Vertragsverlängerung des Daimler-Chefs Betriebsräte wollten Zetsche loswerden

Die Vertragverlängerung um nur drei Jahre glich schon einer Abmahnung von Daimler-Chef Dieter Zetsche - es hätte aber noch schlimmer kommen können. Die Betriebsräte im Aufsichtsrat wollten den Vertrag nach SPIEGEL-Informationen überhaupt nicht verlängern. Der Grund: Kritik an Zetsches Führungsstil.

Daimler-Chef Zetsche bei der Bilanz-PK: Boss auf Bewährung
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Daimler-Chef Zetsche bei der Bilanz-PK: Boss auf Bewährung


Hamburg - Daimler-Chef Dieter Zetsche kann sich glücklich schätzen, dass er überhaupt noch drei Jahre an der Spitze des Autoherstellers stehen darf. Die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat des Daimler-Konzerns wollten nach SPIEGEL-Informationen die Vertragsverlängerung von Zetsche verhindern. Erst nach langwierigen Verhandlungen mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden des Konzerns, Manfred Bischoff, einigten sich die Arbeitnehmervertreter auf einen Kompromiss - die Vertragsverlängerung um drei Jahre. (Mehr zu diesem Thema erfahren Sie unter diesem Link in der kostenpflichtigen Digital-Ausgabe des neuen SPIEGEL.)

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Heft 9/2013
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Anfang des Jahres sprachen Betriebsratschef Erich Klemm und der IG-Metaller Thomas Klebe beim Aufsichtsratsvorsitzenden Manfred Bischoff vor. Sie erklärten, die Arbeitnehmervertreter im Daimler-Aufsichtsrat würden geschlossen gegen einen neuen Vertrag für Vorstandschef Zetsche stimmen.

Ihre Kritik konzentrierte sich auf den Führungsstil Zetsches, der mit den Belegschaftsvertretern nicht über ein anstehendes Sparprogramm diskutiere. Auch aus den Management-Etagen gebe es Kritik. Der Vorstandschef könne mit Widerspruch nicht umgehen, wer anderer Meinung sei, werde abgekanzelt.

Daimlers Aufsichtsratsvorsitzender Bischoff drohte den Arbeitnehmervertretern daraufhin damit, notfalls sein Doppelstimmrecht in Anspruch zu nehmen. So kann der Vorsitzende des Kontrollgremiums den Ausschlag geben, falls es bei einer Abstimmung ein Patt zwischen den Vertretern der Arbeitnehmer und der Kapitalseite geben sollte. Bischoff war dennoch an einem Kompromiss mit den Betriebsräten interessiert, um eine langwierige Führungsdebatte zu verhindern.

Zu diesem Kompromiss zählt erstens, dass der bei den Arbeitnehmern ebenfalls unbeliebte Produktionsvorstand Wolfgang Bernhard, dessen Vertrag erst vor knapp einem Jahr bis 2018 verlängert worden war, von April an in das Vorstands-Ressort für Daimler Trucks wechselt. Der bisherige Truck-Chef Andreas Renschler wird im Gegenzug Chef für Produktion und Einkauf von Mercedes-Benz Pkw und Mercedes-Benz Vans. Zweitens wurde der Vertrag Zetsches nicht, wie zunächst vorgesehen, um fünf, sondern nur um drei Jahre verlängert.

Daimler macht derzeit schwierigen Zeiten durch. Der Hersteller bekommt die schrumpfenden Gewinne in seiner Autosparte nicht in den Griff. Die Probleme dort bremsen den gesamten Konzern. Zetsche rechnet nach einem Rückgang 2012 für 2013 mit einem stagnierenden operativen Ergebnis. Bei Mercedes Benz Cars werde das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) im laufenden Jahr sogar "leicht unterhalb" des Vorjahres liegen, hatte Zetsche bei der Bilanzvorlage Anfang Februar angekündigt. Er hatte Daimler zudem bereits ein milliardenschweres Sparprogramm verordnet.

nck

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