Hauptstadtflughafen Mehdorn will Eröffnungstermin erst Ende 2014 nennen

Mehrfach schon hat er den Termin der Verkündung verschoben, jetzt legt sich Hartmut Mehdorn fest. Zum Jahresende will er sagen, wann der Hauptstadtflughafen endlich den Betrieb aufnehmen wird. Sicher ist nur, dass der Bau noch einmal teurer wird.

Flughafenchef Mehdorn: 150.000 Mängel am Bau
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Flughafenchef Mehdorn: 150.000 Mängel am Bau


Berlin - Ende dieses Jahres soll endlich feststehen, wann der neue Hauptstadtflughafen in Betrieb gehen kann. Das kündigte Flughafenchef Hartmut Mehdorn am Mittwoch an. "Wir sind soweit, dass wir zum Jahresende ziemlich präzise sagen können, wann es passiert mit der Inbetriebnahme", sagte Mehdorn am Mittwoch im Bauausschuss des Abgeordnetenhauses in Berlin. Er bestätigte Annahmen, dass sich die Kosten für den Schallschutz der Anwohner auf 730 Millionen Euro vervielfachen werden.

Der Flughafen sollte eigentlich Ende 2011 öffnen. Noch beschäftigten die Betreiber aber Nacharbeiten, "Pfusch am Bau" und die Probleme mit der Entrauchungsanlage, sagte Mehdorn. Er bezifferte die Zahl der Mängel in dem Neubau erstmals auf 150.000. Diese seien teilweise abgearbeitet, viele auch für den Start des Flughafens nicht erheblich. "Die Mängelbeseitigung ist nicht der kritische Weg, die Brandschutzanlage überschattet alles."

Am 11. April will Mehdorn dem Aufsichtsrat darlegen, wie viel es kosten wird, den Flughafen fertigzustellen. Beobachter erwarten, dass die Kosten sich auf mehr als fünf Milliarden Euro erhöhen. Der inzwischen eineinhalb Jahre alte Kostenplan sieht 4,3 Milliarden Euro vor. "Diese 4,3 Milliarden werden wir Ende dieses Jahres aufgebraucht haben", sagte Mehdorn. "Es ist klar: Es wird darüber hinaus einen Bedarf geben."

Nach Informationen aus Aufsichtsratskreisen sind für den Schallschutz nur 440 Millionen Euro in dieser Summe enthalten. Ursprünglich hatten die Betreiber mit 139 Millionen Euro geplant. Ein Gericht hatte 2013 jedoch befunden, dass Vorgaben systematisch missachtet wurden. Seither wurde über mehr als 700 Millionen Euro für Schallschutzfenster, Dämmungen und Lüfter für gut 24.000 betroffene Haushalte spekuliert.

Mehdorn machte auch überraschende behördliche Auflagen für Zeitverlust und Mehrkosten verantwortlich und warf den Behörden "Schikane" vor. Die Anwohner erhielten nun den "weltbesten Schallschutz", betonte er.

Eine Eröffnung des Flughafens im Jahr 2015 wird bei einer Terminansage Ende dieses Jahres noch unwahrscheinlicher. Mehdorn hatte kürzlich betont, den Fluggesellschaften nach der Terminankündigung 12 Monate Vorlauf zu lassen.

Er will möglichst im Frühjahr 2015 mit Testläufen im Terminal beginnen. Parallel sollen Baubehörden, TÜV und die internationale Luftfahrtorganisation die Gebäude und Anlagen testen und abnehmen.

Mehdorn will vom Aufsichtsrat auch den Auftrag, seine Pläne weiterzuverfolgen, denalten Flughafen Schönefeld weiter zu nutzen, wenn der Neubau eröffnet ist. Denn dieser stößt vom Start weg an seine Kapazitätsgrenze von 27 Millionen Passagieren im Jahr. Mehdorn sprach von einer "Interimslösung". Denn für den Neubau sind Terminal-Satelliten genehmigt, aber noch nicht geplant. Sie würden zu spät fertig.

mik/dpa-AFX

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insgesamt 41 Beiträge
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Seite 1
tennislehrer 02.04.2014
1. ...und Ende des Jahres wird er mitteilen,...
.....dass er erst Ende 2016 einen Termin nennen wird.
acitapple 02.04.2014
2.
mal im ernst, wäre es nicht günstiger das ganze projekt sofort einzustampfen, alle strafen dafür zu zahlen und vorstand/aufsichtsrat zu entlassen ? klar, man hat ein paar mrd. euro (von anderen bundesländern erwirtschaftet) bereits in den sand gesetzt, aber nach oben ist wohl kein ende in sicht. vielleicht ist in 15 jahren wieder eine regierung dran, die bei klarem verstand ist und dann wirklich etwas damit anfangen kann.
BlakesWort 02.04.2014
3.
Brandschutzanlage; zu kleine Kabelschächte, die jetzt klimatisiert werden müssen; ein viel zu kleiner Terminal; problematische Kerosionzuführung am Rollfeld. Das sind alles riesige Probleme, für die es keine direkte Möglichkeit der Nachbesserung gibt, ohne an anderer Stelle elementar in den Bau einzugreifen. Ich hoffe aus diesem Projekt wird gelernt, dass man solche Megabauten nicht in einem Stück fertigstellen sollte, sondern abschnittweise. Sozusagen modular, wie es bei Erweiterungen anderer Flughäfen im Prinzip auch getan wird. Klar ist das teurer, aber eben nur, wenn der Megabau wirklich fertig wird und funktioniert. Leider ist das in Deutschland in den letzten 25 Jahren - also in etwa der Zeit, in der BWLer und Politiker die Leitung über Bauprojekte übernommen haben - nirgendwo mehr glatt gegangen. Wenn das Ding Ende 2016 an den Start geht, sind alle gut bedient.
ottosmopskotzt 02.04.2014
4. Klar!
Zitat von sysopDPAMehrfach schon hat er den Termin der Verkündung verschoben, jetzt legt sich Hartmut Mehdorn fest. Zum Jahresende will er sagen, wann Hauptstadtflughafen endlich den Betrieb aufnehmen wird. Sicher ist nur, dass der Bau noch einmal teurer wird. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/ber-mehdorn-will-eroeffnungstermin-erst-ende-2014-nennen-a-962256.html
Was denn sonst? Teurer und bei der Eröffnung, wenn sie jemals denn stattfindet, überaltert! Aber daß die größte Luftnummer Hartmut Mehdorn weiter den Bau lenken soll, ist ja wohl der größte Witz! Was hat denn Herr Mehdorn bisher in seinem Amt und den Ämtern vorher geleistet? Man könnte auch sowas Insolvenzkatalysator nennen!
AllesKlar2014 02.04.2014
5. Berlin blamiert
sich, und leider auch den Rest der Republik. Wer Steuern hinterzieht gehört vor Gericht, wer noch nicht einmal sagt, angibt oder vermutlich weiß, in welche Taschen die Millarden Steuergelder fliessen, gibt "ein politisches Bla-Bla-Brundschutz-Termin Statement" ab. In Berlin muss die Freiheit wohl grenzenlos sein. In Sachen BER bin ich zum Wutbürger geworden: Herr Wowereit gehört ganz, ganz einfach vor ein deutsches Gericht gestellt und entsprechend verurteilt. Der Entlassungstermin kann dann ja ruhig x-mal verschoben werden. Grund: Zellenschlüssel verloren..
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