Bertolli: Foodwatch wirft Nudelsoßen-Hersteller Etikettenschwindel vor

Die Verbraucherschutz-Organisation Foodwatch kritisiert den Lebensmittelkonzern Unilever. Neue Rezepturen hätten entgegen der Werbeslogans zu einer schlechteren Qualität bei einigen Nudelsoßen der Marke Bertolli geführt. Das Unternehmen weist die Vorwürfe zurück.

Fotostrecke

5  Bilder
Etikettenschwindel: Nudelsoßen von Bertolli im Verdacht
Berlin - Wie in Bella Italia sollen die Pasta-Soßen aus dem Glas von Bertolli schmecken. "Leidenschaft für gutes Essen" ist laut Homepage ein "grundlegender Wert" der Marke aus dem Hause Unilever. Foodwatch kritisiert jetzt die Bezeichnung "verbesserte Rezeptur" auf den Etiketten bestimmter Nudelsoßen. Die Angabe sei irreführend, so die Verbraucherschutz-Organisation.

Die Qualität der Bertolli-Soßen habe sich mit der neuen Rezeptur sogar verschlechtert, teilte Foodwatch am Mittwoch mit. "Bertolli macht seinen Kunden ein X für ein U vor." Ein Sprecher von Unilever wies sämtliche Vorwürfe zurück. Die Behauptungen von Foodwatch seien "grundlegend falsch".

Foodwatch kritisierte etwa die Soße "Gegrilltes Gemüse", die seit Oktober 2009 mit neuer Zusammensetzung verkauft wird. Die angeblich verbesserte Rezeptur enthalte seitdem ein nicht näher bestimmtes Aroma sowie den Geschmacksverstärker Hefeextrakt. Außerdem sei natürlicher Zitronensaft durch den Zusatzstoff E 330 (Zitronensäure) ersetzt worden. "Was als verbesserte Rezeptur verkauft wird, ist eine Verschlimmbesserung - und ein klarer Fall von Etikettenschwindel", kritisierte Henrik Düker von Foodwatch.

"Ich weise den Vorwurf Etikettenschwindel zurück", sagte Unilever-Sprecher Merlin Koene gegenüber SPIEGEL ONLINE. Das Unternehmen habe die Soßen bei Blindverkostungen von 100 bis 200 Menschen testen lassen. Die neue Mischung habe den Kunden einfach besser geschmeckt. Insofern sei die Angabe "verbesserte Rezeptur" auf den subjektiven Geschmack der Testpersonen und nicht auf die Qualität der Inhaltsstoffe zurückzuführen.

Außerdem sei Hefeextrakt laut Lebensmittelrecht kein Geschmacksverstärker, sagte Koene. "Und die Zitronensäure nehmen wir anstelle des Zitronensaftes, weil wir die säuerliche Note so entfernt haben." Das "nicht näher bestimmte Aroma" wollte die Firma jedoch nicht bekanntgeben - aus Angst vor der Konkurrenz.

Weniger Basilikum und Tomaten - für einen besseren Geschmack?

Auch andere Soßen aus der Bertolli-Reihe stehen seit Herbst 2009 mit dem Hersteller-Hinweis "verbesserte Rezeptur" im Supermarktregal. Laut Foodwatch enthält die Soße "Bertolli Basilico" jetzt aber weniger Basilikum, Tomaten und Tomatenmark als vorher. Bei "Bertolli Arrabiata" sei dem Olivenöl auch pflanzliches Öl beigemischt worden, und in der Soße "Sonnengetrocknete Tomaten" sei deren Anteil von zweieinhalb auf zwei Prozent verringert worden.

Auch diese Veränderungen begründet Unilever mit einem besseren Geschmack. Hinsichtlich des geringeren Tomatenanteils in der Soße "Sonnengetrocknete Tomaten" sagte der Sprecher: "Bei 300 bis 350 Gramm Tomaten pro Glas macht das fünf bis zehn Gramm aus, was etwa einer kleinen Cocktailtomate entspricht." "Eine Veränderung ist nicht automatisch eine Verschlechterung", so Unternehmenssprecher Koene. Die neuen Inhaltsstoffe seien auch "sehr gut".

"Hinweise auf eine verbesserte Rezeptur sind oft nicht mehr als ein billiger Marketing-Trick - von einer Verbesserung kann meist nur für den Hersteller die Rede sein, aber nicht für den Kunden", kritisierte Düker. Aromen und Zusatzstoffe anstelle von oder als Ergänzung zu echten Zutaten machen die Produktion von Lebensmitteln für die Hersteller kontrollierbarer, planbarer und günstiger, schreibt Foodwatch. Der Verbraucher habe davon jedoch überhaupt keinen Vorteil.

Foodwatch wendet sich mit seiner Kampagne abgespeist.de gegen irreführende Werbepraktiken von Lebensmittelherstellern. Dazu stellt die Organisation auf ihrer Internetseite regelmäßig Produkte vor, die nach ihren Angaben nicht halten, was sie versprechen.

lgr/AFP

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 75 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. ...
doyle78 24.02.2010
Warum sollte gerade ein Großkonzern wie Unilever auf profitoptimierende Maßnahmen bei seinen Produkten verzichten? Wenn billigere Inhalsstoffe + die neue Geschmacksmischung X dem Kunden immer noch schmecken oder ihn zumindest nicht vergraulen dann wird natürlich das billigste Zusammengerührt was möglich ist. Für die schöne heile Welt hat man ja das Marketing das Rückschritte als Fortschritte verkaufen kann. Ein Naivling wer denkt das Konzerne dieser und kleinerer Größenordnung daran interessiert sind das ihre Produkte "gut" für Sie sind. Es geht, wie in unserem gesamten Wirtschaftssystem, in erster Linie nur um maximalen Profit und nicht um Menschen und Ihre Bedürfnisse.
2. -
Mulharste 24.02.2010
Zitat von sysopDie Verbraucherschutz-Organisation Foodwatch kritisiert den Lebensmittelkonzern Unilever. Neue Rezepturen hätten entgegen der Werbeslogans zu einer schlechteren Qualität bei einigen Nudelsoßen geführt. Das Unternehmen weist die Vorwürfe zurück. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,680047,00.html
natürlich schmeckt bei der Blindverkostung den Leuten der Dreck besser. Es sind ja eindlich Geschmachsverstärker drin - und daran sind die Leute dank Verbrechenr wie Unilever, Nestle, Mars und wie sie alle heissen ganz allein Schuld. Wir werden von Kindesbeinen an auf diese "ScheiXXX konditioniert. In Babybrei ist der Mist teilweise schon drin. Es muss endlich gekennzeichnet werden - und es ist Etiketternschwindel bis hin zu Betrug. Wer sich mal 3 Monate Geschmacksverstärkerfrei ernährt, wird sich ärgern, warum er seinem Köprer und Gaumen das angetan hat. Jahrelang. Ich bin mir aber ganz sicher, dass bei der Bliundverkostung keien Köche anwesend waren. Auf der anderen Seite: Wer ist egtl so beschränkt und kauft ne fertige Tomatensoße? Warum?
3. Hmmm, lecker
Morn 24.02.2010
Das Engagement von Foodwatch in allen Ehren, aber die Damen und Herren können noch 1.000.000 weitere Jahre für das Gute im Supermarktregal kämpfen, die Leute werden sich trotzdem willig jeden Müll vorsetzen lassen und genüßlich reinziehen - ohen auch nur eine Gehirnzelle zu aktivieren. Und die PR-Heinis, Lobbyisten und Etikettenschwindler der Lebensmittelpanscher von Unilver, Müller, Dr. Oetker und Co lachen sich ins Fäustchen. Foodwatch -> Windmühlen -> Verbraucher
4. Altes Thema!!!
blue_plasma 24.02.2010
Wenn die Leute mal wieder selbst kochen würden, statt sich Kochsendungen vor der Glotze reinzuziehen und dann die TK-Pizza, hätten sie: a) mehr Kohle in der Tasche b) wären gesünder c) ein soziales, familiäres Leben wie früher Aber da in unserer Gesellschaft jeder "sein Ding" machen muß, wird's wohl noch in Zukunft so sein, dass die wenigsten selbst Pfannkuchen, eine Gemüsesuppe (ohne Würfel) geschweige denn einen "gescheiten" Sonntagsbraten zubereiten können.
5. Selbermachen
trehalose 24.02.2010
Zitat von sysopDie Verbraucherschutz-Organisation Foodwatch kritisiert den Lebensmittelkonzern Unilever. Neue Rezepturen hätten entgegen der Werbeslogans zu einer schlechteren Qualität bei einigen Nudelsoßen geführt. Das Unternehmen weist die Vorwürfe zurück. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,680047,00.html
Nudeln mit Soße: absolut lecker. Aber ich mache mir die Soße grundsätzlich selbst. Entweder auf der Basis von Tomatenmark oder auf Hackfleischbasis. Oder auch beides. Kann ich nur sagen: Guten Appetit. Insofern ist es mir schnurz und schnuppe, was Unilever in seine Soßen einrührt.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Unternehmen & Märkte
RSS
alles zum Thema Verbraucherschutz
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 75 Kommentare
  • Zur Startseite