Dauerbaustelle BER: Wowereit lehnt Etappenöffnung des Flughafens ab

Wowereit, Mehdorn (Archivbild): Längere Öffnung des Flughafen Tegel abgelehnt Zur Großansicht
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Wowereit, Mehdorn (Archivbild): Längere Öffnung des Flughafen Tegel abgelehnt

Eine stufenweise Eröffnung könnte laut Hartmut Mehdorn eine Lösung für den Pannen-Flughafen Berlin sein. Doch der Aufsichtsrat lehnt die Idee ab. "Damit können wir nichts anfangen", sagte der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit.

Berlin - Das dürfte Hartmut Mehdorn nicht besonders motivieren: Die vom Berliner Flughafenchef vorgeschlagene etappenweise Eröffnung des Berliner Großflughafens ist auf Ablehnung des Aufsichtsrats gestoßen. "Damit können wir nichts anfangen", sagte Vize-Aufsichtsratschef und Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) am Mittwoch nach einer Aufsichtsratssitzung in Schönefeld.

Wowereit mahnte von Mehdorn geschlossene Konzepte an, um den BER-Flughafen so schnell wie möglich zu eröffnen. Mehdorn hatte sich dafür ausgesprochen, den Flughafen in mehreren Etappen in Betrieb zu nehmen und den derzeitigen Flughafen Berlin-Tegel, anders als rechtlich vorgesehen, sechs Monate nach der BER-Betriebsaufnahme nicht zu schließen.

Vor einem Jahr hatte die Flughafengesellschaft die für den 3. Juni 2012 geplante Eröffnung des neuen Hauptstadtflughafens abgesagt. Einen neuen Termin gibt es bislang nicht.

Wowereit betonte, Mehdorns Vorschlag sei nicht das Konzept der Flughafengesellschaft. Er könne sich nicht vorstellen, dass eine weitere Offenhaltung Tegels parallel zum BER-Flughafen bei den Mitgesellschaftern Bund und Brandenburg eine Mehrheit finden würde. "Zur Schließung von Tegel gibt es keine Alternative", betonte der Sozialdemokrat und verwies auf die geltende und gerichtlich überprüfte Rechtsgrundlage. "Der Flughafen soll so schnell wie möglich ans Netz gehen", forderte er.

Wowereit vertrat als Vize den erkrankten Flughafen-Aufsichtsratschef Matthias Platzeck (SPD). Er warf dem Bundesverkehrsministerium vor, eine zum jetzigen Zeitpunkt unnütze Debatte über die Teileröffnung lanciert zu haben. Es hatte am Wochenende ein Sitzungsprotokoll zu dem Thema verbreitet. Mehdorn hatte sich jedoch in einem Fernsehinterview festgelegt.

Neue Finanzchefin Fölster

Nach dem Urteil des Oberverwaltungsgerichts Berlin-Brandenburg für einen besseren Schallschutz für die Flughafenanwohner rechnet der Aufsichtsrat mit deutlichen Mehrkosten. "Wenn das Urteil rechtskräftig bleibt, ist es erheblich mehr", sagte Wowereit, ohne Zahlen zu nennen. Schätzungen gehen davon aus, dass das ursprünglich mit 139 Millionen Euro veranschlagte Programm bis zu 730 Millionen Euro kosten könnte.

Wowereit schloss nicht aus, dagegen vorzugehen, dass das Gericht keine Revision zuließ. "Es ist mir unverständlich, dass die grundsätzliche Bedeutung nicht erkannt worden ist", kritisierte er das Gericht.

Der Aufsichtsrat hatte sich eigentlich zu der Sondersitzung getroffen, um erstmals eine Finanzchefin für die Betreibergesellschaft zu berufen. Die 52 Jahre alte Heike Fölster sagte, sie freue sich auf die spannende Aufgabe. Sie kommt vom Prüfunternehmen Germanischer Lloyd in Hamburg. Zuvor war sie Finanzchefin des Flughafens der Hansestadt. Flughafenchef Mehdorn kennt sie aus gemeinsamen Jahren bei dem Luftfahrtkonzern Daimler-Benz Aerospace in den neunziger Jahren.

mmo/yes/AFP/dpa

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insgesamt 72 Beiträge
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1. Mehdorn will kleine Brötchen backen ...
westerwäller 08.05.2013
Zitat von sysopEine stufenweise Eröffnung könnte laut Hartmut Mehdorn eine Lösung für den Pannen-Flughafen Berlin sein. Doch der Aufsichtsrat lehnt die Idee ab. "Damit können wir nichts anfangen", sagte der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit. Berliner Flughafen: Wowereit gegen etappenweise BER-Eröffnung - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/berliner-flughafen-wowereit-gegen-etappenweise-ber-eroeffnung-a-898882.html)
... und sich in Bescheidenheit üben... Bescheidenheit mit Wowi? No chance! Hat er sich doch so engagiert für die zeitgerechte Fertigstellung, da kann er sich doch nicht die Krönung seines Lebenswerks kaputtmachen lassen ...
2. BER und seine Polit-Clowns
birdie 08.05.2013
Wowi und Platzi als Polit-Clowns ohne jede geringste Kompetenz für die ihnen irrtümlich überlassenen Fachaufgaben, die ein Grossprojekt mit sich bringt. Und beide zu jämmerlich und zu schwach, um offen einzugestehen: "wir haben es nicht gekonnt". Und zu erbärmlich wie ehrlos, um zu sagen: "wir ziehen uns zurück". Wieviel Geld wollen sich beide Gross-Dilettanten eigentlich noch in ihre Taschen stecken, bis sie von einer sachlich wie kompetent geführten Revisions-Truppe demaskiert werden. Als ebenso ahnungs- wie skrupellose Polit-Clowns. Was muss noch passieren, bevor es soweit ist?
3. Herr Wowereit
Ich_sag_mal 08.05.2013
äußert sich immer dann in den Medien, wenn er nichts sinnvolles zu sagen hat. Soll er sich sinnvoll äußern, wie z.B. beim Haushaltsausschuß des Bundes, so glänzt er durch Abwesenheit. Nichts gegen die Berliner, aber ist so ein Bürgermeister sinnvoll?
4. Wer ist denn Wowereit ?
iffel1 08.05.2013
Der hat doch schon mal völlig daneben gelegen ! Dem darf man garnicht mehr zuhören. Unser Berliner Partykönig soll das tun, was er bisher gemacht hat: feiern bis zum Abwinken !
5. geniale Idee
THINK 08.05.2013
Die stufenweise Eröffnung ist eine geniale Idee. Schlage vor: *Stufe 1:* Passagiere können zum Flughafen und zurück fahren *Stufe 2:* Stufe1 + Gepäck aufgeben *Stufe 3:* Stufe2 + Gepäck abholen *Stufe 4:* Flugzeuge dürfen auf dem Flughafen rumrollen (wie die dahin kommen, muss noch geklärt werden) *Stufe 5:* soweit kommt es mit hoher Wahrscheinlichkeit nie, weil Stufen 1-4 zu komplex sind
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