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Bilanzierung: US-Banken verschleiern ihre Schulden

Die großen amerikanischen Banken scheuen sich offenbar nicht, ihre tatsächlichen Bilanzrisiken zu verheimlichen: Laut "Wall Street Journal" haben 18 Institute im vergangenen Jahr durch einen Trick ihre Schuldenlast künstlich gedrückt - allerdings völlig legal.

Zentrale von JPMorgan Chase: Einige Banken geben Tricks hinter vorgehaltener Hand zu Zur Großansicht
AFP

Zentrale von JPMorgan Chase: Einige Banken geben Tricks hinter vorgehaltener Hand zu

New York - Mit der trickreichen Schönrechnung ihrer Schulden geraten große US-Banken erneut ins Zwielicht. Nach einem Bericht des "Wall Street Journal" haben 18 US-Institute ihre Risiken gegenüber der Öffentlichkeit verschleiert. Demnach haben die Banken ihren Schuldenstand jeweils kurz vor Quartalsende drastisch gesenkt, um bei der Veröffentlichung ihrer Zwischenbilanz besser dazustehen. So hätten die Schulden - gemacht, um in großem Stil spekulieren zu können - innerhalb des Quartals im Schnitt um 42 Prozent geschwankt.

Im jeweils folgenden Quartal hätten die Häuser wieder kräftig Kredite aufgenommen, schreibt die Zeitung am Freitag unter Berufung auf Daten der US-Notenbank Fed. Zu den Häusern, die sich des Tricks bedienten, gehörten demnach bekannte Institute wie Goldman Sachs Chart zeigen, Morgan Stanley Chart zeigen, JPMorgan Chase Chart zeigen, Bank of America Chart zeigen oder die Citigroup Chart zeigen. Einige Banken hätten die Praxis hinter vorgehaltener Hand bestätigt. Inzwischen ermittelt die US-Börsenaufsicht SEC. Sie verlangt Einblicke in die Geschäftspraktiken.

Konkret geht es dem "WSJ" zufolge um kurzfristige Finanzierungen am sogenannten Repo-Markt, die in kürzester Zeit zurückgeführt werden können. Hier besorgen sich Banken frische Mittel, die sie zum Kauf von Wertpapieren verwenden. Diese wiederum werden als Sicherheiten für weitere Kredite eingesetzt, mit denen sie neue Papiere erwerben. Auf diese Weise können die Institute mit nur wenig eigenem Kapital viel an den Märkten drehen.

Ähnliche Fälle sollen bei der HRE und bei der HSH Nordbank vorgekommen sein

Auch in Deutschland soll es ähnliche Fälle wie in den USA geben. Die "Süddeutsche Zeitung" hatte Anfang Februar berichtet, dass sich die HSH Nordbank und die Hypo Real Estate gegenseitig geholfen haben, ihre Bilanzen zu schönen. Dabei sollen Risiken in Milliardenhöhe verschleiert worden sein. Die Institute weisen die Vorwürfe zurück.

Die Methode, die Schuldenlast zum Quartalsende zu senken und anschließend erneut zu erhöhen, ist zwar legal - doch weckt es böse Erinnerungen an die Insolvenz von Lehman Brothers. Die US-Investmentbank hatte ihre desolate Lage mit dubiosen Bilanzpraktiken geschönt. Die meisten Investoren erkannten deshalb zu spät, wie schlimm es um das Institut stand. Im September 2008 brach Lehman Brothers zusammen und löste damit eine Schockwelle an den weltweiten Finanzmärkten aus.

Die Bank hatte nach Angaben von Wirtschaftsprüfern vor dem Zusammenbruch 2008 rund 50 Milliarden Dollar außerhalb der Bilanz geparkt. Mit diesem als "Repo 105" bekanntgewordenen Bilanztrick konnte sie ebenfalls ihre Schuldenlast reduzieren.

Just nach dem Zusammenbruch begannen die 18 US-Großbanken nach Angaben des "WSJ" mit ihren Schuldenspielchen. Denn von da an schauten die Anleger genauestens auf die Risiken, um nicht ein weiteres Mal falsch zu investieren.

lgr/Reuters/dpa

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 8 Beiträge
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1. Legal ...
kommentar.h 09.04.2010
Zitat von sysopDie großen amerikanischen Banken scheuen sich offenbar nicht, ihre tatsächlichen Bilanzrisiken zu verheimlichen: Laut "Wall Street Journal" haben 18 Institute im vergangenen Jahr durch einen Trick ihre Schuldenlast künstlich gedrückt - allerdings völlig legal. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,688110,00.html
Legal? - Ilegal? ... Was ist ein Banküberfall gegen das Gründen einer Bank!
2. Das Spiel mit Illusionen
Naturhuf 09.04.2010
Unglaublich...und so geht das Lügen weiter bis die nächste Seifenblase platzt..................wie doof kann man eigentlich nur sein und das auch noch absichtlich??
3. Manipuliert
rabenkrähe 09.04.2010
Zitat von sysopDie großen amerikanischen Banken scheuen sich offenbar nicht, ihre tatsächlichen Bilanzrisiken zu verheimlichen: Laut "Wall Street Journal" haben 18 Institute im vergangenen Jahr durch einen Trick ihre Schuldenlast künstlich gedrückt - allerdings völlig legal. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,688110,00.html
... Ja eben: legal! Um den Anschein einer überstandenen Finanzkrise zu erwecken hat die US-Regierung doch bad banks und, vor allem, Bilanzmanipulationen erlaubt. Und die Notenbank gibt immer mehr Pulver, damit die verzockten Mittel nicht so auffallen. Der ach so tolle Aufschwung steht wirklich auf wackeligen Füßen. Komisch nur, daß Privatbürgern nicht erlaubt wird, ihre Haushaltsrechnungen zu manipulieren und für jede finanzielle Fehlleistung staatliche Hilfen zu bekommen! rabenkrähe
4. Rückzug unmöglich
Transmitter, 10.04.2010
Zitat von NaturhufUnglaublich...und so geht das Lügen weiter bis die nächste Seifenblase platzt..................wie doof kann man eigentlich nur sein und das auch noch absichtlich??
Wir wissen doch alle, dass die USA und die EU-Staaten faktisch bereits insolvent sind. In Deutschland geht fast die Hälfte des Bundeshaushaltes von gut 320 Milliarden Euro in soziale Transferleistungen. Die gesamten Steuereinnahmen des Bundes reichen nicht, diese Sozialkosten und die Zinsen auf die Bundesschulden zu zahlen. Das Land lebt auf Pump und hat sich auch für die Zukunft darauf eingerichtet. In der Finanzkrise haben die Notenbanken beliebig Geld und Kredit geschaffen. Virtuelle Werte, die heute die Bilanzen der (eigentlich bankrotten) Investmentbanken stabilisieren. Kommt diese Liquidität in den Umlauf, werden die Teuerungsraten zwangsläufig steigen. Die immensen Schuldenberge, die die USA und die EU-Länder angehäuft haben, können nicht zurückgezahlt werden. Das weiß mittlerweile auch der dümmste Politiker. Alle hoffen jedoch darauf, dass durch eine kontrollierte Inflation die gigantischen Geldwerte und damit die Schulden so nach und nach relativiert werden können. Wir erleben zur Zeit die Phase der Hoffnung. Kommt es zu einer unkontrollierbaren Hyperinflation in den USA, ist das der Anfang vom Ende des US-Dollar und damit auch des Euro. Leider ist damit bald zu rechnen Die sich im Umlauf befindende Geldmenge ist einfach zu gigantisch. Die Staatsbankrott-Spirale wird eingeleitet, wenn ein Euro-Land die Anleihebedingungen nicht einhält, nicht pünktlich zahlt, den Kupon verändert oder auf andere Währungen ausweicht. Im Falle Griechenlands wird dieses Szenario vielleicht noch einmal aufgehalten werden können. Aber schon sinken die Kurse für Italien-, Spanien- und Portugalanleihen deutlich, steigen die Risiko-Aufschläge bei Neuemissionen dieser Länder. . . . Ein Rückzug aus diesem Dilemma ist nicht mehr möglich. Es gilt nur noch die Devise "Augen zu und durch" und auf Optimusmus machen. Bis zum bitteren Ende.
5. Titel verweigert!
Rainer Helmbrecht 10.04.2010
Zitat von sysopDie großen amerikanischen Banken scheuen sich offenbar nicht, ihre tatsächlichen Bilanzrisiken zu verheimlichen: Laut "Wall Street Journal" haben 18 Institute im vergangenen Jahr durch einen Trick ihre Schuldenlast künstlich gedrückt - allerdings völlig legal. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,688110,00.html
Die Kontrolle großer Firmen wurde von italienischen Handelshäusern durch die Erfindung der doppelten Buchhaltung gewährleistet. Aber wie immer im Leben gehört auch eine Ehrlichkeit der Anwender dazu. Da dort, auch schon damals große Summen bewegt wurden, nahmen die Fürsten da kleine Korrekturen vor. Die Fürsten haben dann durch Steuern das System immer mehr verfeinert, leider auf Kosten der Durchsichtigkeit und der Gerechtigkeit. Das führte zu einer zwei Klassen-Besteuerung. Ein Teil hat gar nicht die Möglichkeit Einfluss auf ihre Steuern zu nehmen, das wird abgezogen und gut ist's. Der andere konnte durch Überzeugungsarbeit (Lobbyismus, Bestechung) ausnahmen aus dem System des Abzugs erreichen. Das hat aber dazu geführt, dass man das gar nicht mehr übersehen kann. Das Ende des Systems ist, dass "geschickte" Menschen den Staat so manipulieren können, dass nur noch blöde Steuern zahlen, alle anderen haben so viele Möglichkeiten des Tunings, dass sogar die Weltwirtschaft in die Krise kommt. Weil das System für "Macher" so günstig ist haben wir / der Staat es sich selbst verboten, eine Steuerreform, auch nur anzudenken. Das Gelaber vom Bierdeckel wird noch lange die Runde machen und das Gerede von der Steuerreform ebenfalls. Jedenfalls von einer Reform, die das dem Sinne nach verdient. Eher bekommt der Riester noch ein neues Gesetz;o). MfG. Rainer
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