihm nicht gelingen! Bzw. mit dem gleichen Ergebnis wie bei der Bahn und den anderen Unternehmen, die er erfolgreich in den Dreck gefahren hat. Sollte er nicht mit Wowi abdanken?
Tastendruecker 12.12.2014
3. Dann lieber Strapsphotos
Zitat von fridericus1... des bundesdeutschen Spätkapitalismus ist für mich die Tatsache, dass dieser Mensch anscheinend weder zu stoppen noch zu belangen ist. Wahrscheinlich besitzt er Fotos von allen wesentlichen Machtträgern, auf denen diese Strapse tragen.
Also da würde ich lieber mit Strapsen in Internet erscheinen wie mit dem BER in irgendeine Verbindung gebracht zu werden. Bei "Strapsbildern" kann man sich ja noch mit "Verlorener Wette", "Alkohol", "Fasching" oder "Ich bin schwul und stolz darauf hinausreden". Nur welche Ausreden gibt es beim BER?
trude2004 12.12.2014
4.
Dem Mehdorn überhaupt eine Bühne zu bieten ist schon dreist. Gerade Mehdorn der überall versagt hat sitzt jetzt am BER am hebel. Hat unser Land keine Jüngeren und besseren Ingenieure? Mit Mehdorn der den BER Hauptbahnhof schon vermurkst hat? Man läuft hier mit dem gleichen Kopf mehrmals gegen die Wand! Selbst schuld. Unsere Milliarden gehen ins Land und wir Steuerzahler müssen es richten. Armes Deutschland wird zum Gelächter der Welt
k-3.14 12.12.2014
5. Der Flughafen sei bereits vor der Eröffnung überlastet...
Wie geht DAS denn?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.