Brauerei-Bilanzen Plus für Heineken, minus für Carlsberg

Gegensätzlicher könnten die Bilanzen bei den Brauerei-Riesen kaum sein: Heineken steigerte seinen Gewinn, Konkurrent Carlsberg machte hingegen einen Verlust von fast einer Viertelmilliarde Euro.

Heineken-Träger (Archivbild): Gutes Geschäft in Lateinamerika
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Heineken-Träger (Archivbild): Gutes Geschäft in Lateinamerika


Zwei der vier größten Brauereien der Welt haben ihre Bilanzen vorgelegt. Heineken profitiert von der Nachfrage nach Premium-Bieren in Lateinamerika, Carlsberg leidet unter dem schwächelnden Russland-Geschäft.

Unter dem Strich hat Heineken im vergangenen Jahr 2,05 Milliarden Euro verdient - 16 Prozent mehr als 2014. Gut liefen die Geschäfte vor allem in Mexiko und Brasilien, wo Heineken höhere Preise für sein Bier verlangte. Für 2016 sagte der Konzern weitere Zuwächse bei Umsatz und Gewinn voraus.

Schlechter lief es dagegen in Afrika und im Nahen Osten. In Ländern wie Ägypten oder Tunesien führten sinkende Urlauberzahlen zu einem geringeren Bier-Absatz.

Verkauf an Kiosken in Russland verboten

Bei der Nummer vier der Branche, Carlsberg, mit Marken wie Tucher und Holsten, reißt indes ein schwaches Russland-Geschäft tiefe Löcher in die Kasse. 2015 sei deswegen ein Verlust vor Steuern von umgerechnet 231 Millionen Euro angefallen. 2014 hatten die Dänen noch 900 Millionen Euro Gewinn gemacht.

Carlsberg hatte 2008 die führende russische Biermarke Baltika übernommen, kämpft seitdem aber mit der steigenden Regulierung sowie der schwachen Konjunktur. Im Kampf gegen den Alkoholismus ist in Russland etwa der Verkauf von Bier an Kiosken verboten worden, zudem wurden Steuern erhöht.

Von welcher Brauerei kommt Ihr Lieblingsbier? Finden Sie's heraus - mit einem Klick auf die jeweilige Flasche:

AB InBev:

Beck’s: Die Brauerei Beck braut ihre Beck‘s-Biere in Bremen, doch in Privatbesitz ist sie schon seit 2002 nicht mehr. Seitdem gehört Beck’s der belgischen Anheuser-Busch InBev, dem weltgrößten Bierbrauer, der vor einem Jahr auch den Konkurrenten SABMiller übernommen hat. Mit einer abgesetzten Menge von 2,56 Millionen Hektolitern verdienen die Belgier gut am Bremer Bier.
Radeberger-Gruppe:

Berliner Pilsner: Berlin ist Radeberger-Land. Neben Berliner Pilsner gehören auch Berliner Kindl, Schultheiss und Berliner Bürgerbräu zur Radeberger-Gruppe. Die Biere werden alle in derselben Brauerei hergestellt. Auch in anderen Regionen hat der Oetker-Konzern mit seiner Tochter, der Radeberger-Gruppe, Fuß gefasst.
Bitburger-Holding:

Bitburger: 3,84 Millionen Hektoliter Bitburger tranken die Deutschen 2015; davon waren 3,30 Millionen Pils. Damit rangiert Bitburger auf Platz drei der meistgetrunkenen Biere hierzulande. Zugleich ist es das beliebteste Bier der Dachgesellschaft Bitburger Holding aus der Eifel, zu der auch Licher und Köstritzer gehören.
AB InBev:

Diebels: Diebels ist das meistverkaufte Altbier Deutschlands. Das Besondere: Es kommt weder aus der Altbierhochburg Düsseldorf, noch ist die ehemalige Privatbrauerei in deutschem Besitz. Der belgische Bierriese AB InBev hat Diebels bereits 2001 gekauft. Mittlerweile stellt die Brauerei vom Niederrhein auch Pils her.
AB InBev:

Franziskaner: Die 1363 gegründete Franziskaner Brauerei ist eine der traditionsreichsten Brauereien Deutschlands. In Privatbesitz ist sie aber nicht mehr: 2005 hat AB InBev auch diese deutsche Brauerei übernommen. Das Weißbier schmeckt den Deutschen weiterhin: 1,23 Millionen Hektoliter setzte Franziskaner 2015 ab, inklusive Alkoholfreiem.
AB InBev:

Hasseröder: Das durch den Auerhahn bekannte Bier Hasseröder war zu DDR-zeiten ein vor allem regional beliebtes Bier. Mittlerweile liegt es mit einer abgesetzten Menge von 2,25 Millionen Hektolitern auf Platz acht der meistgetrunkenen Biere Deutschlands. Eigentümer der Marke ist ebenfalls AB InBev.
Radeberger-Gruppe:

Jever: Auch Jever gehört zur Radeberger-Gruppe. 1994 kaufte zunächst die Dortmunder Brau-und-Brunnen-Gruppe das Bier vom Friesischen Brauhaus zu Jever. Seit 2004 gehören die Dortmunder zur Oetker-Tochter.
Bitburger-Holding:

König Pilsener: Seit 1858 stellt die König-Brauerei ihr König Pilsener her. Privat geführt wird der einstige Pilsmarktführer allerdings nicht mehr. 2000 veräußerte die Inhaberfamilie ihre Brauerei an die Holsten-Gruppe; seit 2005 gehört König Pilsener der Bitburger-Brauerei.
Oettinger Brauerei:

Oettinger: Bei Oettinger ist drin, was draufsteht. 1731 als Fürstliches Brauhaus zu Oettingen gegründet ist die heutige Oettinger Brauerei GmbH noch immer unabhängig. 5,39 Millionen Hektoliter setzte die Brauerei im vergangenen Jahr ab und ist somit die zweiterfolgreichste Brauerei im Land.
Krombacher-Gruppe:

Krombacher: Das Krombacher Pils ist mit 4,26 Millionen Hektolitern das beliebteste Pils der Deutschen. Mit Radler, Hellem und den anderen Biersorten brachte es Krombacher sogar auf 5,49 Millionen Hektoliter – Platz eins in Deutschland. Addiert man aber den Ausstoß ihrer vielen Brauereien, liegt die Radeberger-Gruppe klar vorn.
Brau Holding International:

Paulaner: Paulaner ist das meistgetrunkene Weißbier Deutschlands. Das seit 1634 zunächst in Klosterbrauereien hergestellte Paulaner ist heute nicht mehr in Ordenshand. Seit 2002 gehört Paulaner je zu 50 Prozent der Schörghuber Unternehmensgruppe sowie der Brau Holding International, an der wiederum der niederländische Brauriese Heineken 49,9 Prozent hält.
Radeberger-Gruppe:

Radeberger: Das Radeberger Pilsner ist die Hausmarke der größten deutschen Brauereigruppe Radeberger, die wiederum zum Oetker-Konzern gehört. Etwa 1,9 Millionen Hektoliter des eigenen Pils setzte die Großbrauerei 2015 ab. Damit liegt Radeberger auf Platz neun der meistgetrunkenen Biere Deutschlands.
Radeberger-Gruppe:

Schöfferhofer: Die Marke Schöfferhofer ist vor allem für Weizen und Mischbiere bekannt. Die Biere werden von der Frankfurter Brauerei Binding hergestellt, die wiederum seit 1953 zum Oetker-Konzern gehört.
Carlsberg-Gruppe:

Holsten: Seit 1879 stellte die Holsten-Brauerei an der Hamburger Holstenstraße ihr Pils selbst her. Doch die einst von der damaligen Stadt Altona gegründete Brauerei wandelte sich zunächst in eine Aktiengesellschaft um, dann kaufte 2004 der dänische Großbrauer Carlsberg die Holsten-Brauerei AG; zehn Jahre später wurde diese aufgelöst, die Holsten-Mitarbeiter wechselten zu Carlsberg Deutschland.
Veltins-Brauerei:

Veltins: Seit der Gründung der Brauerei 1824, ist das Unternehmen in Privatbesitz. Und die Geschäfte laufen gut: Vergangenes Jahr verkaufte die Brauerei 2,79 Millionen Hektoliter ihrer Biere – damit belegt Veltins Platz vier in Deutschland.
Privat-Brauerei Heinreich Reissdorf:

Reissdorf Kölsch: Auf dem Biermarkt haben die einander sonst wenig wohlgesonnen Kölner und Düsseldorfer etwas gemein: Die meisten ihrer Brauereien sind bis heute in Privatbesitz, so auch die Brauerei Heinrich Reissdorf. Das dort hergestellte Reissdorf Kölsch ist seit Jahren das beliebteste Bier der Kölner.
Carlsberg-Gruppe:

Astra: Astra, echtes St. Paulianer Bier? Nicht ganz. Bis 1998 produzierte die Bavaria-St. Pauli-Brauerei ihr Astra - dann wurde sie von der Holsten-Brauerei AG übernommen. Noch bis 2002 stellte Holsten das Astra weiter an der Reeperbahn her bis zum Abriss der traditionellen Brauerei. Seitdem wird Astra in der Holsten-Brauerei produziert, die jedoch seit 2004 zur dänischen Carlsberg-Gruppe gehört.
Bitburger-Holding:

Köstritzer: Die Köstritzer Schwarzbierbrauerei in Gera zählt zu den ältesten Schwarzbierbrauereien Deutschlands. Seit 1991 gehört sie der Bitburger Holding, die die alte DDR-Brauerei modernisiert hat. Beim Schwarzbier ist die Brauerei aus Ostthüringen Marktführer, auch beim Kellerbier zählt sie zu den Spitzenreitern.
Erdinger Brauerei:

Erdinger: Die Weißbierbrauerei aus Erding feiert dieses Jahr ihr ihr 130-jähriges Bestehen und ist noch heute in Familienbesitz. Mit einer abgesetzten Menge von 1,3 Millionen Hektolitern liegt Erdinger auf Platz zwei der meistgetrunkenen Weißbiere Deutschlands.
Warsteiner Gruppe:

Warsteiner: Wie so viele hat auch die 1753 gegründete Warsteiner Brauerei mittlerweile eine Mutterfirma – doch das ist die Warsteiner Gruppe selbst. Vom prominentesten Bier, dem Warsteiner Pils, setzte die Großbrauerei vergangenes Jahr 2,11 Millionen Hektoliter ab.

sep/Reuters

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