Hauptstadtflughafen Geschasster Planer war nur technischer Zeichner

Peinliche Enthüllungen für die Berliner Flughafengesellschaft: Der gefeuerte Planer der Entrauchungsanlage hatte gar keinen Abschluss als Ingenieur. Und ein Architekturbüro entsorgte vertrauliche Unterlagen einfach im Müll.

Neues BER-Terminal: Zweifelhafte Sorgfalt bei der Auswahl der Geschäftspartner
DPA

Neues BER-Terminal: Zweifelhafte Sorgfalt bei der Auswahl der Geschäftspartner


Berlin - Die Berliner Flughafengesellschaft ist bei der Planung ihrer funktionsuntüchtigen Entrauchungsanlage offenbar einem möglichen Hochstapler aufgesessen. Der im Frühjahr von Flughafenchef Hartmut Mehdorn geschasste Planer der sogenannten Anlage 14, Alfredo Di Mauro, soll gar kein Ingenieur sein. Das berichtet der "Stern" in seiner am Donnerstag erscheinenden Ausgabe. Di Mauros Anwalt bestätigte dem Magazin nach mehrmaligen Nachfragen, dass sein Mandant lediglich über einen Gesellenbrief als technischer Zeichner verfüge.

Die Enthüllungen bestätigen indirekt Mehdorn, der die Zusammenarbeit mit Di Mauro Anfang Mai beendet hatte. "Er hat die Anlage 14 in ihrer vorliegenden, nicht funktionsfähigen Form geplant", ließ Mehdorn damals erklären. Bereits im Frühjahr 2012 galt die Entrauchungsanlage als Hauptursache für den damals geplatzten Eröffnungstermin des Flughafens. Nachfragen des "Stern", ob sich Di Mauro als Ingenieur vorgestellt und wie er dies gegebenenfalls belegt habe, ließ die Flughafengesellschaft unbeantwortet.

Nach eigenen Angaben arbeitete Di Mauro seit 2006 für das Flughafenprojekt, dies zunächst als freier Mitarbeiter für eine Ingenieursfirma, die dann 2010 in die Insolvenz ging. Für sie habe er die Entrauchungsanlage für den sogenannten Main Pier des Airports geplant. Dieser 715 Meter lange Komplex ist zugleich das Hauptgebäude des Flughafens. Anschließend seien zwei von ihm selbst geführte Firmen, die als "Ingenieursbüros" firmierten, für das Airport-Projekt tätig gewesen. Zuletzt habe er 2012 und 2013 Aufträge des Flughafens erhalten.

Grundrisse im Altpapier

Im zweiten Fall, der jetzt bekannt wurde, geht es um die Planungsgesellschaft BBI, die bis Mai 2012 als Generalplaner für den Flughafen gearbeitet hat. Die Polizei in Berlin stellte zwei Container mit Geschäftsakten zum BER sicher und ermittelt jetzt wegen eines möglichen Verstoßes gegen den Datenschutz. Wie ein Sprecher bestätigte, entdeckte eine Passantin die Unterlagen im Stadtteil Lichtenberg in einer Straße, in der ein zur PG BBI gehörendes Architekturbüro seinen Sitz hatte, das im vergangenen Jahr Insolvenz anmelden musste. "Wir prüfen jetzt, ob etwas Strafbares vorliegt", sagte der Sprecher.

Die Akten enthalten offenbar vertrauliche Informationen, zum Beispiel zu Fahrstühlen und Starkstromanlagen sowie Grundrisse. Nach Zeitungsberichten sollen darin auch Warnungen wegen baulicher Verzögerungen zu finden sein.

Die Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg (FBB) teilte mit, dass sie im Zusammenhang mit dem Aktenfund Anzeige gegen Unbekannt erstattet habe. "Nach erster Einschätzung der Flughafengesellschaft liegt in diesem Fall ein eklatanter Verstoß gegen vertragliche Pflichten und ein Bruch der Vertraulichkeit eines Vertragspartners der FBB vor", erklärte die Flughafengesellschaft. Auftragnehmer seien "grundsätzlich" zu "sorgfältigem und vertrauensvollem Umgang mit Daten und Informationen verpflichtet".

Der neue Flughafen BER sollte ursprünglich im Juni 2012 eröffnet werden. Probleme bei der Fertigstellung der Entrauchungsanlage führten dazu, dass der Termin nicht eingehalten werden konnte. Dem Planungsbüro PG BBI wurde wegen der geplatzten Inbetriebnahme gekündigt. Ein neuer Eröffnungstermin für den BER steht bisher nicht fest.

mik/AFP

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 214 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
schwarzes_lamm 24.06.2014
1.
Zitat von sysopDPAPeinliche Enthüllungen für die Berliner Flughafengesellschaft: Der gefeuerte Planer der Entrauchungsanlage hatte gar keinen Abschluss als Ingenieur. Und ein Architekturbüro entsorgte vertrauliche Unterlagen einfach im Müll. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/ber-planer-am-berliner-flughafen-war-gar-kein-ingenieur-a-977163.html
Um Medien-Liebling Wowereit und das Airport-Desaster aus der Schusslinie zu bringen muss als Konzession schnell eine neue Enthüllung über Franz-Peter Tebartz-van Elst her.
spon-facebook-10000325765 24.06.2014
2. Datenschutz?
Ist das denn wirklich sooo schwierig? Beim Datenschutz geht es um den Schutz von Bürgern und deren Bürgerrechten. Entsprechend schützt der Datenschutz solche Daten, die sich auf natürlich Personen beziehen. Irgendwelche Baupläne und ähnliche Unterlagen fallen da entsprechend NICHT unter den Datenschutz. Höchstens indirekt, wenn dort Namen von beteiligten Personen genannt werden. So mag es zwar hochpeinlich für den BER sein, ein Datenschutz-Skandal aber eher nicht.
n1104 24.06.2014
3. Das entspricht dann wohl einer Köpenickiade...
...nur das kein Kaiser mehr da ist, der sich vor Lachen biegt. Aber vielleicht könnte jemand ein Theaterstück draus machen...
Whitejack 24.06.2014
4.
Wie schafft man es, ohne Nachweis des Ingenieursabschlusses angenommen zu werden? Bei wirklich jeder Bewerbung werden Lebenslauf und Zeugnisse verlangt. Hat da ein technisch versierter Fälscher die BER-Verantwortlichen gelinkt? Oder ist denen dort schlichtweg alles egal gewesen? Auf jeden Fall zeigt dies erneut, dass Großprojekte besser kontrolliert und strukturiert werden müssen. Wenn dies nicht möglich ist, dann ist es vielleicht besser, man lässt die Finger davon.
Kaiserp 24.06.2014
5. Zitat
Um aus den Simpsons zu zitieren:" Ohhh, so menschlich das Versagen"
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.