Korruptionsskandal Bilfinger verlangt Millionenbeträge von Ex-Vorständen

Der krisengeplagte Bilfinger-Konzern pocht auf Schadensersatz von früheren Topmanagern. Auch der ehemalige hessische Ministerpräsident Koch könnte betroffen sein - Ex-FBI-Direktor Freeh erklärt die Forderungen.

Roland Koch (Archiv)
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Roland Koch (Archiv)


Der Industriedienstleister Bilfinger fordert von zwölf ehemaligen Vorständen einen dreistelligen Millionenbetrag. Der Konzern wirft ihnen vor, keine ausreichenden Antikorruptionsregeln aufgestellt zu haben.

Zwar sei das Thema Korruption während ihrer Amtszeit noch nicht so im Fokus der Öffentlichkeit gewesen wie heute, sagte der Berater des Konzerns, Louis Freeh. "Doch schon zu dieser Zeit hat es einen Verhaltenskodex gegeben, nach dem die Zahlung von Schmiergeldern an Regierungsmitglieder verboten war", so der ehemalige FBI-Direktor. Selbst ohne explizite Standards sei die Führung eines Konzerns zu integrem Geschäftsgebaren verpflichtet, sagte Freeh.

Bilfinger Chart zeigen hatte dem US-Justizministerium 32 Millionen Dollar Strafe wegen eines Korruptionsskandals in Nigeria zahlen müssen. Auch der Erwerb der Helmut Mauell GmbH 2012 war von Bilfinger als Beleg für unterstelltes Fehlverhalten der Manager angeführt worden. Der Aufsichtsrat entschied deshalb "als Ergebnis seiner im März 2016 eingeleiteten Untersuchung", Geld von ehemaligen Vorstandsmitgliedern zurückzufordern.

"Ich hoffe auf eine außergerichtliche Lösung"

Der Schaden beläuft sich laut Bilfinger insgesamt auf einen niedrigen dreistelligen Millionenbetrag. In die geforderte Summe fließen auch Kosten ein, die das Unternehmen zusätzlich zu bereits vorhandenen, aber ungenügenden Compliance-Systemen zahlen musste. Diese Systeme sollen die Einhaltung von Regeln gegen Korruption und Bestechung sicherstellen. Für Freeh ist Compliance eine Kultur des fairen Wettbewerbs, die ein Unternehmen von der Empfangsdame bis zur Spitze verinnerlicht haben müsse.

Die Vorwürfe betreffen unter anderem den Ex-Ministerpräsidenten von Hessen, Roland Koch. CDU-Politiker Koch, der das Unternehmen von 2011 bis 2014 leitete, hat die Vorwürfe als substanzlos zurückgewiesen.

Der Konflikt um den Vorwurf von Pflichtverletzungen zwischen 2006 und 2015, vor allem in Afrika und Asien, hat bislang nicht die Gerichte erreicht. Das auf Wartung und Reparatur von Anlagen spezialisierte Unternehmen und die ehemaligen Vorstände verhandeln laut Freeh derzeit noch. "Ich hoffe auf eine außergerichtliche Lösung."

Heute habe das Unternehmen mit rund 36.000 Mitarbeitern beim Thema Compliance den Stand vergleichbarer Wettbewerber erreicht, sagte Freeh. Er arbeitet seit drei Jahren als Compliance-Berater für Bilfinger.

Ohne die Arbeit am neuen Compliance-System wäre Bilfingers US-Geschäft bedroht gewesen. Der Antikorruptionsexperte Mark Livschitz nahm 2013 seine Arbeit auf. 2015 zeigte er sich aber unzufrieden mit dem Stand des Verhaltenskodexes und plädierte für eine verlängerte Beobachtung. Daraufhin stellte Bilfinger Freeh ein, der sich monatlich an sieben bis zehn Tagen um die Compliance kümmert.

"Der Vorstand nimmt das Thema sehr ernst, und ich glaube, dass das Unternehmen Ende dieses Jahres grünes Licht des Monitors für gutes Compliance erhält", sagte Freeh. Das letzte Wort hat aber das US-Justizministerium.

Zu der Kündigung einer internen Chefermittlerin äußerte sich Freeh nicht. Der Vorgang werde in einem Arbeitsgerichtsprozess aufgearbeitet, sagte der 68-Jährige. Hinter der Frage des Rauswurfs von Marie Alexandra von Sachsen-Meiningen steht die Frage, ob der Konzern sie abserviert hat, weil sie bei möglichen Korruptionsfällen in Oman und anderswo zu genau nachsehen wollte. Bilfinger wirft ihr unter anderem Verstöße gegen Ausschreibungsrichtlinien der Firma vor.

apr/dpa



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