Vertragsverlängerung des Daimler-Chefs: Betriebsräte wollten Zetsche loswerden

Daimler-Chef Zetsche bei der Bilanz-PK: Boss auf Bewährung Zur Großansicht
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Daimler-Chef Zetsche bei der Bilanz-PK: Boss auf Bewährung

Die Vertragverlängerung um nur drei Jahre glich schon einer Abmahnung von Daimler-Chef Dieter Zetsche - es hätte aber noch schlimmer kommen können. Die Betriebsräte im Aufsichtsrat wollten den Vertrag nach SPIEGEL-Informationen überhaupt nicht verlängern. Der Grund: Kritik an Zetsches Führungsstil.

Hamburg - Daimler-Chef Dieter Zetsche kann sich glücklich schätzen, dass er überhaupt noch drei Jahre an der Spitze des Autoherstellers stehen darf. Die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat des Daimler-Konzerns wollten nach SPIEGEL-Informationen die Vertragsverlängerung von Zetsche verhindern. Erst nach langwierigen Verhandlungen mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden des Konzerns, Manfred Bischoff, einigten sich die Arbeitnehmervertreter auf einen Kompromiss - die Vertragsverlängerung um drei Jahre. (Mehr zu diesem Thema erfahren Sie unter diesem Link in der kostenpflichtigen Digital-Ausgabe des neuen SPIEGEL.)

Anfang des Jahres sprachen Betriebsratschef Erich Klemm und der IG-Metaller Thomas Klebe beim Aufsichtsratsvorsitzenden Manfred Bischoff vor. Sie erklärten, die Arbeitnehmervertreter im Daimler-Aufsichtsrat würden geschlossen gegen einen neuen Vertrag für Vorstandschef Zetsche stimmen.

Ihre Kritik konzentrierte sich auf den Führungsstil Zetsches, der mit den Belegschaftsvertretern nicht über ein anstehendes Sparprogramm diskutiere. Auch aus den Management-Etagen gebe es Kritik. Der Vorstandschef könne mit Widerspruch nicht umgehen, wer anderer Meinung sei, werde abgekanzelt.

Daimlers Aufsichtsratsvorsitzender Bischoff drohte den Arbeitnehmervertretern daraufhin damit, notfalls sein Doppelstimmrecht in Anspruch zu nehmen. So kann der Vorsitzende des Kontrollgremiums den Ausschlag geben, falls es bei einer Abstimmung ein Patt zwischen den Vertretern der Arbeitnehmer und der Kapitalseite geben sollte. Bischoff war dennoch an einem Kompromiss mit den Betriebsräten interessiert, um eine langwierige Führungsdebatte zu verhindern.

Zu diesem Kompromiss zählt erstens, dass der bei den Arbeitnehmern ebenfalls unbeliebte Produktionsvorstand Wolfgang Bernhard, dessen Vertrag erst vor knapp einem Jahr bis 2018 verlängert worden war, von April an in das Vorstands-Ressort für Daimler Trucks wechselt. Der bisherige Truck-Chef Andreas Renschler wird im Gegenzug Chef für Produktion und Einkauf von Mercedes-Benz Pkw und Mercedes-Benz Vans. Zweitens wurde der Vertrag Zetsches nicht, wie zunächst vorgesehen, um fünf, sondern nur um drei Jahre verlängert.

Daimler macht derzeit schwierigen Zeiten durch. Der Hersteller bekommt die schrumpfenden Gewinne in seiner Autosparte nicht in den Griff. Die Probleme dort bremsen den gesamten Konzern. Zetsche rechnet nach einem Rückgang 2012 für 2013 mit einem stagnierenden operativen Ergebnis. Bei Mercedes Benz Cars werde das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) im laufenden Jahr sogar "leicht unterhalb" des Vorjahres liegen, hatte Zetsche bei der Bilanzvorlage Anfang Februar angekündigt. Er hatte Daimler zudem bereits ein milliardenschweres Sparprogramm verordnet.

nck

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insgesamt 60 Beiträge
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1. Die Gewerkschaft sind ein Teil
dabinichjetzt 25.02.2013
der großen Probleme in Deutschland. Linke Marxisten, angetreten, im Kaschmirmantel dem Marxismus zu frönen. Wie lange nochnsind die Arbeitnehemer so dumm und finanzieren diese Kaste?
2. Schon erstaunlich.......
h0wkeye 25.02.2013
dass der Aufsichtsrat einem Mann den Vertrag verlängert, der nicht nur erschreckende Ergebnisse und eine ehemalige Traummarke in Aktionismuszustand ohne erkennbare Strategie (man weiß doch nicht einmal, ob man Preis- oder Qualitätsführerschaft anstrebt) oder Perspektive zu verantworten hat ist schon irritierend. Dass dieses geschieht obwohl der Mann ganz offensichtlich - aber nicht verwunderlicherweise - auch intern ein massives Akzeptanz- und Führungsproblem hat, ist dann gänzlich unverständlich. Es ist schade, dass dieses Unternehmen nun weitere drei Jahre mit Management by exeptions - Reaktion, Hohlphrasen (Das Beste oder nichts - bei einer A-Klasse?) und potjomkinschen Dörfern (Diese S-Klasse ist die erfolgreichste aller Zeiten) geführt werden wird. Bin mal gespannt, wie das Sanierungskonzept nach Zetsche aussehen wird.
3.
loops-2000 25.02.2013
Der "Basta-Führungsstil" ist halt sehr einfach und man muss sich nicht so sehr engagieren. Schade für Zetsche. Jetzt muss er wohl doch noch hart für seine Millionen arbeiten.
4. Ach so
w.uljanow 25.02.2013
Was an dem Artikel interessant ist, ist die Tatsache, dass die BR-Mitglieder der Arbeitnehmer im Gegensatz zu den sonstigen Ausfuehrungen der Gewerkschaften im Aufsichtsrat doch Einfluss haben. Also so stellt sich die Frage, warum Sie erst immer Millionengehaelter von Vorstaenden genehmigen, um sich dann nachher ueber die ungleiche Einkommensverteilung lamentieren.
5. Schickt ihn nach Hause!
Nabob 25.02.2013
Zitat von sysopAFPDie Vertragverlängerung um nur drei Jahre glich schon einer Abmahnung von Daimler-Chef Dieter Zetsche - es hätte aber noch schlimmer kommen können. Die Betriebsräte im Aufsichtsrat wollten den Vertrag nach SPIEGEL-Informationen überhaupt nicht verlängern. Der Grund: Kritik an Zetsches Führungsstil. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/betriebsraete-wollten-vertrag-von-daimler-chef-zetsche-nicht-verlaengern-a-885276.html
Er bekommt ca. 1.000,-- EUR pro Arbeitsstunde, der Vertrieb der Autos funktioniert nicht, das sportliche Ausstellfenster von Mercedes-Benz: Formel 1 ist ein nicht funktionierender, völlig überteuerter Witz, ein Dauerblamage ohne Sinn, die Straßenautos sehen insgesamt schlecht gestylt aus, unnötige Nischenmodelle werden monatlich neu vorgestellt und gehen dann doch nicht, wer sich bei einem Vertragshändler anschickt, für eines dieser hässlichen Autos zu interessieren, wird behandelt wie ein Sklave. wer im Werk anderer Meinung ist, fliegt raus. Ergo: Dieser Mann kann dort nichts und wird dafür auch noch bezahlt.
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