Bilfinger-Dossier Das Debakel der Heuschrecke

Durch die SPIEGEL-Enthüllungen über den Industriekonzern Bilfinger gerät auch der schillernde Chef-Kontrolleur unter Druck: der frühere Daimler- und Metro-Manager Eckhard Cordes.

Bau- und Dienstleistungskonzern Bilfinger
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Bau- und Dienstleistungskonzern Bilfinger


Als der Finanzinvestor Cevian 2011 beim Mannheimer Bilfinger-Konzern einstieg, hoffte die "Heuschrecke" noch auf eine attraktive Kapitalanlage. Nach spätestens sieben Jahren wollte der Vermögensverwalter für US-Pensionskassen, Stiftungen und arabische Staatsfonds wieder aussteigen, natürlich mit Gewinn.

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Daraus wurde nichts.

Der Börsenkurs dümpelt bei gut 40 Euro, gekauft hatte Cevian für fast 70 Euro. Und es könnte noch schlimmer kommen: Seit der SPIEGEL am Freitag enthüllte, dass der von Korruption geplagte und vom US-Justizministerium überwachte Konzern offenbar bis in die jüngere Vergangenheit hinein anrüchige Auslands- und Geschäftskontakte pflegte, um an lukrative Aufträge zu kommen, dürfte der Börsenkurs weiter unter Druck geraten.

Denn es drohen Strafverfahren und Bußen in den USA. Es ist ein Desaster für die Cevian-Manager. Sie verhoben sich schon mit ihrem Engagement bei Thyssenkrupp. Nun droht auch noch bei Bilfinger ein Debakel. Verantwortlich ist dafür vor allem ein Mann: Eckhard Cordes, 67.

Seine Prominenz in Wirtschaftskreisen steht in auffälligem Kontrast zu seinen Leistungen. Beim Daimler-Konzern fädelte der spätere Vorstand einst die "Fusion im Himmel" mit dem US-Konzern Chrysler ein. Sie endete bekanntlich unter Höllenqualen. Auch sein späteres Intermezzo als Metro-Chef verlief nur kurz und eher glücklos.

Ende 2012 stieg Cordes zum Partner bei der schwedisch-schweizerischen Gesellschaft Cevian auf, zwei Jahre später übernahm er in dieser Funktion den Vorsitz des Aufsichtsrats bei Bilfinger. Eigentlich sollte er dort für bessere Zahlen und ein schlagkräftiges Management sorgen. Doch der erste Versuch, eine neue Führungsspitze zu installieren, schlug fehl.

Nun soll es der ehemalige Linde-Manager Tom Blades richten. Er sieht die Zukunft des Unternehmens ausgerechnet dort, wo er selbst die meisten Erfahrungen aufweist, allerdings auch die größten Bakschisch-Gefahren lauern: im Nahen Osten. Cordes hätte sein Veto einlegen können, er tat es nicht. Stattdessen stürzte er den ehemaligen Baukonzern in eine Zerreißprobe, als er im Auftrag des neuen Großaktionärs gegen heftigen Widerstand der Arbeitnehmerbank den Hochbau und die einträgliche Gebäudedienstleistungssparte versilberte und das Unternehmen damit praktisch halbierte.

Eckhard Cordes
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Eckhard Cordes

Zu allem Überfluss sieht es nun auch noch so aus, als hätten er und seine Mitkontrolleure bei der Korruptionsüberwachung im Konzern nicht genau genug hingeschaut oder nachgefragt. Ein Firmensprecher weist den Verdacht zurück und versichert, es werde alles getan, um mögliche Verstöße schnell zu erkennen und Fehlverhalten konsequent zu ahnden. Zumindest für den Oman scheint das nicht gegolten zu haben. Da wurde ein straffällig gewordener Mitarbeiter noch monatelang weiterbeschäftigt, obwohl er längst der Bestechung überführt war und im Knast saß.

Man habe davon nichts gewusst, heißt es im Konzern. Das wirkt wenig vertrauenserweckend. Es wird wohl noch etwas dauern, bis Cordes und Kollegen bei Bilfinger endlich Kasse machen können.

insgesamt 5 Beiträge
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wolfi55 17.06.2018
1. solch einen erfolgreichen Manager gibt es noch mal
Der sitzt aber grad ein. Er heißt Thomas Middelhoff. Der war ähnlich erfolgreich. Und ein anderer saß auch mal einige Jahre (knapp 8) ab, das war Manfred Schmider (Big Manni). Der hatte immerhin rund 5 Milliarden DM verschoben. Aber bei Bilfinger könnte es noch besser kommen, wie bei Flowtex. Immerhin ist die Staatsanwaltschaft Mannheim in Wirtschaftskriminalität erfahren.
Wiedereinaussteiger 17.06.2018
2.
Eckhard Cordes ist einer der korruptesten Gestalten in der deutschen Wirtschaft. Als Finanzer Mitglied des damaligen Küchenkabinetts“ von Vorturner Jürgen Schrempp, hatte er immer Vorlauf zu den Informationen der Börse. Was Schrempp anderen tags zu verkünden hatte, Fusion mit Chrysler, Zusammenarbeit mit Mitsubishi, Trennung von Chrysler, Trennung von Mitsubishi, Cordes und noch einer wussten das immer knapp einen Tag eher, weil sie an diesen Entscheidungen mitwirkten. Auch die Körpersprache, das aalglatt gegeelte Äußere, spricht eine eindeutige Sprache. Erst ging dann Schrempp beim Daimler, nachdem der Börsenwert zusammengeschnurrt war, von ehedem 700 DM auf noch 35 Euro. Das Aufatmen der Börse ermöglichte Schrempp, seine von den Deutschbancstern geschenkt (für Nichts) bekommenen Aktienoptionen zu versilbern. Das brachte ihm ca. 100 Mio. Euro ein. Dann dachte Eckie Cordes, nun sei er an der Reihe, Boss von’s Janze beim Daimler zu werden. Da war dann einmal, ein einziges Mal, ein Punkt, wo die Deutschbankster aufpassten. Eckie wurde es nicht, sondern der Zwirbelbart. Eckie war sauer und verduftete ebenfalls, seine Optionen wurden 60 Mio. Euro wert. Die übelste Type des Küchenkabinetts aber ist noch wer anderer. Erst als seine Ehefrau Jahre später die Scheidung einreichte, sinnigerweise in London, lernte man, dass der externe Berater und Finanzfingerer von Goldman Sachs, Doktor Dibelius, in jenen Jahren am Küchentisch von Schrempp sein Vermögen um ca. 300 Millionen Euro mehrte. Wie geht das? Wenn du früh eine Information hast, die die Börse bewegen wird – weil du selber beim Zustandekommen mit am Tisch saßest - , dann kannst du mit dieser Information arbeiten, solange die Börse noch nichts weiß. Du darfst zwar nicht selber kaufen oder verkaufen, oder gehebelte Papiere hantieren, weil das Insiderhandel wäre, aber du kannst abends mit deinem Schwager und deinem Freund telefonieren. Tips geben… Bevor anderentags die Börse per Mitteilung wissen wird, was nun Sache ist, hast du schon genau die Papiere an der Angel, die dann höher bewertet sind, oder hast dich zuvor mit besserem Preis von dem Krams getrennt, der nun mit Mitteilung weniger wert wird. Dibelius, Schrempp, Cordes. Diese Namen muss man sich merkeln. Wenn man ein Verfahren betreffs Korruption und Insiderhandel an den Hals bekommen möchte. Dann stellt man solche Gestalten an hoher, verantwortlicher Stelle ein. Wie dumm eigentlich ist Cevian?
henry.miller 17.06.2018
3.
Das ist doch einfach, statt hier irgendwelche halbgaren Geschichten zu verbreiten, sollten das Gerichte klären, wenn es denn Grund zur Abklage gibt. Ob es der Cordes war oder wer auch immer. Alleine hat der ja auch nicht gehandelt. Übrigens sind in Oman wohl alle Korrupt
Emil Peisker 18.06.2018
4. Maulheld ohne Fakten...
Zitat von henry.millerDas ist doch einfach, statt hier irgendwelche halbgaren Geschichten zu verbreiten, sollten das Gerichte klären, wenn es denn Grund zur Abklage gibt. Ob es der Cordes war oder wer auch immer. Alleine hat der ja auch nicht gehandelt. Übrigens sind in Oman wohl alle Korrupt
Na, werter miller Erst anderen den Ratschlag geben nicht zu spekulieren, sondern den Gerichten den Vortritt lassen, um dann spontan zu behaupten, dass im Oman "Alle" korrupt seien. Im Oman gibt es eine strenge Anti-Korruption Gesetzgebung. Alle, die in der Regierung oder Verwaltung Bestechungsgelder annehmen,müssen mit sehr hohen Strafen rechnen. Ich habe vor 30 Jahren Aufträge für den Sultan ausgeführt, und in allen Verträgen wurde vor Bestechung gewarnt, und vor den strengen Strafen. Also, wenn sie konkrete, belegbare Vorwürfe erheben können, raus damit. Ansonsten den Ball flach halten.
thequickeningishappening 18.06.2018
5. Ach, da kommen Erinnerungen auf
Mannesmann, Hochtief, Arbed-Saarstahl....Daimler und Telekom haben ihre Abenteuer aus Der Portokasse bezahlt. Na, ab und zu finden Sie mal Einen: Midellhoff. Der Luxemburger Der bei Saarstahl involviert war ist ja EU Gruppen Chef. Dafür wird VW jetzt in Sippenhaft genommen (letzte Causa: Verhaftung von Audi Vorstand).
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