Streit um Ex-Bilfinger-Vorstände Roland Koch weist Schadensersatzforderungen zurück

Der Industriedienstleister Bilfinger verlangt von mehreren früheren Vorständen Schadensersatz. Der frühere hessische Ministerpräsident und spätere Bilfinger-Chef Koch ist sich keiner Schuld bewusst.

Ex-Vorstandschef Roland Koch
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Ex-Vorstandschef Roland Koch


Der krisengeplagte Bilfinger-Konzern fordert von früheren Vorstandsmitgliedern Schadensersatz wegen Pflichtverletzungen. Der Aufsichtsrat habe beschlossen, gegen alle von 2006 bis 2015 amtierenden früheren Vorstände Ansprüche geltend zu machen, heißt es in einer Börsenmitteilung des Unternehmens.

Den insgesamt zwölf Managern wird demnach vorgeworfen, das Compliance-Managementsystem nicht ordnungsgemäß eingeführt zu haben. Dies dient dazu, im Geschäftsleben das Einhalten aller Rechtsvorschriften zu gewährleisten. Einzelne hätten außerdem ihre Pflichten im Zusammenhang mit Übernahmen verletzt. Als Beispiele für das unterstellte Fehlverhalten sollen etwa der Erwerb der Helmut Mauell GmbH 2012 oder auch Nigeria-Geschäfte des Konzerns gelten, schreibt die Nachrichtenagentur dpa unter Berufung auf Konzernkreise. Eine Bestätigung dafür gibt es bislang nicht.

Der Schaden beläuft sich laut Bilfinger Chart zeigen auf einen niedrigen dreistelligen Millionenbetrag. Der Aufsichtsrat habe seine Entscheidung "als Ergebnis seiner im März 2016 eingeleiteten Untersuchung" getroffen.

Koch reagiert "mit Befremden" auf die Vorwürfe

Namen der verantwortlich gemachten Manager nannte Bilfinger nicht. In der angegebenen Zeitspanne war jedoch der frühere hessische Ministerpräsident Roland Koch knapp vier Jahre lang Vorstandschef von Bilfinger. "Der Verdacht liegt nahe, dass die kein System hatten und sehenden Auges in die Probleme reingegangen sind", zitiert dpa aus Unternehmenskreisen.

Koch weist Ansprüche seines früheren Arbeitgebers zurück. Der CDU-Politiker reagierte "mit Befremden" auf die Vorwürfe "gegen ganze Generationen von früheren Bilfinger-Vorständen". Er sei sich keiner Schuld bewusst. Das Unternehmen habe über dreieinhalb Jahre hinweg keinen einzigen konkreten Vorwurf erhoben.

Bilfinger steht seit 2014 unter Aufsicht des US-Justizministeriums. Die inzwischen verkaufte Bilfinger-Tochter Julius Berger war bei einem Pipeline-Projekt in Nigeria in einen Korruptionsfall verwickelt, der erst 2010 aufgedeckt wurde. 2013 musste das Unternehmen 32 Millionen Dollar Strafe zahlen. Dazu kamen weitere Altfälle ans Licht, sodass die US-Aufsicht 2016 um zwei Jahre verlängert wurde.

Koch war von 2011 bis 2014 Vorstandschef. Nach mehreren Gewinnwarnungen räumte er seinen Posten. Er begründete dies auch mit Differenzen mit dem Aufsichtsrat. Auf ihn folgte als Interimschef sein langjähriger Vorgänger Herbert Bodner. Der Norweger Per Utnegaard, der nicht von den Vorwürfen betroffen ist, blieb anschließend noch nicht einmal ein Jahr, bevor 2016 der frühere Linde-Manager Tom Blades als Vorstandschef begann.

Unklar ist, gegen welche Ex-Vorstände des SDax-Konzerns in welcher Höhe Ansprüche geltend gemacht werden. Auch "inwieweit diese tatsächlich durchgesetzt werden können, steht zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht fest", heißt es in der Mitteilung. Zu etwaigen Pflichtverletzungen von Aufsichtsräten wollen der amtierende Vorstand um Konzernchef Blades nun eine Untersuchung in Auftrag geben.

apr/dpa/Reuters



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