Wirtschaft


Bespitzelung: Staatsanwaltschaft fordert dreieinhalb Jahre Haft in Telekom-Affäre

Die Staatsanwaltschaft scheltet die Telekom: Über einen langen Zeitraum habe der Konzern Journalisten, Gewerkschafter und Aufsichtsräte ausspionieren lassen. Dafür soll der Hauptangeklagte nun mehrere Jahre ins Gefängnis, die Verteidigung plädiert für eine Geldstrafe.

Logo der Deutschen Telekom: "Extremer Angriff auf die Presse- und Informationsfreiheit"Zur Großansicht
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Logo der Deutschen Telekom: "Extremer Angriff auf die Presse- und Informationsfreiheit"

Hamburg - Die Vorwürfe wiegen schwer: Die Bespitzelung von Journalisten, Aufsichtsräten und Arbeitnehmervertretern sei ein "extremer Angriff auf die Presse- und Informationsfreiheit", sagte Staatsanwalt Ulrich Kleuser. Es sei ein GAU gewesen, dass die Telekom über ein Jahr lang missliebige Journalisten habe ausspionieren lassen.

Im Prozess um die Telekom-Bespitzelungsaffäre forderte die Staatsanwaltschaft für den Hauptangeklagten daher dreieinhalb Jahre Haft. Der Ex-Abteilungsleiter für Konzernsicherheit, Klaus Trzeschan, sei der Initiator des illegalen Datenmissbrauchs gewesen, erklärte die Anklagebehörde am Mittwoch vor dem Bonner Landgericht. Miteinbezogen in die geforderte Strafe wurde außerdem der Vorwurf der Untreue. Trzeschan soll in mehreren Fällen zu Lasten der Telekom Geld in die eigene Tasche gesteckt haben.

Dem Angeklagten wurden im Plädoyer der Staatsanwaltschaft konkret sieben Fälle von Bespitzelung zur Last gelegt. Unter anderem habe er einen Journalisten und eine Journalistin von Wirtschaftsmagazinen überwachen lassen. Folgt das Gericht in seinem Urteil der Staatsanwaltschaft, drohen dem Angeklagten neben einer Freiheitsstrafe auch der Entzug seiner Beamtenansprüche. Die Verteidigung beantragte lediglich eine Geldstrafe.

Insgesamt hatte die Telekom 2005 und 2006 mehr als 40 Menschen über ihre Telefondaten auspionieren lassen, neben Journalisten auch Aufsichtsräte und namhafte Gewerkschafter. Es sollte herausgefunden werden, wie Unternehmensinterna an die Presse gelangten.

Trzeschan hatte in dem Verfahren die Vorwürfe weitgehend eingeräumt. Zudem erklärte er, der frühere Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke habe keine ausdrückliche Genehmigung zu der Überwachung der Telefonverbindungen gegeben. Zugleich berief sich der Angeklagte aber auch auf Erinnerungslücken. Ricke hatte erklärt, keinen Auftrag zur Überwachung der Verbindungsdaten gegeben zu haben. Die Ermittlungsverfahren gegen Ricke und Ex-Aufsichtsratschef Klaus Zumwinkel waren eingestellt worden.

Das Urteil gegen Trzeschan soll am 30. November verkündet werden.

wit/dpa/dapd

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insgesamt 3 Beiträge
sic tacuisses 24.11.2010
Die kleinen hängt man, die Großen läßt man laufen. Was für ein Scheiß-System.
Zitat von sysopDie Justiz spricht von einem "Super-GAU": Über ein*langen Zeitraum*habe die Telekom Journalisten, Gewerkschafter und Aufsichtsräte ausspionieren lassen. Dafür soll der Hauptangeklagte nun mehrere Jahre ins Gefängnis. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,730919,00.html
Die kleinen hängt man, die Großen läßt man laufen. Was für ein Scheiß-System.
Anthrophilus 25.11.2010
Insgesamt hatte die Telekom 2005 und 2006 mehr als 40 Menschen über ihre Telefondaten auspionieren lassen, neben Journalisten auch Aufsichtsräte und namhafte Gewerkschafter ... Trzeschan (der Sündenbock ... äh ... [...]
Zitat von sysopDie Justiz spricht von einem "Super-GAU": Über ein*langen Zeitraum*habe die Telekom Journalisten, Gewerkschafter und Aufsichtsräte ausspionieren lassen. Dafür soll der Hauptangeklagte nun mehrere Jahre ins Gefängnis. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,730919,00.html
Insgesamt hatte die Telekom 2005 und 2006 mehr als 40 Menschen über ihre Telefondaten auspionieren lassen, neben Journalisten auch Aufsichtsräte und namhafte Gewerkschafter ... Trzeschan (der Sündenbock ... äh ... Hauptangeklagte) hatte in dem Verfahren die Vorwürfe weitgehend eingeräumt. Zudem erklärte er, der frühere Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke habe keine ausdrückliche Genehmigung zu der Überwachung der Telefonverbindungen gegeben. Zugleich berief sich der Angeklagte aber auch auf Erinnerungslücken. Die Ermittlungsverfahren gegen Ricke und Ex-Aufsichtsratschef Klaus Zumwinkel waren eingestellt worden. (Ei ei, welch' ... Schicksalsfügung?) ... jetzt muß man nur noch ein langes Gedächtnis und eine gute Recherche haben und nachschauen, was "hinterher" mit Herrn Trzeschan wird. Die schwarze Kasse (Schweigegeld für den Sündenbock) des Herrn Zumwinkel ist schon aufgetaucht, bevor er sie auf sein Schloß mitnahm. Wie war das noch gleich? Zumwinkel wurde 2009 wegen Steuerhinterziehung zu zwei Jahren auf Bewährung (!) und 1 Mio verurteilt. Allerdings: Bezüglich des Jahres 2001 ließ das Gericht die Anklage nicht zur Hauptverhandlung zu, weil die Tat verjährt war und die Verjährung nicht rechtzeitig unterbrochen wurde (*ein Ermittlungsrichter hatte Beschlüsse 12 Stunden zu spät ausgefertigt*) Ein Schelm, wer an Zufall glaubt. Jedenfalls wird Herr Trzeschan hinterher nicht mittellos dastehen, gell, meine Herren?
irgendwer_bln 25.11.2010
Never change a running system! Keine Fluchtgefahr, keine "kriminelle Energie" (wer's glaubt!), soziale Stellung in der Gesellschaft... ich würde auf den Verteidiger wetten!
Zitat von sysopDie Justiz spricht von einem "Super-GAU": Über ein*langen Zeitraum*habe die Telekom Journalisten, Gewerkschafter und Aufsichtsräte ausspionieren lassen. Dafür soll der Hauptangeklagte nun mehrere Jahre ins Gefängnis. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,730919,00.html
Never change a running system! Keine Fluchtgefahr, keine "kriminelle Energie" (wer's glaubt!), soziale Stellung in der Gesellschaft... ich würde auf den Verteidiger wetten!
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  • Mittwoch, 24.11.2010 – 13:32 Uhr
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Kommunikationsriese Telekom
Die Deutsche Telekom AG ist Europas größtes Telekommunikationsunternehmen. Weltweit betreut sie fast 200 Millionen Kunden in rund 50 Ländern und beschäftigt etwa 260.000 Mitarbeiter. Das Unternehmen mit Sitz in Bonn entstand 1995 aus den Bereichen für Telekommunikation und Fernmeldedienst der öffentlich-rechtlichen Deutschen Bundespost, als diese privatisiert wurde. 1996 ging die Telekom an die Börse. Im Sommer 2010 hielt die Bundesrepublik rund 15 Prozent der Aktien direkt und weitere knapp 17 Prozent indirekt über die KfW Bankengruppe. 2009 hatte die Telekom einen Umsatz von knapp 65 Milliarden Euro.





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