Neue Panne am Hauptstadtflughafen 600 Brandschutzwände sind gar keine

Brandschutz am BER, da war doch was. Stimmt, und da ist jetzt noch mehr: 600 Brandschutzwände entsprechen nicht den Vorschriften - sie müssen eingerissen oder verstärkt werden.

Flughafen BER: Eine unendliche Geschichte
DPA

Flughafen BER: Eine unendliche Geschichte


Nach dem Baustopp wegen zu schwerer Entrauchungs-Ventilatoren (und weiteren Pannen) müssen auf der Baustelle des neuen Hauptstadtflughafens Berlin Brandenburg (BER) auch noch 600 Brandschutzwände umgebaut werden. "Wir haben eine gehörige Zahl von Wänden, die als Brandschutzwände definiert sind, aber so nicht gebaut wurden", sagte Flughafenchef Karsten Mühlenfeld im Flughafenausschuss des Brandenburger Landtags.

Für die Wände wurden demnach Gasbeton-Steine verwendet. Nach Angaben des Bundesverbands Porenbetonindustrie eignen sich diese Steine zwar prinzipiell zum Brandschutz, wenn der Einsatz nach den entsprechenden Normen geplant und ausgeführt werde. Im Fall des Berliner Flughafens habe es bei Planung und Ausführung aber offenbar Fehler gegeben.

Zunächst hieß es sogar, die 600 Wände müssten eingerissen und neu gebaut werden. Später relativierte Flughafenchef Mühlenfeld in einer Mitteilung, dass "nur ein sehr geringer Teil dieser Wände" komplett neu gebaut werden müsse. Um die geforderten Brandschutzklassen zu erreichen, seien Stützen einzubauen oder Wandteile zu verstärken.

Davon wurde den Angaben zufolge schon einiges umgesetzt. Dies alles gehöre zu den Sanierungsmaßnahmen am BER und ist Mühlenfeld zufolge in den "derzeitigen Projektstatus eingepreist".

Einen Neubau des Flughafens lehnt die Brandenburger Landesregierung ab. "Was hier plakativ von politischer Seite vorgebracht wird, hilft nicht weiter", sagte der Flughafenkoordinator der Landesregierung, Rainer Bretschneider. "Es erhöht die Zeitprobleme und es erhöht die Kostenprobleme."

Zuvor hatte der CDU-Bundestagsabgeordnete Jens Koeppen in einem Zeitungsinterview gesagt: "Wenn wir wirklich nicht weiterkommen, muss man das Gebäude entweder entkernen - das heißt: den Beton stehen lassen und innen alles neu machen - oder man baut wirklich neu."

Ein Abriss und Neubau würde mindestens fünf bis sieben Jahre dauern, erläuterte Bretschneider, der auch stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der Flughafengesellschaft ist. Hinzu käme eine neue Planfeststellung, gegen die in zwei Instanzen prozessiert werden könne.

"Ich akzeptiere, dass der Bürger und unsere Politiker langsam die Schnauze voll haben von den Hiobsbotschaften,", sagte Bretschneider. "Aber ich verlange auch, dass wir uns wieder sachgerecht äußern und zurückkommen zu Lösungen."

Übersicht - absurde Pannen am BER zum Durchklicken:

Das Licht geht nicht aus

Mit dieser Nachricht überraschte der Flughafen 2013. Ursache waren Probleme mit der Leittechnik, wo im Zuge der Umplanungen immer wieder angeflickt wurde. Inzwischen ist das zentrale Datennetz des Terminals umgerüstet und für Erweiterungen vorbereitet - für 11 Millionen Euro.

Die Rolltreppen sind zu kurz

Wer mit seinem Koffer vom unteririschen Bahnhof zum Terminal-Vorplatz will, muss am Ende der Rolltreppen noch ein paar feste Treppenstufen überwinden. Die Rolltreppen waren zu kurz bestellt worden, über einen Austausch wurden Flughafen und Deutsche Bahn nicht einig.

Der Rauch muss durch den Keller

Brennt das Terminal, wird ein Teil des Rauches in den Keller gesogen und seitwärts nach außen geleitet. Das sorgte für Spott, widerspricht jedoch wegen des Unterdrucks keineswegs den Regeln der Physik. Nur: Die Entrauchungsanlage war über die Jahre so groß geraten, dass sie sich nicht mehr steuern ließ. Sie wird in mehrere Abschnitte geteilt.

Die Türen sind falsch nummeriert

Knapp jeder dritte der 4000 Räume im Flughafen war falsch nummeriert, weil umgeplant wurde, ohne dass jemand den Überblick wahrte. Das kann schwerwiegende Folgen haben, weil Türen und Lüftungsklappen den Raumnummern folgen. Auch Rettungsdienste brauchen verlässliche Nummern. 2014 ging die Flughafengesellschaft das Problem an.

Im Terminal herrscht Kabelsalat

Mit den Terminal-Erweiterungen legten die verschiedenen Firmen immer mehr Leitungen auf die Kabeltrassen - bis sie überbelegt waren, was etwa wegen Hitzebildung riskant ist. Kabel führen auch durch Kanäle mit Hauptleitungen für Wärme, Kälte und Wasser, teilweise fehlen Pläne. Mehr als 90 Kilometer Kabel mussten neu gezogen werden. Die Mammutaufgabe ist fast abgeschlossen.

Die Gepäckausgabe ist zu klein

Das mag nach langem Flug niemand: Warten aufs Gepäck, gar ein Kofferchaos. Doch acht Gepäckbänder, insgesamt 580 Meter lang, das ist für das, was auf den Flughafen zukommt, zu wenig. Ein weiteres Band wurde bewilligt, doch der drittgrößte deutsche Airport wird insgesamt zu klein sein. Das Passagierwachstum hat die Planer überrascht. Das benachbarte alte Schönefelder Terminal darf daher vorerst nicht schließen, über Interimsbauten wird nachgedacht.

Vertrauliche Unterlagen liegen im Müll

Ordnerweise Baupläne lagen im vergangenen Sommer in einem Abfallcontainer - auf offener Straße. Noch mehr läuft schief: Ein Planer gibt sich zu Unrecht als Ingenieur aus, Schmiergeld fließt, Machtkämpfe und Intrigen werden auf offener Bühne ausgetragen. Keiner der bisherigen Chefs hat die Baustelle vollends befrieden können.

Das Dach ist zu schwer

Vier Tonnen, so viel wie drei VW Golf, wiegen fünf Ventilatoren, die auf Bühnen unterm Dach des Terminals hängen und im Brandfall Rauch hinaussaugen sollen - viel mehr als eigentlich geplant. Vergangene Woche kam der Fehler nach Jahren ans Licht, seitdem herrscht aus Sicherheitsgründen Baustopp. Der Flughafen betont, die statischen Nachweise seien weiter gültig - keine Einsturzgefahr. Davon muss er noch die Bauaufsicht überzeugen.

kop/dpa



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 119 Beiträge
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Seite 1
karend 28.09.2015
1. x
Welcome to Absurdistan. Wer hat die Wände geliefert, eingebaut, abgenommen? Anklagen. Und dann: Beendet die Farce! Ich möchte nicht einen Cent mehr dafür zahlen.
gsa 28.09.2015
2. Wenn BER nie in Betrieb geht,
brauchts Auch keinen Brandschutz. Also immer schön ruhig bleiben.
dickebank 28.09.2015
3.
Gab's da auch eine Bauleitung? Langsam wird es müßig immer nur auf die Aufsichtsratsmitglieder einzudreschen. Wofür sind eigentlich ein Gesamtplaner sowie Fachplaner und eine Gesamtbauleitung sowie Abschnittsbauleitungen verantwortlich? Es bewahrheitet sich halt immer wieder: Wer glaubt, dass ein Bauleiter den Bau leite, der glaubt auch, dass ein Zitronenfalter Zitronen ...
Bueckstueck 28.09.2015
4. Günstige Lösung:
Eine Vorschrift erlassen die besagt, dass in den fraglichen Bereichen kein Feuer entfacht werden darf...
baerry 28.09.2015
5. fünf bis sieben Jahre?
Der muss sich versprochen haben, sieben Jahre wäre ja Jahrzehnte schneller als der momentane Murks.
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