Mehdorn und der Hauptstadtflughafen Lieber Rücktritt als Rausschmiss

Mit seinem Rücktritt als Geschäftsführer des Berliner Hauptstadtflughafens gelang Hartmut Mehdorn ein Coup: Ein letztes Mal inszenierte er sich als Herr des Geschehens. Dabei war das Ende seiner Amtszeit längst besiegelt.

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Berlin - Hartmut Mehdorn weiß, wann seine Zeit gekommen ist. Seine Lektion hat er bei der Bahn gelernt, wo er viel zu lange an seinem Posten klebte. Bei Air Berlin kündigte er im Januar 2013 seinen Rücktritt an, bevor die miserable wirtschaftliche Lage der Fluglinie bekannt wurde. Streckenstreichungen, Preiserhöhungen und der Verkauf von Tafelsilber in Form des lukrativen Vielfliegerprogramms hatten keine Trendwende herbeiführen können. Und so vollzog Mehdorn lieber einen "geordneten Führungswechsel", wie er es ausdrückte, als einen unrühmlichen Rausschmiss zu riskieren.

Auch diesmal schaffte es der umstrittene Manager, seinen Gegnern zuvorzukommen. Am Montag reichte er seine Kündigung als Geschäftsführer der Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg ein. Er will zwar noch abwarten, bis ein Nachfolger gefunden ist, doch spätestens Ende Juni 2015 soll Schluss sein, wie die Flughafengesellschaft mitteilte. Mehdorn begründete die Entscheidung mit Spekulationen um seine Person, die das vertretbare Maß überstiegen. "Ich bedauere meinen Rücktritt persönlich sehr, da er weder meinem Pflichtbewusstsein noch meinen persönlichen Zielen entspricht." Der Schritt sei in Abwägung der Gesamtlage notwendig geworden.

Zudem schließe sich mit der Festlegung auf eine Eröffnung des Flughafens im zweiten Halbjahr 2017 für ihn ein Kreis. Die Baustelle, die er im März 2013 im Chaos übernommen habe, sei nun geordnet. Ursprünglich sollte der BER im Oktober 2011 an den Start gehen. Bisher sind seit dem ersten Spatenstich 2006 vier Eröffnungstermine für den drittgrößten deutschen Flughafen geplatzt.

Überraschung gelungen

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Scheidender Flughafen-Chef: Die Stationen des Hartmut Mehdorn
Die Überraschung gelang ihm tatsächlich. Nach Recherchen von SPIEGEL ONLINE hatte kaum einer der Aufsichtsräte zu diesem Zeitpunkt mit dem Schritt gerechnet. Offensichtlich hatte Mehdorn die Erosion seines Rückhalts treffsicherer vorhergesagt als seine Aufseher. Die Unzufriedenheit war in den letzten Wochen zwar rapide angewachsen, an einer Vertragsverlängerung war nicht mehr zu denken. Doch einen Wechsel hätte niemand herbeizuführen gewagt, bevor ein Nachfolger bereit gestanden hätte. Nur war Mehdorn bereits zugetragen worden, dass die Gesellschafter erste Gespräche mit potenziellen Nachfolgern geführt hatten.

Während der letzten Aufsichtsratssitzung am vergangenen Freitag muss Mehdorn dann endgültig klar geworden sein, dass er fortan nur noch ein Geschäftsführer auf Abruf war. Der Flughafenchef bekam hautnah zu spüren, dass sich die Zeiten nach dem Rücktritt von Klaus Wowereit grundlegend geändert haben. Dabei ging es im entscheidenden Punkt eigentlich um eine vergleichsweise geringe Summe, die Mehdorn für das Engagement der Unternehmensberatung Roland Berger bewilligt haben wollte. Der neue Regierende Bürgermeister Michael Müller ließ ihn damit jedoch regelrecht auflaufen.

Rund acht Millionen Euro soll die Flughafengesellschaft bisher an die Unternehmensberatung gezahlt haben, heißt es in Aufsichtsratskreisen. Müller forderte einen Schlussstrich. Bei Enthaltung Brandenburgs lehnte dann der Aufsichtsrat weitere finanzielle Mittel für die Beratertruppe ab.

Wenig begeistert war Mehdorn auch, als Müller von ihm binnen Tagen ein schlüssiges Kommunikationskonzept für den BER haben wollte. "Das dürfte doch kein Problem sein", soll Müller gesagt haben, "das haben Sie doch bestimmt in der Schublade." Die Gesichtszüge der anwesenden Flughafenmanager sollen darauf leicht entglitten sein. So zumindest haben es Sitzungsteilnehmer beobachtet.

Klima abgekühlt

Bereits Wochen zuvor war das Klima zwischen Aufsichtsrat und Geschäftsführung merklich abgekühlt. Die Entscheidung, die Finanzen der Flughafengesellschaft durch externe Prüfer kontrollieren zu lassen, hatte Mehdorn in einem Brief an das Verkehrsministerium sogar als "Inquisition" gebrandmarkt und angekündigt, interne Unterlagen erst nach einem formellen Beschluss des Aufsichtsrats zu übergeben.

Der Hinweis auf die vermurkste Baustelle und die unzähligen technischen Probleme können immer weniger als Begründung für die Verschiebung des Eröffnungstermins auf den Sankt-Nimmerleins-Tag herhalten, das war auch Mehdorn klar. Denn nicht nur die Technik steht einer Fertigstellung im Wege, sondern auch die Flughafengesellschaft mit ihrem überforderten Personal und einer ineffizienten Managementstruktur.

Mit seinem überraschenden Rücktritt konnte sich der der 72-Jährige vermutlich noch ein letztes Mal als Herr des Geschehens inszenieren, auch wenn das Ende seines Gastspiels beim BER längst absehbar war. Der Aufsichtsrat gerät damit in Zugzwang, einen Nachfolger zu nominieren. Als Favorit gilt dabei Michael Garvens, der seit zwölf Jahren den Flughafen Köln/Bonn mit großem Erfolg führt. Er warb einige Billigfluggesellschaften an und erreichte so eine Verdoppelung der Passagierzahlen. Auch der Münchner Flughafenmanager Thomas Weyer ist noch im Rennen. Er kennt die Verhältnisse am BER sehr gut, weil er vor seiner Tätigkeit in Süddeutschland dort einer der Geschäftsführer war. Weiher wäre der Öffentlichkeit allerdings aus einem anderen Grund recht schwer zu vermitteln: Er verlangt viel Geld für sein Engagement.

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insgesamt 44 Beiträge
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Seite 1
rosaberg 15.12.2014
1. immer wenn es Probleme gibt
zieht sich Mehdorn zurück. Dass er u.a. der Verursacher ist, erkennt er dabei nicht. Ich hoffe, er begibt sich endlich in den geordneten Ruhestand und wir hören dann nie wieder von ihm.
frank57 15.12.2014
2. Herr Mehdorn
hätte diesen Posten gar nicht erst erhalten dürfen! Überall hat er nur Chaos hinterlassen! Unsummen als Gehalt kassieren aber unfähig Probleme zu lösen!
VacekKacek 15.12.2014
3. Es
ist eine Schande, wie mit diesen Manne umgegangen wird. Da holt man ihn erst, um das Chaos komplett zu machen, bzw. damit er den Karren so gegen die Wand fährt, dass er nicht mehr zu retten ist und wie dankt man es ihm? Man zieht schäbig über ihn her. Pfui. Mehdorn hat doch nur seine Pflicht erfüllt. Wie immer, wenn er auf einen wichtigen Posten berufen worden ist. Er ist ein Nichtskönner und Diletant und genau als solcher wurder er eingestellt. Er hat seine Aufgabe mit Bravour gemeistert. Schuld sind diejenigen, die ihn eingestellt haben. Wenn sie jemand gewollt hätten, der fachlich einwandfrei ist, dann hätte man niemals Mehdorn holen dürfen. Eher einen wilden Biber, aber niemals Mehdorn. Mehdorn steht für Chaos, Pleite und Misswirtschaft. Schämt euch, ihr Aufsichtsräte.
mittekwilli 15.12.2014
4. Dank Dir Du Retter,
nun haben wir endlich eine geordnete Baustelle.
GlobalerOptimist 15.12.2014
5. Meine Frage ist ganz einfach.
Wann wird mal jemand für diese Verschwendung von Steuermitteln eingesperrt?
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