Investorenlegende Bill Gross Der unrühmliche Abgang des Anleihen-Königs

Bill Gross gilt als Finanzgenie: Mit der Fondsgesellschaft Pimco verdiente er Milliarden. Doch die eigenen Mitarbeiter behandelte der Starinvestor zuletzt offenbar immer schlechter- am Ende musste er seinem Rauswurf zuvorkommen.

Pimco-Firmengründer Gross: Auftritt mit Sonnenbrille
REUTERS

Pimco-Firmengründer Gross: Auftritt mit Sonnenbrille

Von


Hamburg- Es gibt in der Finanzwelt vielleicht zwei Handvoll Menschen, die mit ihren Worten wirklich Kurse bewegen können. Die Chefs der großen Notenbanken gehören dazu, die Investorenlegenden Warren Buffet und George Soros - und Bill Gross.

Als der Gründer des Anleihenhändlers Pimco am Freitag überraschend seinen Abschied bekannt gab, ließ die Nachricht die Finanzmärkte erzittern. Kurse von Staatsanleihen sackten ab, der deutsche Aktienindex Dax rutschte ins Minus, und die Allianz - Pimcos deutsche Mutterfirma - verlor binnen Minuten rund vier Milliarden Euro an Börsenwert.

Analysten warnen bereits, Gross' Abgang könne zu einer beispiellosen Kapitalflucht führen. Die Anleger würden womöglich Dutzende, wenn nicht sogar Hunderte Milliarden Dollar von Pimco abziehen und beim US-Vermögensverwalter Janus investieren - der Firma, zu der Gross nach 43 Jahren bei Pimco nun wechselt.

Die Geschichte ist umso erstaunlicher, da offenbar vor allem zwischenmenschliche Probleme hinter Gross' Abgang stecken. Die Nachrichtenagentur Reuters und das "Wall Street Journal" berichten übereinstimmend, der Chefinvestor sei seinem Rauswurf nur knapp zuvorgekommen. Grund sei sein Umgang mit Mitarbeitern. Mehrere Führungskräfte hätten gedroht , das Haus zu verlassen, wenn Gross nicht von selbst gehe. Daraufhin habe der Vorstand beschlossen, den Firmengründer vor die Tür zu setzen, eine Mitteilung für diesen Samstag sei bereits vorbereitet gewesen.

Dass Gross einen etwas eigenwilligen Charakter hat, ist in der Finanzbranche seit Jahren bekannt. Doch solange er Pimco und der Allianz Milliardengewinne bescherte, sahen die meisten Manager darüber gerne hinweg.

Zuletzt war die Geldmaschine Gross allerdings ins Stottern geraten: Die Renditen seines Vorzeigefonds Pimco Total Return gingen zurück, Anleger zogen Milliarden ab. Und dann gab es auch noch Ärger mit der US-Börsenaufsicht SEC. Die Aufseher stören sich an der Bewertung einzelner Anleihen in Pimcos Fonds.

"70-Jährige Version von Justin Bieber"

Bereits Anfang des Jahres hatte sich Gross seinem langjährigen Kompagnon zerstritten: Mohamed El-Erian, der zweite Pimco-Star, verließ daraufhin die Fondsgesellschaft. Anschließend beschleunigten sich nicht nur die Geldabflüsse aus dem Fonds. Auch Gross' Verhalten wurde immer merkwürdiger.

Im April widmete er die gesamte erste Hälfte seines einflussreichen Investmentausblicks seiner verstorbenen Katze Bob. "Außer Schlafen mochte Bob nichts lieber als mir von Raum zu Raum zu folgen und zu schauen, ob alles mit mir in Ordnung war", schrieb Gross damals. "Es wurde mir manchmal sogar etwas zu viel, vor allem wenn ich in die Dusche ging oder wieder rauskam."

Auf einer Finanzkonferenz in Chicago tauchte Gross im Sommer mit Sonnenbrille auf und verkündete, er sei "eine 70-jährige Version von Justin Bieber".

"Ich habe euch alle reich gemacht"

Auch sein Führungsstil soll konfrontativer geworden sein. Gross soll Mitarbeiter angeschrien und herabgesetzt haben. Selbst Vorstandschef Douglas Hodge sei vor seinen Attacken nicht sicher gewesen. Mehrmals soll Gross mit seinem Rücktritt gedroht haben "Ich habe euch alle reich gemacht… Seht zu, wie ihr ohne mich klarkommt", zitiert ihn das "Wall Street Journal".

Ausschlaggebend für seinen Abgang sei aber letztlich eine E-Mail an andere Top-Leute der Firma gewesen, in der Gross in zehn Punkten die seiner Meinung nach größten Probleme bei Pimco benannt habe. Dabei habe er gezielt einzelne Kollegen angegriffen. Mehrere Führungskräfte seien daraufhin bei Pimco-Chef Hodge vorstellig geworden und hätten ein Ultimatum gestellt, so das "Wall Street Journal". Unter den Rebellen sei auch Dan Ivascyn gewesen, der mittlerweile zum Nachfolger von Gross berufen wurde.

Pimco-Chef Hodge fasste das Ganze am Freitag noch diplomatisch zusammen: "Im Verlauf dieses Jahres wurde allerdings immer deutlicher, dass die Führungsspitze des Unternehmens und Bill fundamental unterschiedliche Ansichten darüber haben, wie es mit Pimco weitergehen soll."

Gross selbst managed nun einen erheblich kleineren Fonds bei Janus. Ob er dabei auch 200 Millionen Dollar pro Jahr verdient wie zuletzt angeblich bei Pimco, ist offen. Arm dürfte er jedenfalls nicht werden. Das US-Magazin "Forbes" schätzte sein Vermögen auf 2,3 Milliarden Dollar.

Mit Material von Reuters



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 5 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Koana 27.09.2014
1. Ein Beispiel, dafür....
wie die Wertigkeiten in dieser Verbrecherbranche verteilt sind. KONTAKTE sind alles was zählt, Billyboy scheint reichlich davon zu haben, sie sind gestern zumindest vom ach so klugen Markt mit ca. 4 Milliarden Dollar bewertet worden. Man kann an der Börse nichts vorhersagen, doch Kontakte können einem augenscheinlich die Glaskugel dafür in die Hände drücken. Nirgends ist ein Netzwerk wertvoller - wer keines hat, ist das ideale Opfer.
munterwegs 27.09.2014
2. ... und am Ende gewinnt immer ... der Top-Manager
Sie erkennen vorher als jeder Privatanleger, wenn es Zeit zum aussteigen ist. Die Fondsmanager sind mächtige Leute. Aber solche gibt es nicht nur in Amerika. Ein deutsche Beispiel ist der SEB Immoinvest der fleißig über die Deutschen Bank, die Deutsche Vermögensberatung und die Aachen Münchener an Privatleute gebracht wurde. Alle genannten Unternehmen haben davon profitiert. Nur die Privatkunden kommen nicht (bzw. nur nach und nach) an ihr Geld. Früher galten solche (Pyramiden)systeme als illegal. Die Bank- und Finanzwirtschaft hat sie inzwischen aber für ihre Branche legalisiert.
munterwegs 27.09.2014
3. Netzwerke: Netzwerkmarketing wirkt auf vielen Ebenen
Zitat von Koanawie die Wertigkeiten in dieser Verbrecherbranche verteilt sind. KONTAKTE sind alles was zählt, Billyboy scheint reichlich davon zu haben, sie sind gestern zumindest vom ach so klugen Markt mit ca. 4 Milliarden Dollar bewertet worden. Man kann an der Börse nichts vorhersagen, doch Kontakte können einem augenscheinlich die Glaskugel dafür in die Hände drücken. Nirgends ist ein Netzwerk wertvoller - wer keines hat, ist das ideale Opfer.
Da ist wohl etwas dran. Wenn die Netze in politische Kreise und in Industrie- und Handelskammern reichen, dann klappt es vielleicht auch mit der Selbstkontrolle.
ArnoNühm 28.09.2014
4. Noch nie...
musste in Wall Street-Kreisen wegen exzentrischem, eigenwilligem oder herrischem Verhalten gehen! Underperformance und Mittelabflüsse sind hier das Zauberwort! Andernfalls hätte niemand die Beschwerden ernst genommen!
wibo2 28.09.2014
5. Vertrauen der Anleger ist wichtiger als Insiderkenntnisse der Händler Netzwerke
Zitat von Koanawie die Wertigkeiten in dieser Verbrecherbranche verteilt sind. KONTAKTE sind alles was zählt, Billyboy scheint reichlich davon zu haben, sie sind gestern zumindest vom ach so klugen Markt mit ca. 4 Milliarden Dollar bewertet worden. Man kann an der Börse nichts vorhersagen, doch Kontakte können einem augenscheinlich die Glaskugel dafür in die Hände drücken. Nirgends ist ein Netzwerk wertvoller - wer keines hat, ist das ideale Opfer.
Damit wird deutlich, was die Fonds wirklich fürchten. Nämlich den Ausverkauf, der Flucht der Anleger, weil diese das gerade erst wieder gewonnene Vertrauen in die Märkte verlieren und ihre Gelder abziehen könnten.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.