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Vertragsverlängerung: Bertelsmann-Chef Rabe darf fünf Jahre länger bleiben

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Bertelsmann-Chef Rabe: Nachfolgediskussion "nur in den Medien geführt" Zur Großansicht
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Bertelsmann-Chef Rabe: Nachfolgediskussion "nur in den Medien geführt"

Das Rätselraten um Thomas Rabe hat ein Ende. Europas größter Medienkonzern Bertelsmann hat den Vertrag mit seinem Vorstandschef um fünf Jahre verlängert. Die Eigentümerfamilie Mohn zeigt sich "sehr zufrieden".

Bleibt er, bleibt er nicht? Die Frage, wie lange Bertelsmann-Chef Thomas Rabe den Gütersloher Familienkonzern noch führt, trieb die Medienbranche in den vergangenen Monaten und Jahren immer wieder um. Nun hat der Konzern Rabes Vertrag verlängert - und das gleich um die bei Bertelsmann übliche volle Laufzeit von fünf Jahren.

Dem ehrgeizigen Manager, den die Eigentümerfamilie Mohn im Jahr 2012 zum Vorstandsvorsitzenden befördert hatte, hing lange der Ruf an, im Bertelsmann-Kosmos nicht wirklich angekommen zu sein. Schon in seiner Zeit als Finanzchef bewarb sich Rabe erst beim Konkurrenten ProSiebenSat.1 und kurz darauf beim Metro-Konzern Haniel. Auch zum französischen Medienkonzern Vivendi soll es 2013 Kontakte gegeben haben - obwohl Rabe damals schon Vorstandschef war.

Rabe blieb jedes Mal, sorgte aber für Irritationen bei den Mohns, die sich jedoch offenbar an der Spitze des Konzerns niemand anderen vorstellen konnten und wollten. Als es vor zwei Jahren Gerüchte gab, Rabes bis Ende 2016 laufender Vertrag werde nicht verlängert, weil das Verhältnis zur Familie Mohn "deutlich abgekühlt" sei, wie damals das "Handelsblatt" schrieb, folgte umgehend ein öffentliches Dementi des Aufsichtsratschefs Christoph Mohn: Er lobte Rabes "herausragende Leistung".

"Für uns im Aufsichtsrat hat sich die Frage nie gestellt"

Auch die jetzige Vertragsverlängerung wirkt ganz so, als wolle man die Frage nach Rabes Restlaufzeit im Konzern ein für allemal aus dem Raum schaffen. Er bleibt! "Für uns im Aufsichtsrat hat sich die Frage nie gestellt, das war eine Diskussion, die nur in den Medien geführt wurde", sagte Mohn nun SPIEGEL ONLINE.

Rabe habe den Umsatzanteil der schwächelnden Geschäfte, also etwa der Druckereien und Buchclubs, von etwa zehn Prozent auf nur noch vier bis fünf Prozent heruntergefahren, der Anteil schnell wachsender Geschäfte sei in seiner Amtszeit um ein Drittel gestiegen.*

"Bertelsmann ist ein großer Tanker, der dreht nicht auf der Stelle", sagt Mohn, "aber wir sehen die Erfolge von Thomas Rabes Strategie, der Konzern steht stabiler und robuster da als vor vier Jahren." Schon deshalb habe es keine Diskussion gegeben, ob Rabes Vertrag um weniger als fünf Jahre verlängert wird. "Wir sind mit seiner Gesamtleistung sehr zufrieden und der Wachstumstrend ist noch nicht vorbei", so Mohn. Würde Rabe seinen neuen Vertrag bis zum Ende erfüllen, wäre er mit zehn Jahren Amtszeit so lange an der Spitze, wie seit Bertelsmann-Urgestein Mark Wössner kein Vorstandschef mehr.

Tatsächlich gilt das Verhältnis zwischen Rabe und der Familie Mohn mittlerweile als entspannt. Rabe, der zwischendurch offenbar auch damit liebäugelte, als Investor oder Unternehmer in die agile Welt der Start-ups zu wechseln, scheint inzwischen seinen Frieden mit den Zwängen des Familienbetriebs Bertelsmann gemacht zu haben.

Das war nicht immer so: Kurz nach seinem Amtsantritt ließ die Familie ihren Top-Manager mit der Idee an die Öffentlichkeit preschen, Bertelsmann an die Börse zu bringen oder große Investoren zu suchen, um frisches Geld für Investitionen zu bekommen - kurz danach pfiff man ihn wieder zurück. Vor allem Liz Mohn wollte auf der Konzernebene keine Eigentümer neben sich, von einem Börsengang will die Familie nichts mehr wissen. Investitionen werden bei Bertelsmann nach einem so strengen Kriterienkatalog geprüft, dass dabei zumeist höchstens mittlere dreistellige Millionenbeträge freigegeben werden.

Die Zurückhaltung hat Rabes Wachstumsphantasien gebremst. Vor allem das Bildungsgeschäft baut Rabe nun gezielt aus, mit kleineren und mittleren Zukäufen etwa in Indien, Brasilien oder in den USA.

Den neuen Finanzchef kennt Rabe gut

Dass Rabe bei Bertelsmann langfristig gesetzt ist, darauf deutet auch die Ernennung eines neuen Finanzchefs hin, die der Konzern heute ebenfalls bekannt gab: Den Posten wird ab 1. April Bernd Hirsch besetzen. Der 45-Jährige war bis vor Kurzem Finanzchef des Duft- und Aromaherstellers Symrise. Rabe kennt Hirsch gut: Er ist Aufsichtsratschef bei Symrise.

Bertelsmann suchte seit mehr als einem Jahr einen Nachfolger für Judith Hartmann - die Finanzchefin hatte Bertelsmann Ende Januar 2015 nach gerade mal zwei Jahren verlassen. Aus dem Aufsichtsrat hieß es seitdem, man lasse sich bei der Suche nach einem Nachfolger auch deshalb so viel Zeit, weil man nach einem Kandidaten Ausschau halte, der das Potenzial habe, Rabe einmal als Vorstandschef zu beerben und deshalb auch mehr können müsse, als mit dem Kapitalmarkt zu kommunizieren und die Finanzlage im Griff zu haben.

Als ein solcher Kronprinz für Rabe allerdings dürfte Hirsch so schnell nicht in Frage kommen. Bei Symrise hat er zwar große Übernahmen abgewickelt, gegen Bertelsmann ist das Unternehmen jedoch ein Zwerg. Während der Konzern in Gütersloh rund 17 Milliarden Euro Jahresumsatz macht, kommt Symrise gerade mal auf 2,2 Milliarden. Er sei sich sicher, dass Hirsch "sehr gut in die Bertelsmann-Kultur passt", sagt Mohn.

Für Bertelsmann ist die Personalie durchaus ein Wagnis: Der Konzern hatte in den vergangenen Jahren kein glückliches Händchen bei der Verpflichtung externer Vorstände. Nicht nur Hartmann verließ die Zentrale in Gütersloh schnell wieder. Auch der frühere Microsoft-Manager Achim Berg hielt sich als Vorstandschef der Bertelsmann-Tochter Arvato nur gut zwei Jahre. 2013 hatte schon Thomas Hesse den Bertelsmann-Vorstand verlassen, der die digitale Strategie voranbringen sollte. Einen Teil der Aufgaben übernahm Rabe gleich selbst - er zumindest scheint in der Bertelsmann-Kultur mittlerweile ganz angekommen.

*Zum Bertelsmann-Konzern gehört auch das Hamburger Verlagshaus Gruner & Jahr, das wiederum 25,5 Prozent am SPIEGEL-Verlag besitzt.

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1. Das Momentum fehlt
wibo2 27.01.2016
Niedergang setzt sich deshalb fort. Digitalisierung wird nicht verstanden. Ein Buchhalter kann das Blatt vorhersehbar nicht wenden.
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