SPIEGEL-Enthüllungen Bilfinger-Prozess wird verschoben

Der Prozess um die gefeuerte Chefermittlerin bei Bilfinger ist nach SPIEGEL-Informationen vertagt worden. Der Baukonzern will neue Kündigungsgründe gegen die Frau gefunden haben, die Korruption aufdecken wollte.

Bilfinger-Logo am Hauptsitz in Mannheim
DPA

Bilfinger-Logo am Hauptsitz in Mannheim


Alles war bereit für den Showdown in Mannheim: Für zwölf Uhr am Donnerstag war vor dem Landesarbeitsgericht der Prozess zwischen dem Industriekonzern Bilfinger und seiner ehemaligen Chefermittlerin Marie Alexandra von Sachsen-Meiningen angesetzt.

Doch aus dem mit Spannung erwarteten Duell, für das sich nach Berichten des SPIEGEL schon zahlreiche Medienvertreter angekündigt hatten, wird nun erst mal nichts. Das Gericht hat den Termin abgesetzt und einen neuen im Oktober in Aussicht gestellt.

Juristisch geht es in dem Verfahren um eine Kündigung im März 2017, gegen die sich die Ermittlerin zur Wehr setzt, faktisch aber um Brisanteres: ob der Konzern eine unbequeme Mitarbeiterin abserviert hat, weil sie bei möglichen Korruptionsfällen in Oman und anderswo zu tief nachbohren wollte.

Bilfinger hatte noch am Montagmorgen einen langen Schriftsatz mit weiteren Kündigungsgründen nachgereicht, so begründet der Gerichtssprecher in Mannheim die kurzfristige Verschiebung. Bisher hatte sich der Konzern darauf versteift, dass Meiningen bei der Vergabe von Detektivaufträgen gegen die Ausschreibungsrichtlinien der Firma verstoßen habe. Außerdem habe sie bei ihrer eigenen Reiseabrechnung betrogen - da ging es um 255,60 Euro nach einer mehrtägigen Fernost-Dienstreise auf die russische Insel Sachalin. Meiningen weist die Vorwürfe zurück. Nun aber glaubt der Konzern auf der Suche nach einem Kündigungsgrund offenbar erneut fündig geworden zu sein: Meiningen habe Verschwiegenheitspflichten verletzt.

Mundtot machen

Aus Prozessakten lässt sich dagegen herauslesen, dass das Rechtsanwaltslager der blaublütigen Fahnderin ein anderes Bild zeichnet: Dort geht man schon seit geraumer Zeit davon aus, dass Bilfinger lediglich Gründe vorschiebe, um die leibhaftige Prinzessin endlich loszuwerden und mit einer saftigen Schadenersatzklage mundtot zu machen. In Wahrheit gehe es darum, dass Meiningen mit ihrer hartnäckigen Suche nach Korruptionshinweisen im Konzern die neue Geschäftsstrategie von Bilfinger-Chef Tom Blades störe. Das wiederum bestreitet Bilfinger entschieden.

Der Konzern, der nach einem Korruptionsfall in Nigeria noch mindestens bis Ende des Jahres unter scharfer US-Aufsicht steht, tue alles, um Verstöße gegen saubere Geschäfte aufzudecken und aufzuklären.

In erster Instanz hatte das Arbeitsgericht Mannheim der Adligen recht gegeben und die Kündigung für unwirksam erklärt.

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