Keine Satire BER-Startbahn pünktlich saniert

Sie dachten, der Berliner Pannen-Flughafen kann Sie nicht mehr überraschen? Irrtum. Am BER wurde eine Startbahn saniert - und alles lief wie geplant.

BER-Baustelle: "Alles ist 'in time' und im Kostenrahmen geblieben"
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BER-Baustelle: "Alles ist 'in time' und im Kostenrahmen geblieben"


Nach der jahrelangen Pannenserie am Berliner Hauptstadthafen BER ist diese Meldung eine kleine Sensation: Eine Start- und Landebahn wurde saniert - ganz ohne Pannen. Die Bauarbeiten blieben im Zeitplan, und teurer als geplant wurde es nach Angaben der Betreiber auch nicht.

"Alles ist 'in time' und innerhalb des Kostenrahmens geblieben", sagte Flughafenchef Karsten Mühlenfeld am Freitag auf der Nordbahn des alten Schönefelder Flughafens. Diese wird später vom benachbarten BER übernommen, wenn er einmal eröffnet ist. Während der Arbeiten waren die Flugzeuge auf der neugebauten BER-Südbahn gestartet und gelandet, die dafür vorübergehend in Betrieb genommen wurde.

Die genauen Kosten der gut fünfmonatigen Sanierungsarbeiten nannte die Flughafengesellschaft nicht. Die frühere Angabe von rund 50 Millionen Euro bestätigte Mühlenfeld auf Nachfrage mit "Pi mal Daumen".

Der Bau des Hauptstadtflughafens ist zum Inbegriff eines Pannen-Großprojekts geworden. Eigentlich sollte er im Juni 2012 - nach mehreren Verzögerungen - in Betrieb gehen. Wenige Wochen zuvor musste die Eröffnung wegen zahlreicher Baumängel verschoben werden. Seitdem konnten weitere Eröffnungstermine nicht gehalten werden, auch der nun angepeilte Termin im zweiten Halbjahr 2017 ist Experten zufolge gefährdet.

Zudem stiegen die Kosten von den im Jahr 2009 geplanten 2,8 Milliarden Euro auf 5,4 Milliarden Euro. Allerdings bestehen erhebliche Zweifel, dass diese Summe ausreichen wird. In den vergangenen Monaten sorgte die Insolvenz des Bauausrüsters Imtech für Verunsicherung. Gegen drei ehemalige Imtech-Manager und einen Flughafenmanager ist zudem Anklage wegen Korruptionsverdachts erhoben worden.

Zuletzt hatte die Bauaufsicht die Arbeiten am BER-Terminal zwischenzeitlich komplett gestoppt, weil die Statik neu berechnet werden musste.

Am Freitag verbreitete das Management der Flughafengesellschaft Optimismus: Vize-Aufsichtsratschef Rainer Bretschneider sagte, das Flughafenprojekt sei auf einem guten Weg. Die Eröffnung im zweiten Halbjahr 2017 bleibe das Ziel. Sicher könne man aber erst im kommenden Frühjahr sein, wenn Nachträge zur Baugenehmigung genehmigt sein sollen. Weitere Hiobsbotschaften könne man nicht gebrauchen, sagte Bretschneider. "Davon haben wir langsam genug."

Lesen Sie hier eine Auflistung der größten BER-Pannen:

Das Licht geht nicht aus

Mit dieser Nachricht überraschte der Flughafen 2013. Ursache waren Probleme mit der Leittechnik, wo im Zuge der Umplanungen immer wieder angeflickt wurde. Inzwischen ist das zentrale Datennetz des Terminals umgerüstet und für Erweiterungen vorbereitet - für 11 Millionen Euro.

Die Rolltreppen sind zu kurz

Wer mit seinem Koffer vom unteririschen Bahnhof zum Terminal-Vorplatz will, muss am Ende der Rolltreppen noch ein paar feste Treppenstufen überwinden. Die Rolltreppen waren zu kurz bestellt worden, über einen Austausch wurden Flughafen und Deutsche Bahn nicht einig.

Der Rauch muss durch den Keller

Brennt das Terminal, wird ein Teil des Rauches in den Keller gesogen und seitwärts nach außen geleitet. Das sorgte für Spott, widerspricht jedoch wegen des Unterdrucks keineswegs den Regeln der Physik. Nur: Die Entrauchungsanlage war über die Jahre so groß geraten, dass sie sich nicht mehr steuern ließ. Sie wird in mehrere Abschnitte geteilt.

Die Türen sind falsch nummeriert

Knapp jeder dritte der 4000 Räume im Flughafen war falsch nummeriert, weil umgeplant wurde, ohne dass jemand den Überblick wahrte. Das kann schwerwiegende Folgen haben, weil Türen und Lüftungsklappen den Raumnummern folgen. Auch Rettungsdienste brauchen verlässliche Nummern. 2014 ging die Flughafengesellschaft das Problem an.

Im Terminal herrscht Kabelsalat

Mit den Terminal-Erweiterungen legten die verschiedenen Firmen immer mehr Leitungen auf die Kabeltrassen - bis sie überbelegt waren, was etwa wegen Hitzebildung riskant ist. Kabel führen auch durch Kanäle mit Hauptleitungen für Wärme, Kälte und Wasser, teilweise fehlen Pläne. Mehr als 90 Kilometer Kabel mussten neu gezogen werden. Die Mammutaufgabe ist fast abgeschlossen.

Die Gepäckausgabe ist zu klein

Das mag nach langem Flug niemand: Warten aufs Gepäck, gar ein Kofferchaos. Doch acht Gepäckbänder, insgesamt 580 Meter lang, das ist für das, was auf den Flughafen zukommt, zu wenig. Ein weiteres Band wurde bewilligt, doch der drittgrößte deutsche Airport wird insgesamt zu klein sein. Das Passagierwachstum hat die Planer überrascht. Das benachbarte alte Schönefelder Terminal darf daher vorerst nicht schließen, über Interimsbauten wird nachgedacht.

Vertrauliche Unterlagen liegen im Müll

Ordnerweise Baupläne lagen im vergangenen Sommer in einem Abfallcontainer - auf offener Straße. Noch mehr läuft schief: Ein Planer gibt sich zu Unrecht als Ingenieur aus, Schmiergeld fließt, Machtkämpfe und Intrigen werden auf offener Bühne ausgetragen. Keiner der bisherigen Chefs hat die Baustelle vollends befrieden können.

Das Dach ist zu schwer

Vier Tonnen, so viel wie drei VW Golf, wiegen fünf Ventilatoren, die auf Bühnen unterm Dach des Terminals hängen und im Brandfall Rauch hinaussaugen sollen - viel mehr als eigentlich geplant. Vergangene Woche kam der Fehler nach Jahren ans Licht, seitdem herrscht aus Sicherheitsgründen Baustopp. Der Flughafen betont, die statischen Nachweise seien weiter gültig - keine Einsturzgefahr. Davon muss er noch die Bauaufsicht überzeugen.

fdi/dpa-AFX

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insgesamt 136 Beiträge
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Seite 1
Zehetmaieropfer 23.10.2015
1. Danke SPON
Endlich mal eine wirklich positive Nachricht in dieser Zeit und dann noch am BER. Es kann nur noch besser werden.
shardan 23.10.2015
2. Im Klartext...
... da wird eine noch nie (!) genutzte Startbahn saniert! Für schlappe 50 Mio Euronen.... Na Glückwunsch.
Hamstedt 23.10.2015
3. Na klar
So eine Startbahn brauch ja auch keine Rauchgasabzüge lol
fisschfreund 23.10.2015
4.
Naja, eine schon vorhandene Startbahn neu zu asphaltieren schaffen sogar die verantwortlichen Nichtskönner vom BER Flughafen. Oder was soll uns dieser Beitrag sagen? Es wäre billiger gewesen beizeiten diese Ruine abzureissen
hschmitter 23.10.2015
5.
Eine noch nicht benutzte Startbahn mußte schon saniert werden - wie oft ist die denn im märchenhaften Modus eines Flugbetriebes renovierungsbedürftig? Allerdings hätten sich die Sanierer auch mehr Zeit lassen können - oder möchte man ankommenden Gänsen und Störchen eine weichere Landung ermöglichen? Gibt es jetzt Zebrastreifen für Eidechsen? Man, spätestens beim BER könnte man doch mal mit der Intensität wie beim DFB gucken, was seit Beginn vor 20 (?) Jahren alles etwas suboptimal lief.
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