Düsseldorf - Ergo wehrt sich gegen den Vorwurf dubioser Vertriebsmethoden: Eine interne Untersuchung des Versicherers mit Unterstützung der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC habe keine Hinweise auf ein systematisches Fehlverhalten im Bereich der betrieblichen Altersversorgung ergeben, sagte Konzernchef Torsten Oletzky. Gleichzeitig kündigte er allerdings Qualitätsverbesserungen im umstrittenen Strukturvertrieb an.
Verbraucherschützer hatten Ergo systematischen Betrug vorgeworfen: Ergo hatte mit Unternehmen günstige Rahmenverträge zur betrieblichen Altersvorsorge für Mitarbeiter abgeschlossen, sogenannte Kollektivverträge. Ergo-Vertreter sollen Angestellten aber trotzdem teurere Einzelverträge verkauft haben. Die Prüfer entdeckten laut Ergo 330 derartige Fälle - bei knapp 182.700 Einzelverträgen. Bei Riester-Renten gebe es keine Auffälligkeiten.
Zudem befasste sich die interne Prüfung mit dem Vorwurf, der Versicherer habe den Verkauf von Betriebsrenten mit Hilfe von Barzahlungen an Personalchefs angekurbelt - möglicherweise zum Nachteil der Versicherten. Laut Ergo stießen die Prüfer aber nur auf eine geringe Anzahl von Fällen, in denen Versicherte überhaupt durch schlechtere Konditionen zu Schaden gekommen sein könnten. Von insgesamt 40.152 seit 2002 abgeschlossenen Kollektivverträgen stünden derzeit noch 285 oder 0,7 Prozent auf dem Prüfstand, weil möglicherweise die Zahl der Versicherten - und damit die Versicherungskonditionen - in den Verträgen nicht korrekt gewesen seien.
Nur in drei Fällen habe sich der Verdacht so weit erhärtet, dass die Unterlagen zur Prüfung strafrechtlicher Relevanz an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet worden seien, sagte Ergo-Chef Oletzky. Er kündigte an, bei den auffälligen Verträgen werde Ergo die Firmenkunden einzeln kontaktieren.
Um weiteren Vorwürfen vorzubeugen, beschloss der Vorstand ein Verbot von Provisionen an Entscheidungsträger in Kundenunternehmen und an deren Angehörige. Umgebaut werden soll nach den Plänen von Oletzky auch die umstrittene Vertriebsorganisation HMI. Der Konzern wolle Beratungsqualität und Kundenbetreuung verbessern und den Strukturvertrieb künftig direkter steuern.
fdi/Reuters/AFP/dapd
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