200-Millionen-Dollar-Klage Starinvestor Gross wirft Ex-Kollegen bei Pimco Gier vor

Schlammschlacht in der Finanzbranche: Einst war Starinvestor Bill Gross das Aushängeschild von Pimco, nun verklagt er die Fondsgesellschaft der Allianz. Frühere Mitarbeiter hätten ihn rausgedrängt - aus Habgier und Geltungssucht.

Starinvestor Bill Gross: Opfer von geldgierigen Kollegen?
REUTERS

Starinvestor Bill Gross: Opfer von geldgierigen Kollegen?


Wer Filme wie "The Wolf of Wall Street" oder "Wall Street" gesehen hat, der ahnt, dass es in der Finanzwelt nicht beschaulich zugeht. Einen interessanten Blick hinter die Kulissen liefert nun eine Klage des Starinvestors Bill Gross gegen die Fondsgesellschaft Pimco.

Er gründete einst den Anleihenhändler, der mittlerweile zum deutschen Allianz-Konzern gehört. Nun fordert Gross 200 Millionen Dollar, denn er sieht seinen Abgang als ungerechtfertigt an und will seinen Ruf wiederherstellen. Der Finanzmanager verließ Pimco im September 2014. Damals hieß es unter Berufung auf Firmeninsider, Gross habe sowieso kurz vor dem Rauswurf gestanden. Er sei nicht gut mit Mitarbeitern umgegangen.

Gut ein Jahr nach seinem Abgang will Gross nun offenbar seine Version der Geschichte in die Öffentlichkeit bringen. Führende Leute bei Pimco hätten sich gegen Gross zusammengetan, um ihn hinauszudrängen und sich seine Beteiligung zu schnappen, zitiert die "Financial Times" aus der Klageschrift des Finanzmanagers. "Ihr ungebührliches, unredliches und unethisches Verhalten muss ans Licht", heißt es weiter.

Gross wirft seinen früheren Mitarbeitern vor, sie seien von Machtgier, Habgier und finanziellem Egoismus getrieben - "auf Kosten der Investoren und des Anstands".

Der Streit soll Bedürftigen zugutekommen

Bei Pimco hieß es, man sehe die Klage als unbegründet an und werde darauf zu gegebener Zeit antworten. Bei der Fondsgesellschaft und der Allianz dürfte man über den Streit nicht besonders glücklich sein. Zuletzt war etwas Gras über die Sache gewachsen, doch der Abgang von Gross hatte Pimco zunächst arge Probleme beschert. Kunden hatten massiv Geld aus dem einstigen Vorzeigefonds Total Return abgezogen. Gross hatte 43 Jahre bei Pimco gearbeitet. Von dort wechselte er zum Vermögensverwalter Janus.

Laut Gross' Klage gab es bei Pimco einen Streit um Anlagestrategien. Er kämpfte demnach dafür, in die seit Jahren bewährten Fonds zu investieren. Aber eine jüngere Generation von Finanzmanagern habe darauf gedrängt, in lukrativere, aber zugleich auch riskantere Produkte zu investieren. Diesen neuen Kurs habe auch Mohamed El-Erian vertreten. Er war Gross' früherer Kompagnon. Die beiden hatten sich aber zerstritten, und El-Erian - ebenfalls ein Star bei Pimco - hatte die Fondsgesellschaft bereits Monate vor Gross' Abgang verlassen.

Während Gross seinen Ex-Kollegen unlauteres Verhalten vorwirft, gibt er sich selbst großzügig. Alle Erlöse aus dem Rechtsstreit wolle er für wohltätige Zwecke spenden, hieß es.

mmq



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insgesamt 10 Beiträge
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Seite 1
wll 09.10.2015
1. Kein Titel
Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen, ein Fondsmanager wirft seinen Kollegen "ungebührliches, unredliches und unethisches Verhalten" und "Habgier" vor. Ganz großes Kino! Als unbeteiligter Dritter drängte sich mir bislang immer der Eindruck auf, dies wären elementare Grundvoraussetzungen für diesen Beruf. Genausogut könnte eine Heuschrecke die andere als "verfressen" titulieren... ;-)
ihawk 09.10.2015
2. Finanzmafia
Gier und die Abwesenheit jeglicher Moral wird der Galgenstrick der Finanzmafia sein.
Wolfgang Porcher 09.10.2015
3. Retourkutsche
so ist das Leben, jeder erntet was er sät.
thrust26 09.10.2015
4. Ach nee?
Fondsmanager sind gierig? Wow, ist da gerade ein Sack Reis in China umgefallen?
johannesmapro 09.10.2015
5.
Das geht doch an allen Vorbei, wenn ein Fond an einer Person hängt, dann läuft doch alles falsch, bei Pimco ging es seit dem auch abwärts. Das ist wie Rußland beim Zaren 1917, Schlecker und VW.
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