Betrugsvorwürfe: Deutsche Finanzaufsicht soll Goldman Sachs durchleuchten

Das Betrugsverfahren gegen Goldman Sachs in den USA läuft. Jetzt droht der Investmentbank auch aus Deutschland ein Verfahren - die Bundesregierung lässt die Finanzaufsicht BaFin ermitteln.

Goldman-Sachs-Zentrale in New York: Deutschland prüft Verfahren Zur Großansicht
REUTERS

Goldman-Sachs-Zentrale in New York: Deutschland prüft Verfahren

Berlin - Nach der Betrugsklage der US-Börsenaufsicht SEC gegen Goldman Sachs erwägt nun auch die Bundesregierung rechtliche Schritte gegen die US-Investmentbank. "Die Finanzaufsicht BaFin wird ein Auskunftsersuchen an die SEC stellen", sagte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm der "Welt am Sonntag". Nach einer "sorgfältigen Bewertung der Unterlagen" werde Berlin rechtliche Schritte prüfen, sagte er weiter.

Die US-Börsenaufsicht wirft Goldman Sachs vor, verbriefte Hypothekenkredite vertrieben zu haben, obwohl von Anfang an klar gewesen sei, dass die Papiere an Wert verlieren werden. Die Investmentbank habe dabei "wesentliche Informationen" unterschlagen, heißt es. Insgesamt sollen die Investoren mehr als eine Milliarde Dollar mit den Papieren verloren haben.

Für Deutschland ist der Fall brisant, weil die Mittelstandsbank IKB im April 2007 zu den Großabnehmern der Papiere gehörte. Die Tochter der staatlichen Förderbank KfW soll rund 150 Millionen Dollar eingebracht haben, laut Anklageschrift ging fast das gesamte Investment verloren. Die IKB konnte im Sommer 2007 nur mit staatlicher Milliardenhilfe gerettet werden.

Goldman Sachs stellt sich derweil selbst als Opfer dar: Nicht nur hätten die Anleger gewusst, welches Risiko sie eingehen, auch die Bank selbst habe auf steigende Kurse gesetzt und deshalb "bei der Transaktion Geld verloren", ließ das renommierte Institut am Freitag wissen. Den eingenommenen Gebühren von 15 Millionen Dollar hätten eigene Verluste von mehr als 90 Millionen Dollar gegenübergestanden.

Falls Goldman Sachs verurteilt werden sollte, droht nach ersten Schätzungen von Branchenkennern eine Milliardenstrafe. Zu dem von den amerikanischen Börsenwächtern angestrengten Zivilprozess könnte zudem ein Strafprozess kommen, auch das Justizministerium prüft bereits Ermittlungen.

can/dpa/ddp

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Forum - Hat die Wall Street nichts gelernt?
insgesamt 479 Beiträge
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1.
Hartmut Dresia 19.10.2009
Zitat von sysopErst Madoff, jetzt Rajaratnam - hat die Wall Street aus der Wirtschaftskrise nichts gelernt?
Was sollte sie denn lernen? Dass der Staat im Zweifel die Rechnungen begleicht, das konnten auch die deutschen Banken aus der Krise lernen. Und dass Politiker Geld ohne jede Gegenleistung geben. Warum ist das so? Es gibt da viele Thesen: Heiner Flassbeck: Gescheitert - Warum die Politik vor der Wirtschaft kapituliert (http://www.plantor.de/2009/gescheitert-warum-die-politik-vor-der-wirtschaft-kapituliert/) Aber was sollen Banken auch von Politikern halten, wenn man sich zum Beispiel die Besetzung von Vorstandsposten bei der Bundesbank durch die Politik anschaut: Thilo Sarrazin - eine glatte Fehlbesetzung in der Bundesbank (http://www.plantor.de/2009/thilo-sarrazin-eine-glatte-fehlbesetzung-in-der-bundesbank/)
2. Ein Stoßdämpfer für die Börsen
founder 19.10.2009
Zitat von sysopErst Madoff, jetzt Rajaratnam - hat die Wall Street aus der Wirtschaftskrise nichts gelernt?
Was passiert wenn bei einem Auto die Stoßdämpfer kaputt sind? Schlechte Straßenlage, längerer Bremsweg, es wird extrem gefährlich damit zu fahren. Stoßdämpfer sind Schwingugsdämpfer. Ohne Schwingungsdämpfung schaukelt sich das Auto auf Bodenwellen zu immer größeren Schwingungen auf, bis es unkontrollierbar ins Schleudern gerät. Eine Börsentransaktionssteuer wäre ein Stoßdämpfer für die Börse.
3. Wie blöd muss man eigentlich sein?
londoneye 19.10.2009
Der Kerl hat schon 1,3 Mrd US Dollar Privatvermögen und betreibt Insiderhandel, um an weitere 20 Mio USD zu gelangen! Das ist nicht nur raffgierig, sondern auch extrem dämlich.
4. Nicht ein paar Profiteure, sondern
Ghost12 19.10.2009
Zitat von sysopErst Madoff, jetzt Rajaratnam - hat die Wall Street aus der Wirtschaftskrise nichts gelernt?
Die Verantwortung der Exzesse, die momentan noch schlimmer sind als bei Beginn der Finanzkrise, trägt derjenige, der die Blasen aufbläht- das ist Ben Bernanke. Mit Unterstützung von Geithner und Obama, die ihn bei seinem Kurs unterstützen.
5.
Sackaboner 19.10.2009
Es ist schon mehr als merkwürdig, dass Leute, die eigentlich mehr als genug Kohle für ein sorgefreies Leben bis an ihr Ende haben, immer noch weiter raffen müssen. Das kann nur eine Krankheit sein, da jede Logik und Vernunft darin fehlen. Dumm, wenn man dann noch der amerikanischen, alttestamentarischen Rachejustiz in die Hände fällt.
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