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Bespitzelung von Mitarbeitern: Deutsche Bank schnüffelte per Rasterfahndung

Um einen Verräter im Aufsichtsrat zu enttarnen, führte die Deutsche Bank eine Art Rasterfahndung gegen Journalisten durch. Mehrmals wurden nach SPIEGEL-Informationen die von Anschlüssen der Bank aus gewählten Zielrufnummern mit bekannten Telefonnummern von Journalisten abgeglichen.

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann: Was die Unternehmensspitze von den Bespitzelungsaktionen wusste, ist noch nicht endgültig geklärt. Zur Großansicht
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Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann: Was die Unternehmensspitze von den Bespitzelungsaktionen wusste, ist noch nicht endgültig geklärt.

Hamburg- Im Jahr 2001, schreibt der hessische Innenminister Volker Bouffier (CDU) unter Berufung auf einen Bericht der hessischen Datenschützer, seien "von internen Telefonanschlüssen der Bank gewählte Zielrufnummern mit bekannten Telefonnummern von Journalisten abgeglichen" worden.

In welchem Umfang Kommunikationsdaten ausgewertet und wie viele Mitarbeiter der Bank überprüft wurden, habe sich nicht mehr feststellen lassen, heißt es in Bouffiers Antwort auf eine parlamentarische Anfrage der Grünen.

Zurzeit prüft die Staatsanwaltschaft strafrechtliche Konsequenzen - intern ermittelte die Anwaltskanzlei Cleary Gottlieb Steen & Hamilton und sollte dabei auch herausfinden, ob und wie die Führungsspitze um Bankchef Josef Ackermann über die Vorgänge informiert war.

Der Untersuchungsbericht der Kanzlei, die für die Bank viele Dutzend Mandate betreut, weckt bei Insidern allerdings Zweifel an der Unabhängigkeit der Anwälte.

So hatte der inzwischen freigestellte Sicherheitschef der Bank, Rafael Schenz, gegenüber dem Betriebsrat ausgesagt, dass die "Unternehmensleitung" sehr wohl über die Schnüffeleien informiert war.

Der ebenfalls gefeuerte Leiter der Abteilung Investor Relations, Wolfram Schmitt, will sich "gegenüber Herren der Unternehmensleitung" sogar dafür ausgesprochen haben, die überzogenen Ermittlungsmaßnahmen einzustellen. Die Aussagen werden in dem internen Bericht aber in den Fußnoten versteckt - und mit dem Zusatz kommentiert, dass sie den Angaben "aller anderen Befragten" widersprechen.

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Illustrationen Alfons Kiefer für den SPIEGEL

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