Darmstadt - Erst kürzlich hat er seinen Rückzug bekanntgegeben, nun steht Klaus Franz schon wieder in den Schlagzeilen: Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den scheidenden Opel-Betriebsratschef wegen des Verdachts der Untreue. Das sagte ein Sprecher der Ermittlungsbehörde in Darmstadt. Neben Franz stünden noch zwei weitere Personen unter Verdacht.
Es geht um den Vorwurf, dass der Autobauer Arbeitnehmervertretern rechtswidrige Zuschläge gezahlt haben soll. Opel überwies Betriebsratsmitgliedern Sonderzahlungen von bis zu 1300 Euro monatlich. Sowohl der Konzern als auch Franz haben die Zahlungen als rechtmäßig verteidigt.
Franz gab sich trotz der Ermittlungen gelassen. "Ich bin mir sehr sicher, dass sich das Ganze in Wohlgefallen auflösen wird", sagte er der Nachrichtenagentur dpa. Er rechne mit der Einstellung des Verfahrens. Bei den Sonderzahlungen habe es sich um pauschale Vergütungen zusätzlichen Arbeitsaufwands gehandelt. Das stehe völlig im Einklang mit dem Betriebsverfassungsgesetz. Diese Auffassung hatten auch Opel-Manager vertreten.
Arbeitsrechtler hatten dagegen moniert, die strittigen Sonderzahlungen seien ein Verstoß gegen das gesetzliche Gebot, dass Betriebsrat-Arbeit unentgeltlich sein solle. Arbeitgeber könnten sich Betriebsräte ansonsten mit Extrazahlungen gefügig machen.
"Heimlicher Chef des Unternehmens"
Franz arbeitet seit fast 37 Jahren bei dem Autobauer. Erst kürzlich hatte der 59-Jährige verkündet, dass er Ende Dezember in die passive Phase der Altersteilzeit wechseln werde. Dieser Rückzug vom Posten des Betriebsratschefs stehe aber nicht in Zusammenhang mit den Ermittlungen, sagte Franz. "Ich habe meine Altersteilzeit bereits im November 2006 vereinbart und stehe seit 2009 im aktiven Teil der Vereinbarung", erklärte er. Er habe sein Ausscheiden erst in der vergangenen Woche bekanntgegeben, um auch nach außen als handlungsfähiger Vertreter der Arbeitnehmer wahrgenommen zu werden.
Franz gilt als einer der mächtigsten Arbeitnehmervertreter Deutschlands und wurde sogar als "heimlicher Chef des Unternehmens" bezeichnet. Bundesweit bekannt wurde Franz vor drei Jahren, als Opel infolge der Krise der Konzernmutter General Motors
zeitweise die Pleite drohte. Sein Nachfolger als Betriebsratschef bei dem Autobauer wird Wolfgang Schäfer-Klug.
mmq/dpa
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