Blockierte Betriebsratswahl: Gewerkschaft zeigt Restaurantkette Vapiano an

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten hat Strafanzeige gegen die Restaurantkette Vapiano gestellt. Die Unternehmensleitung soll Beschäftigte, die einen Betriebsrat gründen wollten, massiv behindert haben. Zwei Mitarbeiter wurden laut einem Zeitungsbericht sogar entlassen.

Frische Pasta: Behinderte Betriebsratswahl bei der Restaurantkette Vapiano? Zur Großansicht
REUTERS

Frische Pasta: Behinderte Betriebsratswahl bei der Restaurantkette Vapiano?

Bochum - Weit mehr als 50 Restaurants hat Vapiano in ganz Deutschland, bisher keines davon mit einem Betriebsrat. Offenbar ist der Verzicht auf eine Arbeitnehmervertretung nicht ganz freiwillig: Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) hat laut der Onlineausgabe der "Welt" am vergangenen Freitag bei der Staatsanwaltschaft Bochum Strafantrag gegen das Gastronomieunternehmen gestellt - wegen massiver Behinderung von Betriebsratswahlen.

Dem Bericht zufolge wollten in einem Restaurant in Bochum drei Mitarbeiter im Januar einen Betriebsrat gründen. Ihren Angaben zufolge wurden sie dabei von der Unternehmensleitung stark behindert. Aus Gewerkschaftskreisen hieß es, Vapiano habe die drei Beschäftigten zunächst mit besseren Gehältern und Arbeitsbedingungen von ihrem Vorhaben abbringen wollen. Als diese ablehnten, soll es zu Einschüchterungsversuchen in der gesamten Bochumer Belegschaft gekommen sein. Am 31. Januar wurde der Wahlvorstand, der eine spätere Betriebsratswahl organisiert, dennoch gewählt.

Vapiano beantragte wenige Tage später den Erlass einer einstweiligen Verfügung beim Arbeitsgericht Bochum, der die Betriebsratswahl stoppen sollte, scheiterte jedoch damit. Einen Tag später kündigte Vapiano zwei Mitgliedern des inzwischen fünf Mitglieder umfassenden Wahlvorstands fristlos, darunter der Vorsitzenden. "Auch dem verbliebenem Wahlvorstand macht Vapiano das Leben extrem schwer", sagte ein Gewerkschafter Welt Online.

So habe das Unternehmen zwei Monate nach der Vorstandswahl weder Räumlichkeiten noch Sachmittel für seine Arbeit zur Verfügung gestellt bekommen. Weil das Vorgehen von Vapiano nach Ansicht der Gewerkschaft NGG und des Wahlvorstands den Straftatbestand der Behinderung der Betriebsratswahl erfüllt, stellen nun beide Strafantrag. Der Wahlvorstand des Vapiano-Betriebs Bochum reichte am vergangenen Donnerstag Klage ein, die NGG folgte einen Tag später.

Vapiano weist die Vorwürfe zurück. "Für Vapiano ist die Arbeit von Betriebsräten wichtig", teilte das Unternehmen Welt Online mit. "Und aus diesem Grunde werden wir uns nie gegen die Einrichtung eines Betriebsrates stellen." Allerdings sei das Wahlverfahren im Vapiano Bochum nicht ordnungsgemäß vor sich gegangen. Viele Mitarbeiter hätten nicht am Wahlvorgang teilnehmen können, obwohl sie sogar schriftlich dargelegt hätten, wie wichtig ihnen die Teilnahme sei. "Wäre dieser Vorgang nach dem Betriebsverfassungsgesetz abgelaufen, hätten wir keinerlei Veranlassung gesehen, etwas zu unternehmen", erklärte Vapiano.

Das Unternehmen betreibt weltweit mehr als hundert Restaurants, teils als Franchise-Geber, teils in Eigenregie. In den von Vapiano in Eigenregie betriebenen Restaurants in Deutschland gibt es bisher keinen Betriebsrat.

nck/AFP

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insgesamt 212 Beiträge
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1. Gewerkschaften
trader_07 25.02.2013
Zitat von sysopDie Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten hat Strafanzeige gegen die Restaurantkette Vapiano gestellt.
Gewerkschaften hatten im 19. Jahrhundert ihre Daseinsberechtigung und haben damals viel bewirkt. Seit ein paar Jahrzehnten sind sie aber nur noch überflüssig bis schädlich und gehören abgeschafft.
2. Das ausgerechnet die NGG Vapiano anzeigt
mischpot 25.02.2013
ist schon ein trauriges Bild für die Branche. Bei Vapiano arbeiten in der Hauptsache Menschen die überhaupt keinen gastronomischen Beruf erlernt haben, das ist für Systemgastronomie auch wohl nicht nötig. Da kann wirklich jeder von der Straße anfangen ohne Vorkenntnisse. Interessant wie die Kunden dann vor den Angelernten stehen und sich Ihr Essen zubereiten lassen. NGG sollte sich lieber mal um die Duminglöhne kümmern die im Gewerbe gezahlt werden, da sind Stundenlöhne von 5 - 6 € Brutto ein Massenphänomen und das bei harter Arbeit. In der Gastronomie arbeiten die meisten zu einem unwürdigen Lohn dieses sollte von der NGG und der Politik dringendst geändert werden.
3. Zumachen
Deta1945 25.02.2013
Unsere Beamten sind doch immer so emsig, sie können doch diesen Restaurants in Deutschland die Lizenz entziehen, wir sind doch nicht mehr im Mittelalter.
4.
Steve Holmes 25.02.2013
Ich werde nie verstehen warum der Arbeitgeber dem Betriebsrat Räume und Sachmittel zur Verfügung stellen soll oder sie von der Arbeit freistellen. Das ist doch eine Organisation der Arbeitnehmer, dann sollen die auch dafür bezahlen. Die Gewerkschaftsbeiträge übernimmt doch auch nicht der Arbeitgeber.
5. Klassiker
StonyBrook 25.02.2013
Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass es ohne erfahrenen Beistand fast unmöglich ist, eine Betriebsratswahl so durchzuführen, dass findige Geschäftsführungen keinen Formfehler geltend machen können, zumal bei örtlich und organisatorisch stark verteilten Unternehmen. Hätte Vapiano ein Interesse an BR (so wie mein aktueller AG), gäbe es Wege der Unterstützung. So ist das in meinen Augen nicht mehr als ein Lippenbekenntnis. Der Weg in die Öffentlichkeit ist da leider der einzig richtige bei Firmen, die auch auf ihr Image angewiesen sind. Andererseits wundert mich der Erfolg von Vapiano sowieso. Für den Preis gibts beim echten Italiener besseres. Vapiano ist da eher der gehobene, Italo-McDonalds. Systemgastronomie zu Trattoria-Preisen.
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