Hamburg - Die Vorwürfe wiegen schwer: Die Bespitzelung von Journalisten, Aufsichtsräten und Arbeitnehmervertretern sei ein "extremer Angriff auf die Presse- und Informationsfreiheit", sagte Staatsanwalt Ulrich Kleuser. Es sei ein GAU gewesen, dass die Telekom über ein Jahr lang missliebige Journalisten habe ausspionieren lassen.
Im Prozess um die Telekom-Bespitzelungsaffäre forderte die Staatsanwaltschaft für den Hauptangeklagten daher dreieinhalb Jahre Haft. Der Ex-Abteilungsleiter für Konzernsicherheit, Klaus Trzeschan, sei der Initiator des illegalen Datenmissbrauchs gewesen, erklärte die Anklagebehörde am Mittwoch vor dem Bonner Landgericht. Miteinbezogen in die geforderte Strafe wurde außerdem der Vorwurf der Untreue. Trzeschan soll in mehreren Fällen zu Lasten der Telekom Geld in die eigene Tasche gesteckt haben.
Dem Angeklagten wurden im Plädoyer der Staatsanwaltschaft konkret sieben Fälle von Bespitzelung zur Last gelegt. Unter anderem habe er einen Journalisten und eine Journalistin von Wirtschaftsmagazinen überwachen lassen. Folgt das Gericht in seinem Urteil der Staatsanwaltschaft, drohen dem Angeklagten neben einer Freiheitsstrafe auch der Entzug seiner Beamtenansprüche. Die Verteidigung beantragte lediglich eine Geldstrafe.
Insgesamt hatte die Telekom 2005 und 2006 mehr als 40 Menschen über ihre Telefondaten auspionieren lassen, neben Journalisten auch Aufsichtsräte und namhafte Gewerkschafter. Es sollte herausgefunden werden, wie Unternehmensinterna an die Presse gelangten.
Trzeschan hatte in dem Verfahren die Vorwürfe weitgehend eingeräumt. Zudem erklärte er, der frühere Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke habe keine ausdrückliche Genehmigung zu der Überwachung der Telefonverbindungen gegeben. Zugleich berief sich der Angeklagte aber auch auf Erinnerungslücken. Ricke hatte erklärt, keinen Auftrag zur Überwachung der Verbindungsdaten gegeben zu haben. Die Ermittlungsverfahren gegen Ricke und Ex-Aufsichtsratschef Klaus Zumwinkel waren eingestellt worden.
Das Urteil gegen Trzeschan soll am 30. November verkündet werden.
wit/dpa/dapd
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Wirtschaft | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Unternehmen & Märkte | RSS |
| alles zum Thema Telekom | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH